So., 17.12.2017

Kommentar zum neuen CSU-Führungsduo Ab jetzt wird auch in Berlin »gesödert«

Markus Söder.

Markus Söder. Foto: dpa

Von Hagen Strauß

Ob die neue Harmonie in der CSU tatsächlich ehrlich ist – geschenkt. Denn Horst Seehofer und Markus Söder sind dazu gezwungen, trotz ihres heftigen Machtkampfs nun als Führungsduo einigermaßen vernünftig zu funktionieren und zum Wohle ihrer Partei zu handeln. Nicht nur, weil das die große Erwartung der Basis nach dem Parteitag in Nürnberg ist, die die Zerwürfnisse ihres Spitzenpersonals satt hat.

Söder muss als künftiger Ministerpräsident im kommenden Jahr bei den Landtagswahlen die absolute Mehrheit verteidigen. Sonst könnte die Ära des Franken eine kurze sein. Ohne oder gar gegen Seehofer wird ihm das nicht gelingen, dafür ist der Vorsitzende nach wie vor zu stark verankert und zu angesehen in der Partei. Auch auf Seehofers Erfahrung im Wahlkampf kann Söder nicht verzichten.

Seehofer wiederum muss bei den komplizierten Sondierungen mit der SPD für die CSU möglichst viel herausholen. Und dafür benötigt er Söders Hilfe. Gelingt ihm dies, würde Seehofer auch sein Amt als Vorsitzender der CSU absichern – und es könnte ihm womöglich noch einen Ministerposten in Berlin einbringen. Wenn man so will, sind beide in Nürnberg eine Art Schicksalsgemeinschaft eingegangen. Zumindest bis zum Wahltag im Herbst 2018. Bei aller Distanz, die man gewahrt hat, auf dem Parteitag konnte man den Eindruck haben, dass sie sich dessen bewusst sind.

Ab jetzt wird jedenfalls auch in der Bundespolitik »gesödert«. Mit dem künftig neuen Mann in der Münchner Staatskanzlei wird es Angela Merkel nicht leichter haben. Im Gegenteil. Das Regieren dürfte für die Kanzlerin noch mühsamer werden, wenn mal eine neue Regierung gebildet worden ist. Denn Söder bedient weit mehr als Seehofer das, was man im Freistaat von einem Politiker erwartet. Er kann zuspitzen, draufhauen, Söder scheut weder die derbe Attacke noch das populistische Wortgefecht. Er kann Stammtisch. Hauptsache, es nutzt ihm und der CSU.

Sein Motto wird sein: Bayern zuerst. Daran besteht kein Zweifel. Zwar galt dieser Leitspruch auch schon für Seehofer. Aber Söder wird die Abgrenzung zu Berlin in den kommenden Monaten bis zur Landtagswahl noch viel stärker betreiben, als es Seehofer bereits getan hat. Ruhigere Zeiten brechen mit dem neuen Duo für die Kanzlerin also nicht an. Zumal sie sich nun mit zwei CSU-Spitzenkräften ins Benehmen setzen muss.

Das alles bedeutet auch, dass die Anfang Januar beginnenden Sondierungsgespräche nicht leichter werden. Denn die gewachsene Notwendigkeit christsozialer Profilierung dürfte automatisch die Bereitschaft zu Kompromissen sinken lassen. Eine Regierungsbildung könnte somit weitaus schwieriger werden – nicht nur wegen einer widerwilligen SPD, sondern wegen der CSU.

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