Sa., 04.11.2017

Bielefelder Martin Neumann verantwortet drei ZDF-Krimis – »Stralsund« läuft Samstag Mordsmäßig erfolgreich

Kommissarin Petersen (Katharina Wackernagel) und Kommissar Hidde (Alexander Held) ermitteln im Erfolgskrimi »Stralsund«.

Kommissarin Petersen (Katharina Wackernagel) und Kommissar Hidde (Alexander Held) ermitteln im Erfolgskrimi »Stralsund«. Foto: ZDF

Bielefeld (WB). Wenn die Serien »Stralsund«, »Wilsberg« und »Friesland« im ZDF laufen, schalten stets mehrere Millionen Zuschauer ein. Der Bielefelder ZDF-Redakteur Martin Neumann ist für die drei erfolgreichen Krimis verantwortlich.

Am Samstag um 20.15 Uhr läuft die nächste »Stralsund«-Folge. Im Interview mit Stefan Biestmann spricht der 60-Jährige über den Erfolgskrimi.

Martin Neumann

Wie ist das ZDF auf die Idee gekommen, ausgerechnet in Stralsund einen Krimi zu drehen?

Martin Neumann: Es gab vor einigen Jahren bereits die an der Ostsee angesiedelte Schweriner ZDF-Krimi-Reihe »Solo für Schwarz« mit der wunderbaren Barbara Rudnik. Leider ist sie gestorben, sodass wir die Reihe nicht fortsetzen konnten. Wir sind dann nach Stralsund gegangen und haben mit Katharina Wackernagel und ihrem Team die gleichnamige Reihe lanciert. Bislang gibt es zwölf Folgen.

Ein Star der ersten »Stralsund«-Folgen war der Detmolder Schauspieler Wotan Wilke Möhring. Warum hat er die Serie verlassen?

Neumann: Wotan ist ausgestiegen, weil er die Hauptrolle in dem »Tatort« aus Hamburg übernommen hat. Wir haben das sehr bedauert, aber laut ARD-Verträgen darf er dann bei einem anderen Sender keinen Kommissar mehr spielen.

Wie lange dauern die Vorbereitungen für eine »Stralsund«-Folge?

Neumann: In der Regel ein Jahr. Wir produzieren zwei Filme pro Jahr und bereiten die Drehbücher sehr sorgfältig vor. Man dreht etwa fünf Wochen für 90 Minuten.

Was ist das Rezept für einen Erfolgskrimi?

Neumann: Zunächst muss die Grundidee stimmen. Um die her­um sollte man dann ein überzeugendes Figurenensemble entwickeln, das die Zuschauer in die Krimifälle mitnimmt und idealerweise auch begeistert. »Solo für Schwarz« zum Beispiel war eine Krimireihe, in der der gesellschaftliche Prozess des Zusammenwachsens von Ost- und Westdeutschland beleuchtet wird.

Und dieser Prozess ist immer noch nicht abgeschlossen . . . 

Neumann: Nein, dieser Prozess ist vielmehr auch noch 28 Jahre nach dem Mauerfall extrem konfliktbeladen und äußerst schmerzhaft. Diese Entwicklung im Rah­men einer Filmreihe zu begleiten und aktuelle Veränderungen zu illust­rieren, war das zen­trale Anliegen der Reihe. Es ging darin um die möglichst ehrliche Rekon­struktion einer Welt, die den Westdeutschen immer fremd geblieben ist und die im politischen Streit um das historische Bild der DDR verloren zu gehen droht.

Was bedeutet das für die »Stralsund«-Reihe?

Neumann: Auch das »Stralsund«-Format lädt zur Identifikation mit den Helden ein. Sie sind trotz all ihrer Probleme und Krisen positive und sympathische Figuren. Wesentliche Merkmale der Krimireihe sind deshalb ein besonderer Umgang mit den Kriminalfällen und die emotionale Her­angehensweise der Ermittlerin Nina Petersen . . .

. . . die von Katharina Wackernagel gespielt wird.

Neumann: Durch ihre Fähigkeit, sich in Täter und Opfer hin­einzuversetzen, befindet sich Kommissarin Petersen immer in einem – für den Zuschauer gut nachvollziehbaren – sehr emotionalen Prozess. Eindringlichere Szenen sind der dramaturgischen Nachvollziehbarkeit geschuldet und in keiner Weise auf Effekte angelegt.

Es gibt schon Fernsehkrimis aus Stralsund, Wismar und Halle an der Saale. Warum traut sich keiner, mal in Bielefeld einen Krimi zu drehen?

Neumann: Bislang hat noch niemand ernsthaft einen Versuch unternommen, aber das muss ja nicht so bleiben. Da wäre ich nicht so pessimistisch . . .

Was können die Zuschauer von der »Stralsund«-Episode am Samstag erwarten?

Neumann: Die Folge »Kein Weg zurück« bietet Hochspannung und gute Unterhaltung. Übrigens: Eine weitere Folge »Stralsund – Das Phantom« ist bereits abgedreht und wird im Frühjahr 2018 ausgestrahlt. Zwei neue Filme werden im nächsten Jahr gedreht.

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