Di., 13.02.2018

Kommentar zu Sigmar Gabriel Ich, ich und ich

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD).

Außenminister Sigmar Gabriel (SPD). Foto: Michael Kappeler/dpa (Archiv)

Von Werner Kolhoff

Vor einigen Jahren berichtete Sigmar Gabriel Journalisten ungefragt in einer Hintergrundrunde über sehr private Vieraugengespräche, die er kurz zuvor mit einigen SPD-Spitzenpolitikern geführt hatte. Es ging um die Ambitionen der Betroffenen in Sachen Kanzlerkandidatur und Parteivorsitz. Und man fragte sich: Wie können die dem jemals wieder trauen? Das, so zeigt sich jetzt, tun sie auch nicht.

2010 zeigte Gabriel eine SMS der Kanzlerin herum, nicht über irgendein Thema, sondern über die Frage, wer Bundespräsident wird. Man fragte sich, wie kann Angela Merkel mit dem noch vertrauensvoll Botschaften austauschen? Das tat sie dann lange nicht mehr.

Diese Vorgänge waren kein Einzelfall, und sie allein disqualifizierten Gabriel, jemals Kanzler der Bundesrepublik Deutschland zu werden. Man stelle sich nur vor, wie er mit dem Inhalt eines Gespräches mit Obama oder Putin hausieren gegangen wäre. Gabriel hat es sich jetzt also nicht nur wegen einer einzigen wütenden Äußerung mit nahezu der gesamten SPD-Spitze verscherzt. Den seiner Tochter in den Mund gelegten Satz über Martin Schulz, den »Mann mit den Haaren im Gesicht«, hat er vermutlich sehr genossen. Am nächsten Morgen konnte er ihn überall lesen. Jetzt bedauert er ihn natürlich – und zwar weil es eng für ihn wird.

Als ob so ein hinterhergeworfenes Bedauern all die Indiskretionen und Erniedrigungen vergangener Jahre aus der Welt schaffen würde. Jeder Verantwortliche in der SPD hat so etwas mit Gabriel schon erlebt, nicht nur Andrea Nahles, die nun die starke Frau in der Partei ist. Von seinen inhaltlichen Sprüngen nicht zu reden.

Dass Gabriel sein Verhalten stets wortmächtig, innerparteilich gern auch unter Einsatz von Tränen der Rührung, zu begründen weiß, macht die Sache nicht besser. Viele haben mittlerweile das Gefühl, einem politischen Heiratsschwindler aufzusitzen, der ihre Loyalität immer nur benutzt. Dass er als Außenminister inzwischen beliebt ist, rettet ihn wohl auch nicht. Denn das ist nicht schwer. Jeder Nachfolger wird das genauso schaffen. Man muss schon viele Fehler gemacht haben, wenn man in diesem Amt nicht beliebt ist.

Im Englischen umschreibt man Gabriels Verhalten mit dem Spruch, der Betreffende habe nur drei beste Freunde: Me, Myself and I. Also Ich, ich und ich. In Führungsetagen kommt dieses Verhaltensmodell langsam aus der Mode, weil man damit jede Teamarbeit zerstört und schnell Unheil anrichtet. Sobald es Alternativen gibt – und die gibt es mit Thomas Oppermann und Heiko Maas für den Außenministerjob – wird die neue SPD-Spitze sie bevorzugen. Obwohl man noch nicht weiß, ob sie diesbezüglich besser sind. Aber wer wollte das Nahles & Co. verdenken?

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Mehr zum Thema

Anzeige


http://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5520154?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198306%2F2269031%2F