Mi., 25.10.2017

Kommentar zum Einkaufscenter Loom Lebendige Städte – so kann’s gehen

Das Loom einen Tag vor der Eröffnung.

Das Loom einen Tag vor der Eröffnung. Foto: Oliver Schwabe

Von Edgar Fels

Kein Zweifel: Die Einzelhandelslandschaft der Region ist seit Donnerstag um eine Attraktion reicher. Das Loom ist mit seinen 110 Geschäften das größte und modernste Einkaufszentrum in Ostwestfalen-Lippe. 25.000 Besucher täglich werden im Schnitt erwartet – auch das dürfte in OWL einzigartig sein. Selbst im Ikea-Haus im Bielefelder Stadtbezirk Brackwede sind es an einem durchschnittlichen Samstag »nur« 12.000 Besucher.

Und dann wäre da noch die Investitionssumme von 135 Millionen Euro – viel Geld, das der Hamburger Einkaufscenterbetreiber ECE in der Bielefelder Innenstadt verbaut hat. Entsprechend hoch sind die Erwartungen der Mieter. Sie alle vertrauen darauf, dass eine konstant hohe Zahl an Kunden nicht etwa zu Hause vom Sofa aus bei Amazon & Co. Waren bestellt, sondern sich auf den Weg nach Bielefeld macht. Das Loom benötigt Millionenumsätze, um die 750 Arbeitsplätze in dem Center zu finanzieren.

Gerade in den ersten Monaten dürfte das Loom Menschen aus ganz OWL und darüber hinaus anlocken. Dabei ist schon jetzt klar, dass die meisten Geschäfte mit ihrem Sortiment vor allem das jüngere Publikum ansprechen. Das muss keineswegs schlecht sein. Vor allem dann nicht, wenn diese jungen Leute bisher nach Dortmund oder Hannover gefahren sind, um ihre Shoppingwünsche zu befriedigen, weil es hier bisher kein entsprechendes Angebot gab. Ein Beispiel dafür bietet das Modegeschäft Primark.

Andererseits ist sein Billigangebot vielen ein Dorn im Auge. Genau dagegen wollen Mitglieder von Greenpeace sowie weitere Aktivisten am Donnerstag in Bielefeld demonstrieren. Damit fällt nicht nur ein Schatten auf den Eröffnungstag des Loom. Es lenkt den Blick auch auf das Grundproblem, dass billige Mode ihren Preis hat. In Asien herrschen vielfach unzumutbare Arbeitsbedingungen.

Architektonisch setzt das Loom einen Glanzpunkt. Doch am Ende zählt, was in der Kasse liegt. Der stationäre Handel wird es weiterhin schwer haben, sich gegen den Onlinehandel zu behaupten. In den vergangenen zehn Jahren haben sich deutschlandweit die Onlineumsätze vervierfacht. Ende dieses Jahres könnten sie bei fast 49 Milliarden Euro liegen. Das entspricht einem Anteil von zehn Prozent am Gesamtumsatz im Einzelhandel. Noch ist der stationäre Handel die klare Nummer eins. Sein unbestrittener Vorteil: Man kann alles anprobieren und sofort mitnehmen. Und schließlich ist für viele auch das Einkaufserlebnis an sich etwas Schönes.

Das Loom dürfte für den stationären Handel in Bielefeld ein Gewinn sein. Und andernorts? Jeder ist sich selbst der nächste. Daher ist es gut, dass Städte wie etwa Herford und Paderborn ebenfalls intensiv daran arbeiten, die Attraktivität ihrer Städte zu steigern. Leerstände will schließlich niemand. Alle wollen lebendige Innenstädte.

Kommentare

Lebendige Städte - so kann`s gehen

Ich habe mir heute noch einmal den Bericht über Einkauszentren in "Plusminus" vom 23.01.2013 angesehen und unter diesem Eindruck das "Loom" aufgesucht. Wahrlich eine glitzernde Konsumwelt, hell, freundich einladend. Das bedeutet, dass Bielefeld einen eiskalten Konkurrenzkampf zwischen dem "Loom", und den tradionellen Einlaufsstrassen erleben wird. Die Bahnhofstrasse und die angrenzenden Strassen, mit der gewachsenen Einzelhandelsstruktur, werden an Umsatz und Kunden verlieren. Die Geschäfte, die bislang den Charme in Bielefeld ausgemacht haben, werden viele um ihre Exsistenz kämpfen müssen. Nun kann man einwenden, dass die Zukunft ohne ein Konsumtempel ebenfasss düster aussehen würde. Monika Walther von der HafenCity Universität Hamburg hat mehr als 60 deutsche Städte untersucht und festgestellt: Meist profitieren nur die Center selbst. Es ist ein Milliardengeschäft. Wer einmal über das Parkdeck den Zugang in das Center gewählt hat und über die verschiedenen Ebenen "gewandert" ist, bleibt, um seine Einkäufe zu tätigen. Nun bleibt die Hoffnung, dass die Stiftung "Lebendige Stadt", die von Otto-Chef Alexander Otto mit der offiziellen Zielsetzung: "Innenstädte zu verschönern und zu beleben" sich nicht nur auif das "Loom" beschränkt. Die gesellschaftlichen Zusammenhänge sollte man einfach googlen. Eins nur, die Stiftung befasst sich bewusst nicht mit dem Thema "Handel". Somit ist ein Inrteressenskonflikt ausgeschlossen. Hoffen wir alle, dass Bielefeld eine blühende Zukunft hat.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5246649?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F