Do., 31.08.2017

Kommentar zum Engagement von Altkanzler Schröder beim Ölkonzern Rosneft Illoyal und unmoralisch – basta!

Altkanzler Gerhard Schröder wird in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einziehen

Altkanzler Gerhard Schröder wird in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einziehen Foto: dpa

Von Berndhard Hertlein

Da ist er wieder, der alte Basta-Stil: »Es geht um mein Leben, und darüber bestimme ich – und nicht die deutsche Presse.« Schluss! Aus! Diskussion beendet! Trotz aller Kritik wird Altkanzler Gerhard Schröder in den Aufsichtsrat des russischen Ölkonzerns Rosneft einziehen – wohl sogar den Vorsitz übernehmen.

Der politische Kollateralschaden dieser »privaten« Entscheidung Schröders ist groß. Grundsätzlich ist es nicht verkehrt, wenn Politiker etwas von Wirtschaft verstehen und wenn dieses Wissen von Unternehmen geschätzt wird. Doch Rosneft geht es nicht um das Wissen und vermutlich nicht einmal um das persönliche Netzwerk, über das Schröder auch noch mit 73 Jahren verfügt. Rosneft, mehrheitlich in russischem Staatsbesitz, macht mit dieser Personalie Außenpolitik. Indem der »Genosse der Bosse« sich vor den Karren des Kremls spannen lässt, fällt er nicht nur der deutschen, sondern der gesamten westlichen Außenpolitik in den Rücken.

Eine solche Illoyalität steht einem Mann, der seine Apanage vom deutschen Steuerzahler erhält, schlecht an. Zwar muss er als Rentner nicht schweigen. Doch der Altkanzler hätte andere Möglichkeiten und Wege, sein Missfallen an den Sanktionen gegen Russland bei denen zur Sprache zu bringen, die heute Verantwortung tragen.

Schröders Engagement ist aber nicht nur illoyal, es ist auch unmoralisch. Rosneft ist nicht irgendein Rohstoffkonzern. Das zeigt sich schon daran, dass diese Personalie von Regierungschef Dmitri Medwedew persönlich bekannt gegeben wurde. Rosneft-Vorstandschef Igor Setschin ist ein Gefolgsmann von Präsident Wladimir Putin. Der Aufstieg des Konzerns zur heutigen Größe begann mit der Einverleibung von Yukos. Dessen Gründer Michail Chodorkowski büßte für seine Gegnerschaft zu Putin mit einem unfairen Verfahren und mehrjähriger Gefängnishaft. Aktuell stützt der Konzern das Regime in Venezuela mit einem Milliardenkredit. Und dann ist da noch dieser andere Deutsche, der schon Mitglied im Rosneft-Aufsichtsrat ist: Matthias Warnig hat von 1974 bis 1990 in der DDR hauptberuflich für die Stasi gearbeitet.

Wie üblich kommt jetzt der Ruf nach dem Gesetzgeber – zumal Ex-Bundespräsident Christian Wulff bei seinem Engagement für eine türkische Textilfirma auch nicht gerade Fingerspitzengefühl beweist. Es ist nichts dagegen einzuwenden, wenn ehemalige Politiker noch als Publizist, Redner oder Berater tätig sind. Doch es kommt darauf an, wem sie zur Seite stehen und auf welche Weise. Engagements bei der EU, den UN, einer Kirche oder Gewerkschaft und in einem Privatunternehmen sind auf jeden Fall anders zu bewerten als bei einem ausländischen Staatskonzern. Das weiß Schröder – mag er jetzt noch so über seine Kritiker herziehen. Sein Mandat bei Rosneft ist illoyal und unmoralisch. Basta!

Kommentare

illoyal und unmoralisch

Es ist unerträglich, dass der Kommentator jede Gelegenheit benutzt, Trump- und Russland-Bashing zu betreiben. Der Neid kann es nicht sein, dann wären die 30 Prozent Ausländeranteil in den Vorständen und Aufsichtsgremien der deutschen DAX-Unternehmen schon einmal diskutiert worden. Wenn ich bestimmte Themen bearbeite, dann machen ich mich über alle Faceten wissend. So hätte der Kommentator eingehend sich mit "Roseneft", seine Struktur, seine internationale Verpflechtung, die wichtigsten Personen usw. befassen sollen und vor allen Dingen nicht ausblenden dürfen, das "Rosneft" an vier Raffinerien in Deutschland beteiligt ist und langfristig die Energieversorgung dieser Republik sicherstellt. Oder glaubt der Kommentator, dass alternative und/oder nachhaltige Energien aus dem eigenen Land den Energieverbrauch sicherstellen oder feindliche Übernahmen nur in Russland mögich sind, wie z. B. Jukos usw. Die USA, wenn sie es auch vollmundig verkünden, können das mit Sicherheit nicht. Den USA-Fracking ist sehr begrenzt, ebenso die anderen Energieträger, die sehr kostenintenviv zu produzieren sind. Die von den USA geforderten immer neuen Russland-Sanktionen dienen ausschliesslich den eigenen wirtschaftlichen Interessen. Und ihre Vasallen müssen spurten. Dass Schröder keinen Wert auf die Maninstream-Meinung legt, ist mir sehr sympatisch. Übrigens, dass "Rosneft" direkt oder indirekt mit den Kriegshandlungen in der Osturkaine zu tun hat, ist einfach falsch. Der Kommentar sollte einfach mit Lesern sprechen, die viele Jahre vor Ort die amerikanische Politik erfahren konnten und/oder auch über gute Geprächpartner in Russland haben, die nicht unbedingt politisch motiviert sind.

Und Ihr Kommentar ist lächerlich, basta !

2 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5117092?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F