Do., 27.07.2017

Kommentar zum Zulassungsverbot Aufräumaktion wird nicht bei Porsche enden

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Von Bernhard Hertlein

Der Satz stammt vom Autopionier Ferdinand Porsche (1875-1951) selbst: »Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber die jeder haben will.« Davon hat Porsche seit seiner Gründung gut gelebt – so gut, dass die Zuffenhausener vor 2009 unter Wendelin Wiedeking sogar den größeren VW-Konzern übernehmen wollten.

Daraus wurde dann nichts. Im Gegenteil: Die Wolfsburger haben am Ende Porsche übernommen. Jetzt haben sie den Salat: Zusätzlich zum Ärger um die eigenen Diesel-Fahrzeuge und den Kartellvorwurf müssen sie jetzt auch das Zulassungsverbot für Neuwagen des Porsche-Dieselmodells Cayenne 3 Liter TDI managen.

Rückrufaktionen, mal halb-freiwillig, mal staatlich angeordnet, hat es nach der Aufdeckung der Schummel-Abgassoftware schon mehrere gegeben.

Eine andere Qualität

Doch das nun von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) angeordnete Zulassungsverbot für Neuwagen hat eine andere Qualität. Wer einen Geländewagen zum Preis von mehr als 70.000 Euro bestellt, wird eventuell für sein Traumauto sogar eine längere Lieferzeit akzeptieren.

Aber dass er es nicht abholen darf, weil der Hersteller die Abgaskontrolleure jahrelang hintergangen und das Problem einfach nicht gelöst hat, das wird er nicht vergessen. Das Verhalten von Porsche ist um so unverständlicher, als die VW-Tochter nun wirklich genug Zeit hatte, die Schummelsoftware aus- und in den neuen Modellen eine neue funktionierende Abgasfilterung einzubauen.

Verschärft

Möglicherweise ist das beim Macan so geschehen. Beim Cayenne besteht der Verdacht, dass im Zuge der Nachbehandlung erneut manipuliert wurde. Ob man in Zuffenhausen auf die große Geduld einer Bundesregierung vertraut hat, die weiß, wie sehr die deutsche Wirtschaft von ihrer Autoindustrie abhängig ist?

Seit einer Woche hat sich die Situation allerdings in einer Weise verschärft, dass der Minister Gefahr lief, mitten im Bundestagswahlkampf das Heft des Handelns an die EU zu verlieren.

Porsche ist Mythos

Porsche ist nicht irgendeine Automarke. Porsche ist Mythos. Doch die aktuelle Maßnahme bedroht nicht nur die schwäbische Sportwagenschmiede. Die Motoren für den Cayenne stammen von der Schwesterfirma Audi.

Schon muss der VW-Mutterkonzern fürchten, dass beim Touareg ähnliche Maßnahmen ergriffen werden. Was auf den Zulieferkonzern Bosch, der die kriminelle Software entwickelt, gebaut und verkauft hat, zukommt – darüber lässt sich bislang nur spekulieren.

Sicher, die jetzt betroffene Porsche-Nobelkarosse ist kein Massenprodukt. Doch nachdem Dobrindt einmal angefangen hat, stärker durchzugreifen, wird er bei anderen Diesel­-Modellen nicht einfach aufhören können.

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