Mi., 31.01.2018

Kommentar zu Trumps Rede Der Präsident und die Märchenstunde

Donald Trump.

Donald Trump. Foto: dpa

Von Thomas J. Spang

Stellen wir uns für einen Moment vor, der US-Präsident, der seine »State-of-the-Union«-Rede 82 Minuten lang vom Teleprompter ablas, sei der wahre Donald Trump. Ein Mann, der darauf verzichtet, andere Länder als »Dreckslöcher«, Einwanderer als »Vergewaltiger« und den Oppositionsführer im Senat als »Schrei­baby« zu denunzieren. Stellen wir uns auch vor, dieser Präsident Trump benutzte seine Ausführungen bloß, um seine Politik in etwas günstigerem Licht erscheinen zu lassen.

Stellen wir uns schließlich vor, der Führer der USA sei, wie etwa Abraham Lincoln, wirklich daran interessiert, eine zerrissene Nation zusammenzubringen. Ein Präsident, der nicht Religion, Rasse oder Herkunft benutzt, die Gräben in der Gesellschaft zu vertiefen.

Träfe all dies zu, Donald Trump hätte eine für seine Standards halbwegs passable Rede einstudiert. Fast »präsidial«, wie ein paar Beobachter anmerkten.

Doch Stilkritik ist im Fall des 45. Präsidenten der USA ein absurder Maßstab. Dass Trump einen von seinen Redenschreibern über Tage vorformulierten Text ohne Abweichungen vorträgt, ermöglicht ja noch keine ernsthafte Analyse dieses denkwürdigen Auftritts.

Der echte Trump ist der ohne Teleprompter, der morgens Gift an seine Twitter-Gemeinde versprüht. Ein Präsident, der als Versöhnung versteht, unter den rassistischen Fackelträgern von Charlottesville anständige Leute auszumachen. Oder denkt, Amerika werde wieder großartig, indem er aus dem Pariser Klimaabkommen ausschert, mit einem Atomschlag kokettiert, die Lunte am Pulverfass des Nahen Osten anzündet.

Mit alldem im Hinterkopf fällt es nicht schwer, Trumps erste »State of the Union«-Rede als Märchenstunde zu begreifen. Geradezu abenteuerlich ist die Behauptung, er habe als Präsident das Vertrauen der Bürger in den Staat wiederhergestellt. Das Gegenteil ist richtig. Nicht Optimismus durchzieht das Land, sondern Sorge über die abgrundtiefe Spaltung.

Statt Gräben zu überbrücken, riss Trump mit dieser Rede neue auf. Der vorgebliche Versöhner entpuppt sich als Spalter, der seinen Zuhörern mit Zucker ummantelte Giftpillen unterjubelt.

Auch in der Außenpolitik sucht Trump nicht den Ausgleich, sondern Konflikt. Völlig überflüssiger Weise unterschrieb er vor seiner Rede ein Dekret, das die Militärs anweist, Guantanamo wieder mit Gefangenen zu füllen. Dass dies ein »neuer amerikanischer Moment« ist, glauben wohl nur Trumps Claqueure. Die wirkliche Lage der Nation ist deprimierend. Daheim sind die Amerikaner gespaltener denn je. Im Ausland fehlt ihnen der Respekt. Und über all dem präsidiert eine Person, die über 82 Minuten versucht, staatsmännisch zu sein, aber so ziemlich jede Glaubwürdigkeit verloren hat.

Kommentare

Der Präsident und die Märchenstunde

Während des gesamten Präsidentschaftsrennen redete CNN den Wählerin aktiv ein, Trump sei der schlimmste Kandidat, ein Verräter und Faschist und daran hat sich bis heute nichts geändert. Was in den USA zählt, ist "business". Und da geniesst er Vertrauen, wie es der Wirtschaftsgipfel in Davos gezeigt hat, als. z. B. Kaeser, der Siemens-Chef sich als "Partner" anbot, obwohl die höhe Verschuldung von Staat, Unternehmen und Privaten exorbitant ist.. Die US-Staatsschulden sind auf über 20 Billionen US-Dollar gestiegen. Sowohl die Autokredite (1,7 Billionen US-Dollar) als auch die Studentenverschuldung (1,4 Bilionen US-Dollar) sind auf Höchstniveau. Zwei Drittel der Bevölkerung hat weniger als 1.000 USDollar Rücklagen, d.h. sie leben von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck. Und dazu kommt noch die Schuldenbombe im US-Pensionssystem von über 2,7 Billionen Dollar, also ungefähr 17 Prozent der US-BIP. Und das ist keine Märchenstunde! Aus diesem Grunde scheint die Forderung, dass das eigene Land und die Bevölkerung im Vordergrund stehten sol,l legitim. Trump will den Menschen mehr Geld übrig lassen. Steuererleichterungen, damit der Binnenkonsum in einer nie dagewesenen Weise angekurbelt wird. Das nun Europa für Trump eine kleinere Rolle spielt, lässt nun viele Fragen offen, ob Trump ein Freund oder ein Feind ist. Fakt ist, seine aus westlicher Sicht begangenen Tabubrüche sucht seinesgleichen und ruft blankes Entsetzen hervor. Dabei scheinen sie zu vergessen, dass die Angst vor Globalisierung, Deinidustrialisierung, Terror und Einwanderung Trump zum Präsidenten gemacht haben. Dazu kommen über 90 Millionen Arbeitslose, über 40 Millionen, die von Essensmakren leben, eine halbe Millionen Obdachlose....Das ist die Realität in den USA. Darum wurde Trump gewählt. Im übrigen versucht er das zu realisieren, was er im Wahlkampf versprochen hat.

1 Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5475001?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F