Do., 01.02.2018

Kommentar zum Dopingsperren-Urteil Gewinner gibt es nicht

Eine Hinweistafel auf eine Dopingkontrollstation während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi.

Eine Hinweistafel auf eine Dopingkontrollstation während der Olympischen Spiele 2014 in Sotschi. Foto: dpa/Archiv

Von Oliver Kreth

Natürlich musste sich der oberste Sportfan Russlands an so einem Freudentag äußern. »Das bestätigt unsere Position, dass die überwältigende Mehrheit unserer Athleten sauber ist«, meinte Wladimir Putin zum Urteil des Internationalen Sportgerichtshofs. Das ist, wie so vieles andere, was der Präsident von sich gibt, natürlich Unfug.

Denn festgestellt haben die Richter in Lausanne nur folgendes: Die Beweise, die vorgelegt wurden, reichten nicht, um die individuelle Schuld der klagenden Sportler des größten Dopingskandals seit 1990 zu belegen. Nicht mehr, nicht weniger. Und auch wenn es schwerfällt: Auch für Sportler gelten zentrale Grundsätze der Rechtssprechung.

Das Schlimme an dem Urteil ist, dass erneut das Internationale Olympische Komitee wie ein Dilettant dasteht. Aber nicht nur das IOC – auch die Weltantidopingagentur um ihren Chefermittler Richard McLaren hat eine denkbar schlechte Figur abgegeben. Hurra, wir haben einen Whistleblower, dem glauben wir jetzt mal, schien das Motto der Ermittlungen gewesen zu sein. Oder wie es der Anwalt des russischen Skilangläufers Alexander Legkow, der Bochumer Christof Wieschemann, sagte: »Die Verantwortlichen des IOC haben ihnen seit langem vorliegende Erkenntnisse, die wichtige Teile der Angaben von Dr. Grigori Rodschenkow greifbar widerlegen, nie gewürdigt.«

Für Menschen, die sich intensiver mit dem Thema Doping und seiner Bekämpfung beschäftigen, stellt sich immer mehr die Frage: Wann endlich ist es so weit, dass Politik, Sport und Justiz einen weltweit einheitlichen Weg finden, rechtsfest gegen die chemische Manipulation von körperlichen Höchstleistungen vorzugehen? Wann endlich werden die Täter, seien sie Sportler, Trainer, Mediziner, Politiker, so bestraft, dass es eine nachhaltige Wirkung hat – ohne dass die Täter schlechter gestellt werden als andere Menschen, die in ihrem Arbeitsbereich gegen Regeln verstoßen haben?

Seit 50 Jahren gelten die Olympischen Spiele als dopingverseucht. Eigentlich genügend Zeit, um zu handeln. Doch so richtig wollte eben keiner ran an das Thema. Schließlich wurden die Athleten besser, die Trainer besser bezahlt, die Mediziner sonnten sich im Glanz der Medaillen ihrer Steroid-Kreationen, die Fans fühlten sich auch gerne goldig – und natürlich fühlten sich die Politiker noch etwas wichtiger.

Eine substanzielle Veränderung dieses Denkens hat nicht stattgefunden. Noch immer sind schon die Versuche hilflos, die Täter zu erwischen. Auch in Deutschland übrigens, wo die Finanzierung des Antidopingprogramms ein Trauerspiel ist.

Das aktuelle Urteil hat keine Gewinner – auch nicht die russischen Athleten. IOC, Wada, Olympia, der Sport im Allgemeinen – das sind die großen Verlierer. Glaubwürdigkeit konnte der Sport ja schon nicht mehr verlieren.

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