Fr., 14.07.2017

Kommentar zu den Änderungen bei Arvato Scheinbar folgerichtig, aber . . .

Fernando Carro.

Fernando Carro. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Eines steht fest: Fernando Carro hat mit dieser Entwicklung nicht gerechnet. Von außen betrachtet kann man durchaus den Eindruck haben, als wären die Ablösung des Managers und die neue Konzernstruktur der Bertelsmann-Tochter Arvato von langer Hand geplant. Doch hätte der Katalane, der über gute Kontakte zum spanischen Königshaus verfügt und beim FC Barcelona eine Dauerkarte besitzt, geahnt, dass er in Gütersloh bald nicht mehr gebraucht wird, er hätte mit Sicherheit seine Familie nicht nach OWL geholt.

Jedenfalls fällt es schwer, zu glauben, dass die Trennung wirklich »in bestem gegenseitigen Einvernehmen« beschlossen worden ist. Der kritische Blick auf die menschliche Seite dürfte sich dadurch etwas entspannen, dass Carro sicherlich eine Abfindung erhält, die der langen Betriebszugehörigkeit und seinen Leistungen für Bertelsmann angemessen ist.

Machtverhältnisse schon vorher klar

Die Machtverhältnisse waren schon vorher klar. Carro hatte sein Büro in Gütersloh nicht mehr, wie alle seine Vorgänger, jenseits der Autobahn A 2, sondern in der Zentralverwaltung. Vor geraumer Zeit war der Job an der Spitze des Geschäftsbereichs Bertelsmann Industrie, aus der Arvato hervorgegangen ist, eine gute Voraussetzung, um im Konzern ganz an die Spitze zu kommen. Hartmut Ostrowski war der letzte, der diesen Weg gegangen ist. Er übergab Ende 2011 an Thomas Rabe, der bald darauf das Druckgeschäft ausgliederte. Arvato wurde auf diese Weise ein schwieriges Geschäft los, verlor aber zugleich Mitarbeiter, Umsatz und damit möglicherweise Einfluss. Trotzdem blieb das Unternehmen natürlich weiter, was die Mitarbeiterzahl betrifft, die mit Abstand größte Geschäftseinheit. Durch ihre starke Stellung als Arbeitgeber am Konzernsitz kommt ihr noch zusätzlich eine besondere Bedeutung auch für die Eigentümer zu.

Kein direkter Nachfolger

Mit dem Ausscheiden Carros, der keinen direkten Nachfolger erhält, wird eine Managementebene fast ganz gestrichen. Von den Chefs der Tochterfirmen sind künftig nur noch Markus Dohle als Boss der Buchverlagsgruppe Penguin Random House und RTL-Chefin Anke Schäferkordt im Konzernvorstand vertreten – also ausgerechnet jene Manager, die Einheiten vorstehen, an denen Bertelsmann nur beteiligt ist, wenn auch mit satten 75 Prozent.

Was Carros Demission und die strukturellen Änderungen für die einzelnen Mitarbeiter bedeuten, lässt sich nur vermuten. Ihre direkten Chefs heißen ohnehin, nachdem die »Solution Groups« (wörtlich: Lösungsgruppen) immer stärker geworden sind, Schirrmeister oder Kebsch oder Krohn oder Moeller. Insofern können sich Rabe und der Bertelsmann-Aufsichtsrat bei der Personalentscheidung sogar auf Reinhard Mohn berufen. Dessen Ziel war es immer, zu dezentralisieren und Verantwortung möglichst an diejenigen zu delegieren, die ganz nah am Geschäft sind.

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