Do., 16.11.2017

Meinung Armer Heiland

Das Gemälde »Salvator Mundi« (dt. »Heiland der Welt«) des italienischen Künstlers Leonardo da Vinci.

Das Gemälde »Salvator Mundi« (dt. »Heiland der Welt«) des italienischen Künstlers Leonardo da Vinci. Foto: Kirsty Wigglesworth/dpa

Von Ingo Steinsdörfer

Was bestimmt den Wert von Kunst? Wohl nichts außer der Potenz der Brieftasche, die sie um jeden Preis haben will. Und der Ignoranz, mit der ihr Besitzer die Welt um sich herum betrachtet.

Ausgerechnet den christlichen Heiland, den, der den Notleidenden Hilfe und Hoffnung geben will, zeigt das nun teuerste Bild der Welt . Wird das Gemälde Leonardo da Vincis, wenn es denn seines ist, eines Tages in einem Museum auch anderen Sterblichen zugänglich werden? Wie es sich für ein Erbe der Menschheit gehört? Wenigstens das?

Auch egal! Denn kann das alles überhaupt noch eine Welt sein? Hungersnot im Sudan und im Jemen, wo Kinder auf Stockbeinen ihren aufgedunsenen Hungerbauch tragen, so lange sie noch können. Schlauchbootfahrer im Mittelmeer, die, wenn sie nicht ersaufen, in weniger (EU) oder mehr (Libyen) unmenschlichen Lagern landen. Hartz-IV-Bezieher, die für jeden Euro dankbar sein sollen – weil es ihnen im Weltvergleich ja super geht. Und ein Bild für 450 Millionen Dollar.

Die armen Armen dieser Welt. Aber denen wird ja oft genug gesagt, woran es liegt. Es ist einfach kein Geld da. Jedenfalls für sie.

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