So., 24.09.2017

Theater im Theater Dercon will besetzte Volksbühne zurück

Ein Aktivist mit Maske im Foyer der Volksbühne.

Ein Aktivist mit Maske im Foyer der Volksbühne. Foto: Paul Zinken

Von dpa

Seit Monaten gibt es Streit um die Berliner Volksbühne, nun haben Aktivisten das Theater besetzt. Die neue Leitung verhandelte zunächst mit den ungebetenen Gästen. Am Sonntag forderte sie schließlich die Politik zum Handeln auf.

Berlin (dpa) - Streit ohne Ende um die Berliner Volksbühne: Seit Freitag haben Aktivisten das Theater besetzt, die Leitung des Hauses will das nun nicht länger hinnehmen.

«Wir fordern, dass die Politik jetzt dringend ihrer Verantwortung nachkommt und handelt», erklärten Intendant Chris Dercon und Programmdirektorin Marietta Piekenbrock in einer Mitteilung am Sonntagnachmittag.

Bei der Berliner Kulturverwaltung hatte es zuvor geheißen, es gebe weiter Gespräche mit den Aktivisten, eine Räumung sei nicht angedacht. Ein Statement zur Forderung Dercons gab es bis zum Sonntagmittag nicht.

Das Künstlerkollektiv «Staub zu Glitter» hält das Theater am Rosa-Luxemburg-Platz besetzt. Die Übernahme sei als «darstellende Theaterperformance» zu sehen. «Wir wollen mit unserer transmedialen Theaterinszenierung ein Zeichen setzen gegen die aktuelle Kultur- und Stadtentwicklungspolitik», schreiben die Aktivisten.

Sie verurteilten die Besetzer und deren Anliegen nicht, ihre stadtpolitischen und sozialen Themen seien wichtig für die Hauptstadt, erklärten Dercon und Piekenbrock. «Aber wir verurteilen die unverantwortliche Art und Weise, wie sie sich am Freitagnachmittag das Haus gegriffen haben.» Die Aktivisten hätten ihre Anliegen über die Sicherheit der Mitarbeiter und auch über die ihres eigenen Publikums gestellt. «Und sie stellen sich in beispielloser Anmaßung über unsere Künstler und deren Arbeit.»

Dercon kündigte an, am Montag den Probenbetrieb, der am Freitag unterbrochen werden musste, wieder aufzunehmen. Das sei mit den Veranstaltungen der Aktivisten nicht vereinbar.

Die Besetzung der Volksbühne hatte am Samstagabend so viele Menschen zu dem Theater gelockt, dass ein Einlass-Stopp verhängt werden musste. Mehr als 500 Leute seien aus Sicherheitsgründen nicht in den Räumen erlaubt, twitterten die Aktivisten. «Bitte seid solidarisch und kommt in den nächsten Tagen wieder.»

Zu ihren Unterstützern zählen sie laut einer Liste unter anderem die Bands Beatsteaks und Tocotronic sowie den Autoren und Kabarettisten Marc-Uwe Kling («Die Känguru-Chroniken»).

Das Künstlerkollektiv rief auch ehemalige Mitglieder der Volksbühne zum Mitmachen auf. Eine Sprecherin erklärte in der rbb-Abendschau, es werde nicht die Person Chris Dercons kritisiert, nur die Stadtpolitik. Die Aktion sei seit langem geplant gewesen.

Um das Theater gibt es schon lange Streit. Auslöser ist die Übernahme des Hauses durch Dercon, der als Nachfolger des langjährigen Chefs Frank Castorf kam. Kritiker befürchten, dass die Volksbühne zu einem kommerzialisierten Eventtheater werden könnte.

In dem Haus am Rosa-Luxemburg-Platz sind ab November Aufführungen des Dercon-Teams geplant. Derzeit finden Vorstellungen nur am zweiten Spielort auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof statt. Das Theater erklärte, dass die geplanten Vorstellungen dort selbstverständlich stattfänden. Den Aktivisten in der Volksbühne rieten sie am Samstag: «Bitte lüftet mal.»

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