Do., 08.03.2018

Kommentar zur Furcht vor Altersarmut Ein schlechter Ratgeber

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: Oliver Berg/ dpa

Von Stefan Vetter

K

ommt die Rede auf den Ruhestand, sehen die meisten Deutschen schwarz. Das hat eine Untersuchung der Bertelsmann-Stiftung gerade erst wieder bestätigt. Doch wie entstehen eigentlich solche Befürchtungen, wo doch nur etwa drei Prozent der Rentner von staatlicher Stütze lebt und die Ruheständler insgesamt zu den am wenigsten sozial gefährdeten Bevölkerungsgruppen im Land zählen?

Ein Teil der Erklärung besteht sicher darin, dass die Armutsdebatte häufig von schrillem Alarmismus bestimmt wird. Erinnert sei nur an einen WDR-Bericht vor zwei Jahren. Damals wurde die Nation mit der Botschaft aufgeschreckt, dass jedem zweiten (!) Rentner von 2030 an Altersarmut drohe. Der Befund war schlicht aus der Luft gegriffen, weil er mit grundfalschen Annahmen operierte, aber er war in der Welt. Und Politiker wie Horst Seehofer (CSU) oder Andrea Nahles (SPD) stellten sich gar an die Spitze der Bewegung, indem sie eine Stabilisierung des Rentenniveaus versprachen.

Dabei ist die Höhe des Rentenniveaus genauso wenig ein schlüssiger Indikator für ein gutes Auskommen im Alter wie der allgemeine Gradmesser, wonach die Armut bei weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beginnt. Steigen nämlich die Gehälter der oberen Schichten, rutschen Normalverdiener automatisch unter diese Marke, obwohl sich an ihren Einkommensverhältnissen nichts geändert hat. Das Rentenniveau von derzeit 48 Prozent wiederum ist nur ein statistisches Konstrukt und sagt nichts über die Höhe der individuellen Rente aus – die ja zudem häufig durch Betriebsrenten oder private Vorsorgeleistungen aufgebessert wird.

Gleichwohl gilt: Für viele Ruheständler werden die gesetzlichen Altersbezüge auch in Zukunft zentrale Einkommensquelle bleiben. Aber Schwarzmalerei ist unangebracht. Mit der frühzeitigen Entscheidung, das reguläre Renteneintrittsalter in kleinen Schritten auf 67 Jahre zu erhöhen, hat die Bundespolitik auf die Herausforderungen einer älter werdenden Gesellschaft angemessen reagiert. Und ausweislich der Bertelsmann-Studie stößt dieser Weg auch zunehmend auf Akzeptanz. Panik und Alarmismus sind jedenfalls schlechte Ratgeber, um solche Herausforderungen zu meistern.

Kommentare

Weißmalerei hilft noch viel weniger!

Armut im Sinne von Hungern, kein Dach über’m Kopf ist das sicherlich nicht.
Gemäß Aussage eines Rentenberaters in Paderborn liegt die Durchschnittsrente bei der Hälfte der Altersrentner etwas über 1000 Euro und liegt damit vielleicht 200 Euro über der Grundsicherung, wobei man den Krankenversicherungsbeitrag noch berücksichtigen muß. Die Höchstrente beläuft sich auf etwa 2400 Euro und die bekommt so gut wie niemand. Da fangen Pensionen der Beamten erst gerade an.
Das Rentenniveau ist auf dem Niveau von ?% von was? Erklären Sie‘s mir. Das Pensionsniveau ist viel höher. Auch die Anzahl der Jahre um überhaupt pensionsberechtigt zu sein ist viel geringer und das reguläre Renteneintrittsalter Ist immer noch höher. Außerdem zahlen Beamte keine Beitraege. Macht alles keinen Sinn und ist höchstgeradig ungerecht auch wenn viele dies immer wieder verneinen und stolz das Wort „Alimentation“ (stimmt, sie werden von anderen bzw. allen anderen ernährt, auch in der Nacharbeitszeit) in die Runde schmeißen.

Aha, die Renten werden (passiv, also quasi von selber?) also „häufig“ durch Betriebsrenten oder private Vorsorgeleistungen aufgebessert? Sie wollen damit sagen, dass einige einfach Glück haben und andere einfach Pech. Hut ab, so macht Rentenpolitik richtig (Un-)Sinn.

Das reale Renteneintrittsalter liegt bei etwa 63 und da reden Sie von Akzeptanz? Außerdem ist es übrigens nichts weiter als eine Rentenkürzung.

Dabei ginge es doch genausogut andersherum. Herabsetzen des regulären Renteneintrittsalters auf 63 und zunächst Bezahlung aus den Beiträgen und Bezahlung ab 78 (da sind ja dann eh schon viele keine Rentenbezieher mehr, so manch einer atmet dann noch nicht mal mehr) aus Steuergeldern.

Es gibt viele Wege die Renten und Pensionen und andere Versorgungsbezüge gerechter zu machen und dann kommt wieder so ein Kommentar. Ob sie immer noch sagten, es sei keine Armut, wenn Sie von der Durchschnittsrente oder gar von Grundsicherung dereinst leben müssten, wage ich zu bezweifeln.

Und was man schließlich im Leben vor der Rente ist, hängt schließlich nicht nur mit Können und Fleiß zusammen. Ich hörte, da spielen so Dinge wie Glück, soziale Herkunft, Vitamin B und einiges andere noch eine sehr große Rolle.

1 Kommentare

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