Fr., 21.07.2017

Kommentar zu Kirchen Glaubenssache

Luthergarten in Wittenberg (Sachsen-Anhalt).

Luthergarten in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). Foto: dpa

Von Andreas Schnadwinkel

Glauben ist Privatsache. Entsprechend persönlich können die Gründe für einen Kirchenaustritt sein – und vielfältig. Den einen ist die Sexualmoral der katholischen Kirche zu dogmatisch, andere lehnen die progressive Haltung der evangelischen Kirche zur »Ehe für alle« ab.

Die Entscheidung, die Amtskirchen zu verlassen, hat nur selten einen einzigen Grund. Meistens führt ein letzter Auslöser zur Trennung – und meistens ist es nicht die Trennung vom christlichen Glauben. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass in erster Linie Sterbefälle für sinkende Mitgliederzahlen sorgen.

An zweiter Stelle folgen die aktiven, bewussten Austritte. Unter der demografischen Entwicklung leiden nicht nur die Kirchen. Betroffen sind gleichermaßen Parteien, Gewerkschaften und Vereine.

Deswegen wollen und müssen sie alle jünger und moderner werden, um Nachwuchs zu gewinnen. Eines sollte den Kirchen Hoffnung machen. Die Zahl der Austritte ist leicht gesunken, wenngleich auf relativ hohem Niveau. Aber sie ist auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, in der sich die Kirchen klar positioniert haben, nicht weiter gestiegen.

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Glaubenssache

Wenn selbst die Kirchen die gültigen Gesetze der Moral, der Ethik und des eigenen Glaubens verletzen und darüber hinaus es versäumt haben, sich den dringlichen sozialen Fragen anzunehmen, dann haben sie ihre Chance verpasst, So muss die katholische Kirche darauf verzichten, eine Glaubens- und Verkündigungskirche zu sein und stattdessen eine soziale Revolution aus dem Glauben entfachen. Es mag sein, dass die Kirchen eine Stellungsnahme zu dem Flüchtlingsproblem abgegeben haben, doch insgeamt legen sie eine sehr bequeme Haltung der politischen Enthaltsamkeit an den Tag. Wo bleibt der Protest der "Protestanten"? Die Kirchen haben es verpasst, sich weltweit an die Spitze der Armen und der vielfach Notleidenden zu setzen und haben dies auch nicht mit Taten belegt, sondern, wenn überhaupt, nur mit Worten. So könnten sie aus eigener Kraft das soziale Gefüge aus eigener Kraft zum Positiven wenden. Aber bleibt es weiterhin nur bei Predigten, werden andere "Heilsbringer" die Menschen wie Rattenfänger um sich scharen.




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