Mo., 18.09.2017

Trump ist auch bei Fernsehverleihung omnipräsent – Starke Fraurollen ausgezeichnet Emmys werden zur Polit-Show

Gewinnerin des Abends: »Handmaids Tale«-Hauptdarstellerin Elisabeth Moss ist auch Co-Produzentin der Serie.

Gewinnerin des Abends: »Handmaids Tale«-Hauptdarstellerin Elisabeth Moss ist auch Co-Produzentin der Serie. Foto: dpa

Los Angeles (dpa). Sogar während einer der offiziellen TV-Debatten im Präsidentschaftswahlkampf beklagte sich Donald Trump, dass seine Reality-Show »The Apprentice« trotz mehrerer Nominierungen nie einen Emmy gewann. »Wir hätten ihn wirklich bekommen sollen.«

Drama: »The Handmaid’s Tale« liegt vorn

Beste Drama-Serie: The Handmaid’s Tale

Beste Hauptdarstellerin: Elisabeth Moss, The Handmaid’s Tale

Bester Hauptdarsteller: Sterling K. Brown, This Is Us

Bestes Drehbuch: Bruce Miller, The Handmaid’s Tale

Beste Regie:

Beste Nebendarstellerin (Drama): Ann Dowd, The Handmaid’s Tale

Bester Nebendarsteller: John Lithgow, The Crown

Beste Gastdarstellerin: Alexis Bledel, The Handmaid’s Tale

Bester Gastdarsteller: Gerald McRaney, This Is Us

Genau, sagt der diesjährige Emmy-Moderator Stephen Colbert. »Warum habt ihr ihm keinen Emmy gegeben? Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen. Er hat euch nie vergeben und er wird es nie tun.«

Aber, sagt Colbert in seinem nächsten Seitenhieb auf den US-Präsidenten: »Anders als die Präsidentschaft gehen die Emmys an die Gewinner der direkten Stimmen.« Trumps Gegenkandidatin Hillary Clinton hatte bei der Wahl im November knapp drei Millionen mehr Stimmen sammeln können, unterlag jedoch aufgrund der geringeren Zahl der Wahlmännerstimmen.

Trump beflügelt Satire-Show

Zehn Monate ist die US-Präsidentschaftswahl nun schon her, aber Trumps Triumph hat die erste Emmy-Verleihung seiner Amtszeit zur Polit-Show werden lassen. »Der größte TV-Star des vergangenen Jahres ist Donald Trump«, sagt Colbert bei der Gala in der Nacht zum Montag im Microsoft Theater in Los Angeles. »Jede Show war auf irgendeine Weise von Trump beeinflusst.«

Vor allem »Saturday Night Live«, die politische Satire-Show, die mit Parodien von Clinton und Trump für Furore sorgte. Kate McKinnon und Alec Baldwin gewinnen dafür Emmys als beste Nebendarsteller in einer Comedy-Serie. »Teil dieser Staffel von »Saturday Night Live« zu sein, war das Bedeutendste, was ich je machen werde, wahrscheinlich sollte ich jetzt einfach aufhören«, sagt McKinnon schluchzend in ihrer Dankesrede. »Ich danke Hillary Clinton für ihre Anmut.« Und Baldwin wendet sich direkt an Trump, den er in der Serie parodiert: »Ich schätze, ich sollte sagen: Mr. Präsident, hier ist endlich ihr Emmy.« Insgesamt gewinnt »Saturday Night Live« neun der wohl wichtigsten Fernsehpreise der Welt.

Plötzlich ist Sean Spicer da

Comedy: »Veep« und Satire

Beste Comedy-Serie: Veep

Beste Hauptdarstellerin: Julia Louis-Dreyfus, Veep

Bester Hauptdarsteller: Donald Glover, Atlanta

Bestes Drehbuch: Aziz Ansari und Lena Waithe, Master of None

Beste Regie: Donald Glover, Atlanta

Beste Nebendarstellerin: Kate McKinnon, Saturday Night Live

Bester Nebendarsteller: Alec Baldwin, Saturday Night Live

Beste Gastdarstellerin: Melissa McCarthy, Saturday Night Live

Bester Gastdarsteller: Dave Chappelle, Saturday Night Live

Noch bevor aber irgendein Preis verliehen wird, fährt überraschend Trumps früherer Pressesprecher Sean Spicer mit einem Podium auf die Bühne. »Dies wird die größte Zuschauerzahl sein, die jemals die Emmys verfolgt hat. Punkt!«, sagt der 45-Jährige. 

Am Tag nach der Amtseinführung Trumps im Januar hatte Spicer bei seiner ersten Pressekonferenz behauptet: »Dies war das größte Publikum, das jemals einer Amtseinführung beiwohnte. Punkt!« Darum entspann sich ein Streit mit Medienvertretern, die diese These in Zweifel zogen.

Im Publikum der Emmys saß eine sichtlich erstaunte Melissa McCarthy. Sie hatte Spicer immer wieder für »Saturday Night Live« parodiert - inklusive fahrbarem Podium.

Starke Frauenrollen dominieren

Neben »Saturday Night Live« sind es die Serien mit starken Frauenrollen, die überzeugen. In Zeiten Trumps, der mit frauenverachtenden Äußerungen polarisiert hat, kann auch das ein deutliches Zeichen sein. 

»Veep – Die Vizepräsidentin« gewann einen Emmy als beste Comedyserie. Für die Hauptrolle bekam Julia Louis-Dreyfus einen Emmy, ihren insgesamt achten und sechsten für »Veep« – Rekord. Es sei »die Rolle ihres Lebens und ein Abenteuer der puren Freude«, sagte Louis-Dreyfus. »Veep« handelt vom Alltag einer US-Vizepräsidentin und läuft seit 2012 beim US-Abokanal HBO, in Deutschland bei Sky Atlantic.

Dystopie überzeugt

Beste Dramaserie wurde die Dystopie »The Handmaids's Tale«, basierend auf dem Buch »Der Report der Magd« der kanadischen Schriftstellerin Margret Atwood. Insgesamt gewann »The Handmaid's Tale« acht Emmys, darunter für Elisabeth Moss (bekannt aus »Mad Men«) als beste Hauptdarstellerin, Ann Dowd als beste Nebendarstellerin, Bruce Miller als besten Autor und Reed Morano als beste Regisseurin. 

Die Serie ist seit diesem Jahr beim Streamingdienst Hulu zu sehen. Damit gewann Hulu als erster Streamingdienst einen Emmy in dieser Kategorie, die von vielen Kritikern als wichtigste angesehen wird. In Deutschland soll »The Handmaid's Tale« demnächst beim Telekom-Portal Entertain TV Serien anlaufen.

Miniserien:

Beste Miniserie: Big Little Lies

Beste Hauptdarstellerin: Nicole Kidman, Big Little Lies

Bester Hauptdarsteller: Riz Ahmed, The Night Of

Beste Nebendarstellerin: Laura Dern, Big Little Lies

Bester Nebendarsteller: Alexander Skarsgård, Big Little Lies

Die Serie ließ etwa Netflix’ Nostalgie-Tripp »Stranger Things« hinter sich oder Größen wie »House of Cards« (hierzulande bei Sky Atlantic) mit Kevin Spacey, das »Breaking Bad«-Spinoff »Better Call Saul« (hierzulande bei Netflix), »The Crown« (Netflix) und Westworld (HBO).

Bezahlsender ganz vorn

Die meisten Emmys eines TV-Netzwerks gewann der Abo-Kanal HBO aber trotzdem, wo auch »Veep« läuft. Ebenfalls erfolgreich war die HBO-Miniserie »Big Little Lies« mit unter anderem Reese Witherspoon und Nicole Kidman als Produzentinnen und Hauptdarstellerinnen. Neben dem Emmy als beste Miniserie gewannen wurden unter anderem Kidman sowie die Nebendarsteller Alexander Skarsgård und Laura Dern für ihre Darstellungen ausgezeichnet und Jean-Marc Vallée als Regisseur der Serie. 

»Es war ein unglaubliches Jahr für Frauen im TV«, sagte Witherspoon, und ihre Kollegin Kidman forderte: »Mehr großartige Rollen für Frauen, bitte!«

»Game of Thrones« muss aussetzen

Vom langjährigen HBO-Dauersieger »Game of Thrones« gab es dieses Jahr im Nominierungszeitraum bis 31. Mai keine neue Staffel, deshalb musste die Hitserie aussetzen. »Wenn ihr gewinnt, dankt allen, die euch dahin gebracht haben – vor allem ›Game of Thrones‹, weil die Serie diesmal nicht wählbar war«, witzelte Emmy-Moderator Stephen Colbert.

Für seine eigene Late-Night-Show ging er an dem Abend leer aus, sein Kollege John Oliver gewann zwei Emmys für die Politsatire »Last Week Tonight«.

»Heute feiern wir uns selbst«

Die Emmys, die als wichtigste Fernsehpreise der Welt gelten, wurden in diesem Jahr zum 69. Mal verliehen, in 92 kleineren Kategorien schon in der vergangenen Woche. Über die Sieger hatten zuvor die rund 22.000 Mitglieder der Academy for Television Arts & Sciences entschieden.

Im Publikum saßen Stars wie Robert de Niro, Oprah Winfrey und Kevin Bacon. »Das ist die wichtigste Nacht des Fernsehens«, sagte Moderator Colbert. »Heute feiern wir uns selbst.«

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