Mi., 13.09.2017

Kommentar zur Reaktion der Autoindustrie auf den Diesel-Skandal E-Mobilität ist kein Allheilmittel

Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt stehen am BMW-Stand verschiedene elektrisch angetriebene Modelle.

Bei der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt stehen am BMW-Stand verschiedene elektrisch angetriebene Modelle. Foto: dpa

Von Wolfgang Schäffer

Nein, die mittelfristige Zukunft wird nicht von der Elek­tromobilität dominiert. Die Internationale Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt hat hier Klarheit in die oft unsachlich geführte Diskussion gebracht.

Neue Elektroautos, die bereits Serienreife haben, sind auf der Messe kaum zu sehen. Dafür – außer einer Vielzahl von SUV in sämtlichen Größenordnungen und PS-starken Modellen – jede Menge Designstudien. Die sind schick und sollen mit akzeptablen Reichweiten ausgestattet sein. Zu kaufen werden diese Modelle aber nach und nach erst in den kommenden Jahren sein.

VW beispielsweise geht davon aus, dass 2025 jedes vierte Fahrzeug aus dem Konzern rein elek­trisch angetrieben wird. Das wären dann bis zu drei Millionen Autos. Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass 75 Prozent aller von VW produzierten Wagen – hochgerechnet etwa neun Millionen – nach wie vor von herkömmlichen Verbrennungsmotoren angetrieben werden.

Das Verhältnis der unterschiedlichen Antriebe dürfte bei BMW und Mercedes kaum anders aussehen. Nicht nur diese beiden Hersteller, sondern die kompletten Mitbewerber will der VW-Konzern in Sachen Elektromobilität überflügeln.

Vorstandschef Matthias Müller ist sicher, sein Unternehmen werde bis 2025 zur weltweiten Nummer eins in dieser Disziplin aufsteigen. Allein um dieses Ziel zu erreichen müssen Müllers Worten zufolge vom Konzern 20 Milliarden Euro bis 2030 für direkte Investitionen für die Industrialisierung der E-Mobilität bereitgestellt werden. Dazu gehören nicht nur Autos, sondern unter anderem auch die Lade-Infrastruktur und die Batterien.

Gerade zu diesem Thema gibt es noch viele unbeantwortete Fragen. Denn zur Herstellung der aktuell verwendete Lithium-Ionen-Akkus sind seltene Rohstoffe notwendig. Und die werden, wie beispielsweise Kobalt im Kongo, unter oft menschenunwürdigen Bedingungen von Kindern abgebaut. Auch das gilt es unbedingt bei der Diskussion um die angestrebte Verkehrswende zu berücksichtigen.

Aber nicht nur das. Fest steht, dass die Verbrennungsmotoren in den vergangenen Jahren immer sauberer geworden sind und in Zukunft noch emissionsärmer werden. Die Anstrengungen dafür hat der unsägliche und mit krimineller Energie betriebene Betrug um die Abgasmessungen beim Diesel zumindest verstärkt. Das sind unverzichtbare Maßnahmen, denn ohne Dieselmotoren sind die ausgerufenen Klimaziele nicht zu erreichen.

Fraglos ist die E-Mobilität ein wichtiger Aspekt, um die Luft in den Städten sauber zu bekommen. Klar muss aber sein, dass die E-Mobilität nicht als Allheilmittel gefeiert werden darf, sondern – zumindest auf relativ lange Sicht – als eine wichtige Alternative für bestimmte Einsatzgebiete gesehen werden sollte.

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