Do., 03.08.2017

Kommentar zum Diesel-Gipfel in Berlin Gipfel stinkt zum Himmel

VW-Cheflobbyist Thomas Steg, VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller und BMW-Vorstandsvorsitzender Harald Krüger kommen nach dem Diesel-Gipfel aus dem Bundesinnenministerium.

VW-Cheflobbyist Thomas Steg, VW-Vorstandsvorsitzender Matthias Müller und BMW-Vorstandsvorsitzender Harald Krüger kommen nach dem Diesel-Gipfel aus dem Bundesinnenministerium. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Von André Best

Das Ergebnis nach dem Diesel-Gipfel sieht auf den ersten Blick ganz wunderbar aus. So, als ob die Teilnehmer gezaubert hätten: Fünf Millionen Diesel-Fahrzeuge bekommen eine neue Software. Für die Halter entstehen keine Kosten. Das Update hat keinen Einfluss auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer. Und das Beste ist: Die Stickoxid-Belastung soll damit um 25 bis 30 Prozent reduziert werden, so dass Diesel-Besitzer keine Fahrverbote fürchten müssen. Welch ein großartiges Ergebnis, möchte man meinen.

Doch Vorsicht! Zweifel sind mehr als angebracht . Und Fragen gibt es ohne Ende, aber leider noch keine Antworten:

Warum zum Beispiel soll jetzt eine neue Software plötzlich Abhilfe schaffen, wenn die vorherigen Maßnahmen schon nicht funktioniert haben? Warum haben die Autokonzerne nicht bereits viel früher eine Technik eingesetzt, die dafür sorgt, dass Grenzwerte in den Städten auch tatsächlich eingehalten werden? Wird der Schummel-Software jetzt eine weitere hinzugefügt? Wer kann das eigentlich neutral kontrollieren? Und wann steht die Software zur Verfügung? Was passiert bis dahin – Fahrverbote oder einfach weiter so?

Skeptisch muss man auch deshalb sein, weil die Umrüstung nicht für Diesel mit der Euronorm 3 und 4, sondern nur für neuere Fahrzeuge gilt. Halter von älteren Diesel-Wagen schauen in die Röhre. Mindestens sie gehören zu den großen Verlierern dieses Gipfels. Betroffen davon sind mehr als sechs Millionen Halter, die aktuell Dieselautos fahren. Wer also einen Diesel besitzt, der Baujahr 2009 oder älteren Modells ist, hat ein Problem.

Dass der ADAC und Umweltschutzverbände bereits »auf dem Zaun« sind und Juristen die Dollarzeichen im Auge haben, ist nachvollziehbar. Auch wenn viele Experten schon jetzt prognostizieren, dass die Autokonzerne ihre Zusagen niemals einhalten werden können, bedarf es eines Beweises, ob die Software tatsächlich hält, was sie verspricht.

Das Problem ist, dass das Vertrauen der Verbraucher in die Automobilindustrie zuletzt derart gelitten hat. Viele Kunden wollen langsam nicht mehr glauben, was Daimler, BMW und VW ihnen so alles versprechen.

Hinzu kommt, dass die Konzerne wie so oft mit einem »blauen Auge« davonkommen, während der einzelne Verbraucher am Ende rat- und hilflos alleine dasteht und möglicherweise die Zeche ganz alleine zahlen muss.

Es bleibt dabei: Nicht nur die Autohersteller, sondern auch die Politiker geben ein sehr fragwürdiges Bild in diesem Skandal ab. Wenn die Spitzenpolitiker wachsweich von einer »neuen Verantwortungskultur der Autokonzerne« sprechen, spätestens dann wird deutlich, wie sehr dieser Gipfel zum Himmel stinkt.

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