Di., 20.06.2017

Kommentar zum automatisierten Fahren In weiter Ferne, so nah

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Andreas Schnadwinkel

auto ist das Kurzwort für Automobil, und das bedeutet »selbstbewegend«. Wie lange werden wir unsere Autos noch selbst und in eigener Verantwortung für unser Handeln am Steuer bewegen, bevor wir uns in einen Wagen setzen, die Zieladresse ins Navigationsgerät eingeben, um dann nicht mehr mit den Händen ans Lenkrad zu greifen?

Das automatisierte Fahren in einem vernetzten Verkehrssystem wird kommen, daran gibt es keinen Zweifel. Zulieferer wie Bosch entwickeln längst Rechner, die das immense Datenaufkommen bewältigen sollen, das die Umfeldkameras der neuen Pkw-Generation im Straßenverkehr aufnehmen.

Und der japanische Hersteller Nissan will sein Modell Qashqai bereits 2020 mit solcher Technik auf den Markt bringen. Allerdings dürfte dieses Auto in drei Jahren noch nicht die Endstufe dessen erreicht haben, mit dem sich die deutsche Ethikkommission seit einigen Monaten beschäftigt.

Das Themenfeld des Gremiums unter Leitung des ehemaligen Verfassungsrichters Ulrich Di Fabio ist weit und anspruchsvoll. Das zeigen die von der Kommission aufgestellten 20 Regeln. Die Leitlinien sind unter dem Strich als Warnungen zu verstehen – auch vor »totaler Überwachung«.

In der Debatte muss zwischen zwei Begrifflichkeiten unterschieden werden. Automatisiertes Fahren bedeutet nicht, dass man ins Auto steigt und während der Fahrt liest, schläft oder im Internet surft – und gar nicht auf die Straße sieht. Dabei handelt es sich um autonomes Fahren, so etwas wie die höchste technische Stufe individueller Mobilität. Automatisiertes Fahren meint technische Unterstützung durch Fahrassistenten, wie es sie zum Teil schon gibt.

Für den Gesetzgeber ist die Haftungsfrage die größte Herausforderung. Und da hat die Ethikkommission deutliche Antworten gegeben. Ohne eine Verschiebung der Haftung vom Fahrer zum Hersteller werde der »Weg zum autonomen Fahren nicht gangbar sein«, so die Wissenschaftler. Das hören die Autokonzerne nicht gerne, aber anders wird es keine Akzeptanz für die ohnehin schon stark kritisierte Mobilität 4.0 geben. Laut einer Emnid-Umfrage misstrauen 67 Prozent der Deutschen automatisierten Fahrsystemen. Diese Skepsis hängt mit unserer relativ alten Gesellschaft zusammen. Wenn die Technik entwickelt und ausgereift ist, wird das Stimmungsbild ein anderes sein.

Wann das sein wird? Experten sprechen von zehn bis 20 Jahren. Und um dann nicht wie bei den Elektroautos zweiter Sieger zu sein, macht die deutsche Automobilindustrie Druck auf die Politik. Jetzt soll alles ganz schnell gehen, manches wirkt überhastet.

Deswegen ist es gut, dass die Ethikkommission vor allem gesetzgeberische Sorgfalt fordert.

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