Di., 29.08.2017

Neues Album des Rappers »Lang lebe der Tod« erscheint am Freitag Casper: »Musik für unbequeme Zeiten«

»Lang lebe der Tod«: Am Freitag erscheint das neue Album von Casper.

»Lang lebe der Tod«: Am Freitag erscheint das neue Album von Casper. Foto: Christina Falke

Berlin (dpa). Beim Rapper Casper herrscht Weltuntergangsstimmung: Auf »Lang lebe der Tod« verabschiedet sich der Deutsch-Amerikaner von der Nabelschau früherer Platten und setzt sich mit diffusen und konkreten Ängsten unserer Zeit auseinander. Bequem macht er es sich damit nicht.

Mit oberen Chartplatzierungen, ausverkauften Konzerten und Auftritten auf den großen Festivalbühnen wird Casper seit einigen Jahren als ein Erneuerer des Deutschraps gefeiert. Der »Rolling Stone« hat ihm zuletzt sogar über Genregrenzen hinweg den besten Moment auf dem diesjährigen Hurricane-Festival attestiert.

Einjährige Wartezeit endet am Freitag

Jetzt liefert der Rapper ein neues Album ab. Die Erwartungen sind hoch: »Lang lebe Tod« erscheint am Freitag – nachdem Casper Fans seit einem Jahr vertröstet hatte, weil er mit dem damaligen Stand unzufrieden gewesen war.  Die gleichnamige Tour startet am 31. Oktober in Münster.

»Ich habe deshalb auch mit einem riesigen Shitstorm gerechnet – aber die Nachricht wurde dann doch relativ freundlich von der Hörerschaft aufgenommen«, sagt Casper im Interview über das verschobene Album. Nun könne er die Platte aber guten Gewissens veröffentlichen.

Mit seinen ersten drei Alben habe er sich an seiner eigenen Biografie abgearbeitet, sagt der 34-Jährige: Kindheit in einer Trailerpark-Siedlung in den USA, Jugend in der lippischen Provinz und seit einigen Jahren Berlin-Bewohner. Auf »Lang lebe der Tod« nimmt Casper,  der in Bielefeld studierte, lebte und arbeitete , sich jetzt den Zustand der Welt vor.

»Ich wollte unbequeme Musik für unbequeme Zeiten machen«

»Ich finde die jetzige Zeit schon unbequem. Deshalb wollte ich unbequeme Musik für unbequeme Zeiten machen«, begründet Casper den düsteren Ton des neuen Albums. Mit Blick auf den Klimawandel oder auf »verrückte Präsidenten« habe man das Gefühl, existenzielle Ängste häuften sich. »Ganz plakativ gesagt: Man guckt morgens aufs Telefon und fragt sich, ob die Hälfte der Welt noch steht. Dieses Gefühl wollte ich auf die Platte packen.«

Schon die im vergangenen Jahr veröffentlichte Single war ein Vorgeschmack. Der eindeutig nicht auf Charterfolge angelegte düstere Titelsong »Lang lebe der Tod« beginnt mit dumpfen Dröhnen. Zu hören ist auch die Stimme des Frontmanns der Experimental-Band Einstürzende Neubauten Blixa Bargeld.

Dagobert, Sizarr und Drangsal sind auf neuem Album dabei

In »Morgellon« nimmt der Deutsch-Amerikaner Casper die Perspektive von Verschwörungstheoretikern ein. Von ihnen ist er fasziniert und verstört. »Deborah« lässt sich dagegen als Parabel auf Depressionen lesen. Alles keine leichte Kost.

 Für das neue Album holte sich der Rapper außerdem die Hoffnungsträger der Musikszene Dagobert, Sizarr und Drangsal dazu, die für alles andere als Partymusik bekannt sind. Unmissverständlich klingt auch der Refrain in »Sirenen«, wenn Casper mit Reibeisen-Stimme schreit: »Hier der Soundtrack zum Untergang, also tanz’ auf dem Pulverfass«. 

Der Weltuntergangsstimmung zum Trotz, gibt es auf der neuen Platte auch gefälligere Stücke wie etwa die Single »Keine Angst«. Gerade das Stück »Alles ist erleuchtet« ist eingängig genug, damit es beim bierseligen Festival-Publikum als Mitsing-Hymne funktionieren dürfte.

Im Freundeskreis ein Popkultur-Nerd

Er nehme seine Musik vielleicht ernster als ihm lieb sei, sagt Casper. »Das habe ich tatsächlich noch nicht geschafft, mir dieses superdicke Fell zu zulegen - mich interessiert, was Kritiker sagen, schon noch sehr.« Für das in der Szene typische Dissen hat er nichts übrig. »Beef«, also Streit, suchen Rap-Kollegen bei ihm vergeblich.

Auch Kraftausdrücke braucht er nicht. Dafür ist das neue Album gespickt mit Anspielungen und Zitaten aus Musik, Film und Literatur. Im Freundeskreis würde der Kumpel-Typ Casper die Rolle des Popkultur-Nerds einnehmen. Vielleicht auch die des Spaßvogels – wäre da nicht seine grundsätzliche Ernsthaftigkeit. »Ich lebe auf alle Fälle in einer irrationalen Existenzangst und laufe nicht mit dem Gefühl durch die Gegend, abgesichert zu sein«, sagt er.

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