Mi., 20.09.2017

Kommentar zu Myanmar Die Lady steckt in der Falle

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi spricht am 19. September in Naypyitaw in einer landesweit übertragenen Rede über die Flüchtlingskrise ihrer Landes.

Myanmars Regierungschefin Aung San Suu Kyi spricht am 19. September in Naypyitaw in einer landesweit übertragenen Rede über die Flüchtlingskrise ihrer Landes. Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa

Von Reinhard Brockmann

Wenn 420.000 Muslime nach Bangladesch fliehen, dann tun sie das nicht aus Daffke. Und wenn die immer noch von Militärs kontrollierte Regierung des buddhistischen Myanmar wochenlang die Dinge treiben lässt, ist sie auch verantwortlich für die ethnischen Säuberungen.

Deshalb ist es gut, dass Aung San Suu Kyi endlich ihr Schweigen gebrochen hat. Leider übte sie nur kaum hörbar Kritik an den wahren Führern ihres Landes. Die Friedensnobelpreisträgerin brauchte drei Wochen, um wenigstens Hoffnung auf etwas Menschlichkeit zu machen.

Tatsächlich ist der Hintergrund für die neueste weltpolitische Krise sehr viel weiterreichender. Die Bezeichnung Rohingya ist historisch nicht belegt. Die erst in jüngster Zeit so bezeichnete Volksgruppe im Nordwesten Myanmars wird seit der Unabhängigkeit Birmas 1948 schikaniert. 20 groß angelegte Militäraktionen hat es seitdem im Nordwesten gegeben. 1982 wurde den Nicht-buddhisten sogar die Staatsbürgerschaft aberkannt.

In jüngster Zeit hat die Dauerunterdrückung eine neue Dimension erreicht. Durch das Auftreten der gut gerüsteten Miliz »Arakan Rohingya Salvation Army« könnte aus einem schwelenden Konflikt ein Großbrand werden. Die kleine finanzstarke Rebellengruppe wurde vor gerade einem Jahr in Saudi Arabien gegründet und in Afghanistan sowie Pakistan trainiert.

Das wirft Fragen auf. Wer hat ein Interesse daran, einen bislang unbeachteten Konflikt auf die große Bühne zu zerren? Weshalb zu diesem Zeitpunkt? Sollen die UN-Vollversammlung und das Treffen der 57 Mitgliedsstaaten der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) in New York instrumentalisiert werden?

Dunkle Mächte dürfen auch auf der anderen Seite in Myanmars politischer Führung vermutet werden. Die Militärs brennen weiter Dörfer ab, morden und vergewaltigen, während die hilflose Staatsrätin Aung San Suu Kyi ihre handzahme Rede an die Nation hält. De facto sagt sie wenig Konkretes, doziert dabei mal abstrakt, mal uninformiert. Allen Ernstes fragt sie, warum all die Menschen fliehen. Weiß sie es nicht? Oder paktiert die 72-Jährige jetzt mit jenen alten Männern in Uniform, die sie 15 Jahre unter Arrest gestellt haben?

Myanmars scheinbare Lichtgestalt steckt in der Klemme. Sollte die Lady Komplizin beim Genozid sein, wäre ihre internationale Reputation ruiniert. Würde sie andererseits die Generäle offen attackieren, wäre sie nicht einmal mehr als Marionette gefragt. Selbst ihre Popularität in der mehrheitlich buddhistischen Bevölkerung ginge verloren.

Die kleine aufrechte Frau hat in ihrem politischen Leben mit Zähigkeit und Verzicht extrem viel erreicht. Jetzt bräuchte sie andere Qualitäten: Härte und todesmutige Entschlossenheit. Vielleicht erwarten wir zu viel von ihr.

Kommentare

Die Lady steckt in der Falle

Als die Vorsitzende der demokratischen Partei in Myanmar Aung San Su Kyi die Regierungsgeschäfte übernahm, war mir klar, dass sie keine Chance gegen die hasserfüllten Mönche haben wird. Diese geniessen grosse Popularität bei der buddhistischen Mehrheitsgesellschaft. Wer einmal dem Mönch U Wirathu zugehört hat, könnte meinen, dass er die "Sanftmut" in Person ist. Wer genau hinhört wird feststellen, dass er die islamischen Hassprediger noch übertrifft. Wer in diesem Land als Nichtbuddhist hingemetzelt wird, der ist "kein echter Mensch". Dies kennen wir auch aus Thailand und Sri Lanka. Diesen Mönchen geht es nicht allein um die Religion, sondern auch um die Rasse. Offensichtlich haben sie Angst vor der "Überfremdung". Wir im Westen glauben, diese Religion könnte keiner Fliege etwas zu leide tun, wenn hier die ganze Natur beseelt ist und es die Seelenwanderung gibt. Es gilbt also danach den geistigen Respekt vor dem Leben. Also passen die Nachrichten in unserer Weltbild? Und warum sollen Moslems andere rassisitische Wurzeln haben? Bedeutet hier die rassistische Fremdheit gleich Minderwertigkeit, wie es die nationalistische Orgsanisation "Ma Ba Tha" in Myanmar fordert?

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