Mo., 09.10.2017

Kommentar zum »Tatort« Eine Zumutung

Eine Szene aus dem Tatort »Hardcore«.

Eine Szene aus dem Tatort »Hardcore«. Foto: dpa

Von Dietmar Kemper

Ein Swimmingpool voll mit Sperma – für Menschen mit einem Rest an Schamgefühl war am Sonntagabend der »Tatort« mit dem bezeichnenden Titel »Hardcore« eine Zumutung. Nackte Haut ist im Fernsehen nichts Ungewöhnliches mehr, aber derart aufdringlich und vulgär wurden Zuschauer selten mit Sex konfrontiert. Der Kriminalfall ging in der Dauerpräsenz von Hintern und Busen unter.

Regisseur Philip Koch sollte sich zwei Dinge merken. Erstens: Man muss nicht alles zeigen – es reicht aus, wenn etwas nur angedeutet wird. Das gilt für einen »Tatort« selbst dann, wenn er sich mit der Pornoindustrie befasst. Und zweitens: Plumpe Nacktheit ist nicht erotisch, sondern ödet im Gegenteil an.

Privatsendern wird vorgeworfen, für hohe Einschaltquoten setzten sie schamlos auf das Rezept »Sex sells«. Und dann dreht ausgerechnet der Bayerische Rundfunk die Schraube weiter an. »Hardcore« kam teilweise wie ein mit Rundfunkbeiträgen finanzierter Pornofilm daher – und das nicht um 23.30 Uhr, sondern zur besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Die Senderverantwortlichen muteten den unappetitlichen Swimmingpool auch noch Kindern zu.

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