Sa., 03.02.2018

Kommentar zur Situation am Flughafen Paderborn-Lippstadt Harter Kampf in ungleichem Wettbewerb

Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer des Flughafens Paderborn-LIppstadt, steht vor schweren Herausforderungen.

Dr. Marc Cezanne, Geschäftsführer des Flughafens Paderborn-LIppstadt, steht vor schweren Herausforderungen. Foto: Jörn Hannemann

Von Per Lütje

Der Anständige ist im Volksmund bekanntlich der Dumme. Und während Flughäfen wie Kassel-Calden, Dortmund und Osnabrück/Münster Jahr für Jahr munter Verluste machen und sich so das Passagieraufkommen – falls man in Bezug auf Calden überhaupt davon sprechen kann – mit Steuergeldern teuer erkaufen, rackert man sich in Büren-Ahden mit einer selbst verordneten Schuldenbremse mühsam ab. Maximal 2,5 Millionen Euro Miese darf Airport-Geschäftsführer Dr. Marc Cezanne laut Gesellschaftervertrag machen – verglichen mit den zweistelligen Millionendefiziten der Konkurrenzflughäfen zwar keine »Peanuts«, aber eine überschaubare Finanzierungslücke.

Da ist es klar, dass man am Flughafen Paderborn-Lippstadt mit den selbst angelegten Daumenschrauben keine großen Sprünge machen kann. Jeder Passagier, der hier abfliegt, und jede Airline, die in Ahden landet oder abhebt, ist hart erarbeitet. Marc Cezanne hat nicht die notwendigen Mittel, um Fluggesellschaften mit irrwitzig günstigen Start- und -Landegebühren zu locken.

So heißt es hinter vorgehaltener Hand, dass Billigflieger an Flughäfen wie Dortmund oder Weeze etwa vier Euro pro Fluggast entrichten müssen. In Paderborn-Lippstadt sollen es fast 20 Euro sein. Und da beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn Fluglinien in Paderborn höhere Gebühren als zum Beispiel in Kassel-Calden zahlen müssen, werden in der Regel zwangsläufig auch die Flüge in Paderborn teurer sein als eben in Kassel, da die Airlines die Gebühren zumindest teilweise an die Passagiere weitergeben.

Wenn also der Flughafen Paderborn-Lippstadt Kunden nicht in erster Linie mit Schäppchen­tickets punkten kann, muss er andere Stärken in die Waagschale werfen, um Passagiere anzulocken. Und es gibt einige Pfunde, mit denen man in Ahden wuchern kann: kurze Wege, günstige Parktarife, keine langen Warteschlangen, gute Flugzeiten.

Parallel erschließt der Paderborner Airport neue Geschäftsfelder oder baut diese aus, um sich wirtschaftlich breiter aufzustellen. Beispiele sind das Frachtgeschäft und die Vermietung von flughafeneigenen Immobilien an Firmen, die sich auf die Wartung von Flugzeugen spezialisiert haben. Von letzterem profitiert der Airport gleich in doppelter Hinsicht: So spülen nicht nur Mieteinnahmen Gelder in die Flughafenkasse, sondern auch Start- und Landegebühren jener Maschinen, die zur Wartung kommen. Beides zusammen macht laut Geschäftsführer Marc Cezanne jährlich einen hohen sechsstelligen Betrag aus – und das sind zumindest für Paderborner Verhältnisse keine Peanuts.

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