Di., 05.09.2017

Festival Nizza feiert die Freiheit der Kunst

«Anthropometrie ohne Titel» von Yves Klein (l) und «Lulu Paysage» von Claude Gilli (r) im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (MAMAC) in Nizza.

«Anthropometrie ohne Titel» von Yves Klein (l) und «Lulu Paysage» von Claude Gilli (r) im Museum für moderne und zeitgenössische Kunst (MAMAC) in Nizza. Foto: Sabine Glaubitz

Von dpa

Die «Schule von Nizza» steht für Freiheit in der Kunst. Der Bewegung widmet die südfranzösische Stadt ihr diesjähriges Festival. Ein Jahr nach dem Anschlag wird daraus ein symbolträchtiges Kunstevent.

Nizza (dpa) - Blaue Figuren, die an anmutige Wassernymphen erinnern, eine Frau, die sich im Bikini am Strand räkelt, Casino-Jetons hinter Plexiglas: Es sind Werke von Yves Klein, Martial Raysse und Arman, die derzeit in Nizza zu sehen sind.

Die international bekannten Künstler gehören der «Ecole de Nice» an, einer Kunstbewegung, in deren Mittelpunkt das Motto stand: Alles ist möglich. Der «Schule von Nizza» - als Symbol für Freiheit in der Kunst - widmet die Stadt an der Côte d’Azur ihr diesjähriges Festival. Ein Jahr nach dem Terror-Anschlag nimmt das bis zum 15. Oktober dauernde Event einen symbolträchtigen Charakter an.

Das Kunstfestival, das mehrere Ausstellungen und Galerien bespielt, findet dieses Jahr zum dritten Mal statt. Im Jahr 2013 setzte es sich mit  Henri Matisse (1869-1954) auseinander, der seine letzten Lebensjahre in Nizza verbrachte; 2015 dann mit der weltberühmten Strandpromenade, die am 14. Juli 2016 Schauplatz eines Terroranschlags wurde.

Strand, Palmen, Wasser und Sonne: Mit seiner Urlaubsstimmung hat Nizza Anfang der 50er Jahre die Maler und Performancekünstler zu Rebellen gemacht. Das ewige Gefühl, Ferien zu haben, habe ihre Verrücktheit angespornt, erklärte Klein, wie in dem Ausstellungskatalog des Museums für moderne und zeitgenössische Kunst, MAMAC, nachzulesen ist. Dazu gehörten auch die Jukebox, die Bars und das Casino der Stadt am Mittelmeer, wie die Jetons hinter Plexiglas von Arman zeigen, der international für seine Akkumulationen - Anhäufungen identischer Objekte - bekannt wurde.

«Die Stadt hat Künstler angezogen und vereint, die einen unbändigen Drang nach neuen ästhetischen Formen hatten und sich von der herkömmlichen Kunst abwandten», beschrieb Noël Dolla in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur den Geist der Schule. Es habe keine Konventionen gegeben, keine Grenzen, erklärte der 72-Jährige, der zu den ausgestellten Künstlern gehört.

Dolla ist in Nizza geboren so wie Arman (1928-2005) und Klein (1928-1962), der sich mit seiner mit von ihm geschaffenen ultramarinblauen Farbe «IKB» weltweit einen Namen gemacht hat. Klein zählt mit Arman und dem 81-jährigen Raysse, der unter anderem mit seinen Objektkästen, die sich mit Mystik und Magie befassen, zu den Mitbegründern der «Ecole de Nice».

Doch die «Ecole de Nice» ist nicht nur Ausdruck kreativer Freiheit. Wenn der 2015 verstorbene Claude Gilli Pin-ups wie Votivtafeln darstellt, greift er die Werte der Konsumgesellschaft an, ebenso wie Arman mit seinen «Colères»: Reste von Gegenständen, die der Objektkünstler zertrümmert oder mit Dynamit in die Luft gesprengt hat.  

Dass die Stadt ein Jahr nach dem Attentat das Festival der «Ecole de Nice» widmet, die nach totaler künstlerischer Freiheit strebte, sei ein purer Zufall gewesen, wie die Organisatoren sagten. Ein Zufall, der aus dem Festival ein Kunstevent mit Symbolcharakter macht. 

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