Di., 22.08.2017

Kommentar zur AfD Wie in einer Ehe

Alice Weidel und Alexander Gauland, Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl.

Alice Weidel und Alexander Gauland, Spitzenkandidaten der AfD für die Bundestagswahl. Foto: dpa

Von Dietmar Kemper

Erst hat man sich nichts mehr zu sagen, dann geht man sich aus dem Weg, am Ende steht die Scheidung. Was in einer Ehe passiert, kann auch den Spitzenpolitikern einer Partei, die nicht aus Liebe, sondern aus Kalkül eine Zweckgemeinschaft bilden, widerfahren.

Die AfD führt das gerade lehrbuchmäßig vor. Parteichefin Frauke Petry hat seit dem für sie bitteren Parteitag im April in Köln nicht mehr mit den Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl gesprochen, gab Alexander Gauland als einer von ihnen offen zu.

Die Sprachlosigkeit an der Spitze ist das Ergebnis unterschiedlicher Positionen, von Animositäten und gegenseitigen Verletzungen. Angesichts der für die AfD wegweisenden Bundestagswahl schreckt das Bild einer zerstrittenen Partei zwar nicht den harten Kern der Anhänger, aber mögliche Wähler ab und kostet Prozentpunkte. Die AfD ist in der Krise – so wie damals, als Bernd Lucke von Frauke Petry entmachtet wurde.

In Köln haben Gauland und Weidel wiederum sie ausgebremst. Wenn die AfD so weitermacht, wird bald niemand mehr über die angebliche Alternative für Deutschland sprechen, weil sie sich unnötig selbst schwächt.

Kommentare

Wie in einer Ehe

@ o: Theordor W. Adorno hat gesagt: Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske von Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten". Und ich ergänze, vor allen Dingen, wenn sich sich anonym als Demokraten ausgeben. Haben wir schon vergessen, als der "Spiegel" vor der Bundestagswahl 2013 feststellte, wie toll die AfD doch sei und titelte "Britisches Lob für die AfD". Lucke sässe im Londoner Kabinett usw. Und der Kommentator stellte fest: "Wäre ich Deutscher, würde ich die AfD wählen". Und im September 2013 teilte der "Spiegel" mit, dass die neue Partei (sprich AfD) zum "Hassobjekt für ein linksextremen Kreis gworden sei. Es liegt nahe, dass die Kommentare von einigen Mitglieder der AfD als islamfeindlich und rassistisch angesehen werden und der Springer-Verlag seine Meinung geändert hat. Wo bleibt denn der Masterplan der SPD zum Rechtsextremismus, wie er 2013 vollmundig angekündigt wurde? Und noch ein Wort zum Rechtsextremismus in den USA. Wenn man viele Jahre dort gelebt hat, weiss man, dass der Rechtsextremismus immer vorhanden war, mal stärker in Erscheinung tretend. Doch nun so zu tun, als wenn Trump für Charlotteville verantwortlich sein, ist absurd. Rechte oder Linke, Nazis u.a. machen im Verhältnis zu 320 Millionen Amerikaner einen Bruchteil aus und spielen in der amerikanischen Durchschnittsbevölkerung nur eine geringe Rolle. Der Eindruck, der hier vermittelt werden soll, entspricht nicht der Reaktion der amerikanischen Bevölkerung.Übrigens, ich kein AfD-Wähler.

Selbstkritik

Sehr geehrter Herr Schneider,
solange Politiker wie "Herr" Höcke innerhalb der AfD eine Führerrolle einnehmen, müssen Sie sich nicht wundern, wenn die breite demokratische Basis diese Partei an den Pranger stellt. Solange die AfD im ultrarechten Sumpf auf Stimmenfang geht und Naziparolen auf ihren Parteiversammlungen ungestraft zulässt, müssen Sie sich nicht wundern, wenn Kirche und Gewerkschaften darauf hinweisen. Sehen Sie doch mal nach Amerika. Dort werden die Folgen der Akzeptanz von rechtem Gedankengut immer deutlicher. Es mag Demokraten in der AfD geben, aber solange man sich nicht eindeutig von faschistischem Gedankengut distanziert, ist diese Partei eine rechtsradikale Sammlungsorganisation. Die NSdAP kam anfangs auch harmlos daher und hinterher wollte es dann niemand gewesen sein.

Wie in einer Ehe

Immerhin darf der Bund und seine Behörden die AfD nicht mehr "rechtsextrem" bezeichnen, so die Unterlassungserklärung. Und der bayrische Innenminister Herrmann darf den AfD-Chef Bystron nicht mehr im Verfaasungsschutzbericht nennen. Wenn die AfD tatsächlich in der Wählergunst sinkt, dann frage ich mich, warum Bild im Juni dieses Jahres den Umfrage-Tool vom Netz nahm, die AfD ein überwältigenden Ergebnis aufweisen konnte. Wenn SPD-Schulz Programmpunkte von der AfD übernimmt, der Wahlleiter der NRW-Wahl eine Prüfung für nicht erforderlich hält, weil der "Rechtsfrieden wieder hergestellt werden soll", dann frage ich mich, wann dann endlich die Hexenjagd aufhört? Wenn der evangelische Landesbischof Markus Dröge aus Berlin der Meinung ist, dass "Christen in der AfD nichts zu suchen haben", wenn Linke einen AfD-Politiker krankenhausreif schlagen und das kein Haftgrund ist, wenn der DGB zum Kampf gegen die AfD bläst, und der Justizminister Maass die Parteienfinanzierung für die AfD einfrieren will, wenn in Österreich alle wie Stracke sein wollen, dann frage ich mich, wo bleibt die vielgelobte Demokratie in unserem Lande. Ich würde es begrüssen, wenn die Bundestagswahl unter internationaler Beobachtung stattfindet. Übrigens, wer sagt denn, dass es inden "christlichen" Ehen von CDU und CSU keinen "Ehekrieg" gibt?

3 Kommentare

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