Di., 07.11.2017

Trabant: DDR-Auto hat noch heute seine Fans Die Rennpappe wird 60 – und fährt und fährt und fährt

Auf in den Westen: Am 11. November 1989 schob sich eine unübersehbare Trabi-Kolonne über den Grenzübergang Herleshausen in Richtung Bundesrepublik.

Auf in den Westen: Am 11. November 1989 schob sich eine unübersehbare Trabi-Kolonne über den Grenzübergang Herleshausen in Richtung Bundesrepublik. Foto: dpa

Zwickau (dpa). Sobald Frank Hofmann den Zündschlüssel dreht, ist das vertraute Knattern wieder da. Moment, stimmt ja gar nicht: Damit hier überhaupt was knattert, muss erst mal der Benzinhahn im Beifahrerraum umgelegt werden. So, jetzt kann sie losgehen, die Fahrt im Trabi, der am Dienstag 60 wird.

Der Kleinwagen Trabant, ein Symbol des DDR-Alltags, hat noch Jahrzehnte nach dem Produktionsstopp eine treue Fangemeinde weltweit. Allein durch Deutschland rollen 34.500 »Rennpappen«.

1957 lief mit dem P 50 in Zwickau die erste »Pappe« vom Band

1957 lief mit dem P 50 in Zwickau die erste »Pappe« vom Band. »Der Trabi ist ein Auto, das sich von anderen abhebt«, sagt Hofmann, der einen baligelben P 601 fährt. Bis 1991 wurden etwa drei Millionen Trabis gebaut.

Ersatzteile werden heute in Kleinserien fabrikneu produziert, und Hofmann vertreibt sie online. Er fing mit drei Kartons voller Teile im Keller an, heute hat er 1500 Artikel von der kleinsten Schraube bis zum kompletten Motor im Sortiment.

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Der Trabi ist ein Auto, das sich von anderen abhebt.

Trabi-Fan Frank Hofmann

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Der Trabi fasziniert nicht nur (Ost-)Deutsche: Hofmanns Päckchen mit Trabant-Teilen gehen nach England, Belgien, Ungarn, Russland, Australien und in die USA. Hofmann hat sogar schon einen Bremszylinder nach Namibia verschickt.

Im Uhrzeigersinn von links oben: Frank Hofmann (rechts) und Jesko Weiß handeln in Zwickau mit Ersatzteilen für den Trabant; ein Trabant 601 S de luxe, etwa 10.000 Euro wert; auch technisch Minderbegabte können den Trabant 601 reparieren – hier ein Foto von 2010; robust, sparsam und preiswert sollte der Trabi sein. Von Umweltverträglichkeit war nie die Rede, wie diese graublaue Abgaswolke auf einem Foto von 1989 beweist.

Robust, sparsam und preiswert

»Der Trabant ist das Gegenstück zu unserer technisierten Welt«, schwärmt Hofmann. Es genügen wenige Kenntnisse, um das Auto selbst zu reparieren, weil es technisch denkbar einfach aufgebaut ist.

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Der Trabant ist das Gegenstück zu unserer technisierten Welt

Frank Hofmann

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Genau das war auch die Vorgabe des DDR-Ministerrats von 1954: Der Kleinwagen sollte robust, sparsam und preiswert sein. Und weil Blech in der DDR Mangelware war, entwickelten Konstrukteure die berühmte Kunststoffkarosserie aus Duroplast.

Der Zweitakter gilt als Symbol des Sozialismus und der Planwirtschaft. Was die Weiterentwicklung anging, trat die Staatsführung auf die Bremse. Erst Ende der 80er wurde ein Viertaktmotor von Volkswagen im Trabant verbaut, doch da war das übrige Auto bereits hoffnungslos veraltet – und die DDR stand vor der Auflösung.

Auf dem Weg zum Oldtimer

Der Trabi wurde bis zum Schluss aus immer gleichen Teilen zusammengesetzt. Nur die Lieferzeit hat sich dramatisch verändert: Während DDR-Bürger im Schnitt zwölf Jahre auf ihren Trabi warten mussten, hat der Fan von heute sein Ersatzteil bereits am nächsten Tag.

Wolfgang Kießling ist Vorsitzender des Internationalen Trabant-Registers. Der Verein hält alle Markenrechte am Trabant und betrieb bis vor wenigen Tagen eine mobile Trabi-Ausstellung. Die muss jetzt aus Kostengründen im Zwickauer August-Horch-Museum unterkommen (Eröffnung am 10. November).

Kießling beobachtet vor allem unter jüngeren Menschen ein wachsendes Interesse, das sich nicht nur mit dem Nostalgiefaktor erklären lasse. Das einst so billig produzierte Auto sei auf dem Weg zum Oldtimer. Für gut restaurierte Modelle wie den Trabant Tramp, die zivile Variante des »Kübel« der DDR-Armee, werden bereits 10.000 Euro gezahlt, sagt Kießling.

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