Mo., 29.01.2018

Publikum feiert »Die Blume von Hawaii« am Theater Paderborn Alle lieben Prinzessin Laya

Beim Blumenfest auf Hawaii fallen sich selbst Feinde in die Arme: Prinz Lilo-Taro (Ogün Derendeli, rechts) und der amerikanische Gouverneur Harrison (David Lukowczyk). Die Szene ist so farbig wie die gesamte Paderborner Inszenierung.

Beim Blumenfest auf Hawaii fallen sich selbst Feinde in die Arme: Prinz Lilo-Taro (Ogün Derendeli, rechts) und der amerikanische Gouverneur Harrison (David Lukowczyk). Die Szene ist so farbig wie die gesamte Paderborner Inszenierung. Foto: Christoph Meinschäfer

Von Andrea Pistorius

Paderborn (WB). Schauspieler, Band und Tanzcompa­gnie feiern mit der Operette »Die Blume von Hawaii« ein opulentes Theaterfest. Das Publikum, das am Samstag die Premiere im Paderborner Theater erlebte, feierte mit und applaudierte minutenlang.

Die Zuschauer spüren, dass es ein Vergnügen gewesen sein muss, den Stoff aus den theaterverrückten 20er Jahren lebendig werden zu lassen. Alfred Grünwald und Fritz Loehner-Beda (Libretto) und der Ungar Paul Abraham (Musik) schufen damals ein Bühnenstück, das Erfolg haben musste: mit einer Handlung voller politischer Intrigen und amouröser Verwicklungen in exotischer Umgebung und mit einer Musik, die mit Jazzrhythmen neuen Schwung in das schon leicht angestaubte Operettengenre brachte.

Regisseur Ingmar Otto schöpft in Paderborn aus dem Vollen. Gemeinsam mit Florian Angerer (Kulissen) und Christina Pantermehl (Kostüme) schuf er ein farbiges Tableau aus ebenso sinnlichen wie turbulenten Szenen, in denen Darsteller und Tänzerinnen mit enormer Spielfreude agieren. Die Band macht mit Foxtrott, Marsch und Walzer zusätzlich Tempo.

Schönstes Boulevardtheater

Die Geschichte ist schönstes Boulevardtheater und spielt im Jahr 1895. Damals hatten die Amerikaner die Südseeinsel Hawaii besetzt und die Königsfamilie ins Exil verbannt.

Besorgt beobachten sie Einheimische, die ein Volksfest vorbereiten, tatsächlich aber einen Putsch planen: Sie schmuggeln Prinzessin Laya (Kirsten Potthoff) an Land, um sie zur Königin zu krönen, doch die Schöne kann sich nicht zwischen zwei Verehrern, dem Prinzen Lilo-Taro (Ogün Derendeli) und dem amerikanischen Kapitän Stone (Alexander Wilß), entscheiden.

Deshalb endet das Blumenfest im Chaos. In einem Spielcasino in Monte Carlo treffen sich fast alle Beteiligte im dritten Akt wieder, und das Ganze nimmt für die meisten ein glückliches Ende.

Die Handlung ist weder historisch, noch politisch korrekt, sie will einfach unterhalten, und das gelingt großartig. Regisseur Otto spielt wohldosiert mit Gegensätzen und Klischees, wenn er die Amerikaner militärisch auftreten lässt und die Hawaiianer mit Tracht und Dialekt von Eingeborenen ausstattet.

Große Darstellungskunst

Das Casino erinnert an Revuetheater der Roaring Twenties: vordergründig schillernd, hinter den Kulissen verrucht und vulgär. Nur einmal verliert Otto beim Zeichnen seiner Milieu­s die Balance, als er den Jazzmusiker Jim Boy rassistische Witze erzählen und dessen Gesicht in eine Schokoladentorte stecken lässt. Das war damals schon geschmacklos und ist es heute immer noch.

Ideal besetzt: Kirsten Potthoff in der Doppelrolle als Prinzessin Laya und Suzanne Provence sowie Alexander Wilß als Kapitän Stone. Foto: Christoph Meinschäfer

Die Schauspieler agieren mit großer Darstellungskunst und viel Humor, sie singen mit bestens geschulten Stimmen, aber ohne Belcanto. Die vierköpfige Band, die das Sinfonieorchester ersetzt, passt perfekt. Bandleader und Pianist Sebastian Müller hat die Lieder arrangiert. Mit ihm musizieren die Geigerinnen Juliane Doiwa und Kristina Hügel, der Gitarrist Daniel Le-Van-Vo und der Schlagzeuger Clemens Ohlendorf.

Das Ensemble zeigt eine geschlossene Leistung. Das Publikum bedachte die Hauptdarsteller mit ebenso herzlichem Applaus wie David Lukowczyk (Gouverneur Harrison), Josephine Mayer (Harrisons Nichte Bessy), Tim Tölke (Harrisons Sekretär Buffy), Stephan Weigelin (Jim Boy), Willi Hagemeier (Kaluna), Gesa Köhler (Raka), und Denis Wiencke (Kanako Hilo/Peroquet).

Eine Bereicherung ist die Compagnie der acht Tänzerinnen, die in Hularöckchen eine ebenso gute Figur machen wie in Matrosenanzügen und Abendkleid. Kurz: »Die Blume von Hawaii« hat das Zeug zum Saisonkracher. Das liegt auch an Songs wie »My golden Baby« und »Wir singen zur Jazzband«.

 

  • Die nächsten Vorstellungen: 2., 4., 10., 16., 22., 24. Februar, 3., 8., 10., 18. März, 5., 13. April.

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