Mi., 27.12.2017

Kommentar zum Kriegsgeschrei zwischen Kim Jong Un und Donald Trump Was ist die olympische Idee wert?

Kim Jong Un begrüßt Soldaten bei einem militärischen Wettbewerb.

Kim Jong Un begrüßt Soldaten bei einem militärischen Wettbewerb. Foto: dpa

Von Reinhard Brockmann

Die Idee vom olympischen Frieden ist uralt und ebenso brüchig wie das Ruhen der Waffen über Weihnachten. Immerhin: Auf den Kriegsschauplätzen herrschte in diesen Tagen tatsächlich relative Ruhe.

Noch völlig offen ist, ob die in sechs Wochen beginnenden Olympischen Winterspiele in Südkorea unter einem fried­lichen Stern stehen. Das Kriegsgeschrei zwischen Diktator Kim Jong Un und dem nicht minder schrillen US-Präsidenten Donald Trump muss dringend nachlassen. Wintersportler aus aller Welt sollen mit einem weniger flauen Gefühl nach Südkorea reisen. Ihr Ziel Pyeonchang liegt gerade einmal 95 Kilometer südlich der derzeit brisantesten Grenze der Welt.

Werde seine »nukleare Abschreckung zur Selbstverteidigung« verstärken

Ausgerechnet Heiligabend drehte Nordkorea erneut an der Rüstungsspirale. Das Land werde seine »nukleare Abschreckung zur Selbstverteidigung« weiter verstärken, hieß es aus dem Außenministerium. Die jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats seien eine »kriegerische Handlung«.

Der UN-Sicherheitsrat hatte zuvor – mit den Stimmen Chinas – noch härtere Strafmaßnahmen wegen anhaltender Atom- und Raketentests beschlossen. Im- und Exporte wurden weiter eingeschränkt. Am meisten schmerzen dürfte die Kappung von Geldüberweisungen der im Ausland arbeitenden Nordkoreaner. Der »Raketenmann« (Trump über Kim) steckt endgültig in der Sack­gasse. Er könnte versucht sein, dem verhassten Nachbarn im Süden die kommenden Winterspiele durch neuerliche Raketenstarts zu vermasseln.

Olympische Idee von Frieden und Verständigung

Es ist höchste Zeit, dass die olympische Idee von Frieden und Verständigung in den verbleibenden Wochen weltweit auf die Agenda gesetzt wird. »Pyeongchang ist vielleicht die letzte Chance für die Mächtigen in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang. Sie müssen sich der Welt öffnen, wenn sie eine positive Zukunft für sich und die Menschen auf der koreanischen Halbinsel wollen«, fordert Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt.

Bekennen zum Frieden

Alle, die guten Willens sind, sollten sich jetzt zum olympischen Frieden bekennen. Pierre de Coubertins Ideale sind ein Leitfaden. Der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit definierte 1880 den sportlichen Wettkampf als neue Form geregelter und gewaltfreier Konfliktlösung. Sein Motto: alle Sportarten, alle Nationen. Dem mit Atomkrieg drohenden Kim Jong Un muss vor Augen geführt werden, dass es eine andere als seine Idee von dieser Welt gibt. Ein über jedes Stöckchen springender US-Präsident bringt Korea nicht weiter.

Schon 2004 rangen Sportler beider Staaten vereint in einer Mannschaft um Medaillen. Und bereits im Jahr 2000 waren Nord- und Südkoreaner bei der Eröffnungsfeier in Sydney hinter einer Fahne ins Stadion eingezogen. Das ist der Weg zum Frieden.

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