Mi., 06.09.2017

Krautrock Can-Bassist Holger Czukay mit 79 Jahren gestorben

Die Band Can mit Irmin Schmidt (l-r), Jaki Liebezeit, Michael Karoli, Ulli Gerlach, Holger Czukay und vorne Damo Suzuki 1971 in Hamburg.

Die Band Can mit Irmin Schmidt (l-r), Jaki Liebezeit, Michael Karoli, Ulli Gerlach, Holger Czukay und vorne Damo Suzuki 1971 in Hamburg. Foto: Jacques Breuer

Von dpa

Die Kölner Band Can revolutionierte einst die Rockmusik, auch wenn das im eigenen Land lange unterschätzt wurde. Nachdem sich die Musikwelt im Januar schon von Schlagzeuger Jaki Liebezeit verabschieden musste, ist nun auch Bassist Holger Czukay gestorben.

Weilerswist (dpa) - Holger Czukay, Mitbegründer und Bassist der legendären Krautrock-Band Can, ist tot. Das teilte die Band am Mittwoch über Facebook mit. Czukay sei bei sich zu Hause in Weilerswist, im einstigen Studio-Gebäude von Can, gestorben, hieß es in dem Posting.

Zuvor hatte die Polizei erklärt, dass man die Leiche des Musikers gefunden habe, der als Vordenker der Sampling-Technik galt. Er wurde 79 Jahre alt. Mehrere Medien hatten darüber berichtet.

Die Kölner Band Can galt als eine der führenden avantgardistischen Gruppen der 70er Jahre. Sie mixte Klassik, Free Jazz und Rock-Rhythmen mit komplizierten Harmonien und elektronischen Effekten - und ebnete so New Wave und Elektro-Pop den Weg. Bis heute gilt Can als eine der inspirierendsten Bands der Musikgeschichte. Czukay zählte zur Urbesetzung. Bereits im Januar hatten sich alte Can-Fans von Schlagzeuger Jaki Liebezeit verabschieden müssen, der im Alter von 78 Jahren starb. Von den einst vier Kernmitgliedern lebt nach Angaben eines Sprechers nun nur noch Irmin Schmidt.

Czukay war 1938 als Kind einer Juristenfamilie in Danzig geboren worden. Mit acht Jahren kam er nach Deutschland und studierte später in Berlin und Köln bei Karlheinz Stockhausen. Mitunter bezeichnete er sich selbst als «Privat-Sinfoniker». «Ich leiste mir die musikalische Freiheit, unbekümmert loszulegen», umschrieb er mal in einem Interview in den 80er Jahren seine Arbeit. Mit Reglern, Diktiergeräten und Antennen nahm er damals fremdartige Töne und Atmosphären auf. Seine Kompositionstechnik galt als einmalig. Das Endprodukt: Synthetische Musik in Handarbeit. In der internationalen Szene der Avantgarde-Musiker genoss Czukay hohes Ansehen. In Deutschland war er dagegen lange nur bei Musik-Nerds ein Thema.

Nach Angaben der Band hatte Czukay erst vor Kurzem seine Frau verloren, die vor einigen Wochen gestorben sei. «Holger war wegen des Verlustes seiner geliebten Partnerin am Boden zerstört», hieß es in dem Facebook-Posting. Dennoch habe er noch weiter Musik machen wollen. Sein Tod sei ein Schock.

Mitte des Jahres hatte sich die alte Can-Crew beim «Can Project» in London nochmals treffen wollen. Schlagzeuger Liebezeit, der mit auf der Bühne stehen sollte, war jedoch zuvor gestorben. Auch Czukay sei als Gast eingeladen gewesen, sagte ein Sprecher. Er habe aber aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen können.

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