Mo., 05.02.2018

»Tschenni«, die Verpeilte: Jedes Land hat die Dschungelkönigin, die es verdient Mehr Gage, mehr Prominenz, mehr Quote

Das große Wiedersehen nach dem Dschungel: (hinten) Giuliana Farfalla, Dschungelkönigin Jenny Frankhauser und Ansgar Brinkmann, (vorne) Tina York, Daniele Negroni, Kattia Vides und Matthias Mangiapane.

Das große Wiedersehen nach dem Dschungel: (hinten) Giuliana Farfalla, Dschungelkönigin Jenny Frankhauser und Ansgar Brinkmann, (vorne) Tina York, Daniele Negroni, Kattia Vides und Matthias Mangiapane. Foto: MG RTL D / Stefan Menne

Von Andreas Schnadwinkel

Sydney (WB). Geschafft! Der Menschenzoo ist geschlossen. 16 Tage »Dschungelcamp« haben Spuren hinterlassen. Ein kleines Schlafdefizit (wegen »Die Stunde danach« bei RTLplus) und eine riesige Portion Kulturpessimismus obendrauf.

Die »Tschenni« hat gewonnen. Bedeutet das etwas? Dass Teamfähigkeit eine Tugend von gestern ist, weil der eigene Schlaf schwerer wiegt als der Wachdienst und die Kollektivstrafe für alle nicht juckt? Na ja, man muss nicht aus allem irgendwelche albernen »Lehren« ziehen.

War die zwölfte Staffel die bislang schlechteste Ausgabe? Wahrscheinlich schon, zumindest gemessen an den Einschaltquoten von im Schnitt etwas mehr als fünf Millionen Zuschauern pro Sendung. Das ist im Genre des Trash-TV immer noch viel, reicht aber nicht mehr an den »Tatort«-ähnlichen Publikumszuspruch heran.

Nicht bekannt genug

Woran liegt’s? Ja, die Insassen waren nicht bekannt genug. Ausnahmen: Natascha Ochsenknecht und Ansgar Brinkmann. Auch die Begleitung in den Feuilletons sogenannter »Qualitätsmedien« hat nachgelassen. Immerhin ist »Spiegel Online« in den letzten Tagen des Camps wach geworden. Doch die gesellschaftliche Relevanz als Spiegelbild von irgendwas wird diesem Fernsehformat nicht mehr zugesprochen.

Wenig Erhellendes am Sonntagabend bei »Das große Wiedersehen«, der Aufarbeitung von 16 Tagen. Giuliana Farfalla schreibt ein Buch, Tina York fühlt sich fitter, Matthias Mangiapane hat nur acht Kilo abgenommen, Ansgar Brinkmanns Skateboard, sorry: Longboard, diente Daniele im Dschungel als Liegefläche.

Weniger Geld für Brinkmann

Und der Ex-Armine hat gestanden, dass sein freiwilliger Auszug am zehnten Tag monetäre Folgen hatte. »Bisschen was habt ihr abgezogen, leider.« Tja. Und warum ist er von selbst gegangen? »Ich konnte in dem Moment nicht über meinen Schatten springen.« – »Regeln, das ist wirklich nicht mein Ding.« – »Raus wollte ich auf gar keinen Fall, aber irgendwann war für mich das Maß voll.« – »Der Streitwert war nicht so groß.«

RTL-Camp für 2019 sicher

Die Zuschauerzahlen lagen unter denen der Vorjahre, aber RTL stellt seine Dschungelshow nicht infrage. »Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!« sei für 2019 bereits gesetzt, Änderungen am Konzept könne man aber vorstellen, sagte RTL-Sprecher Claus Richter. »Der Dschungel ist die erfolgreichste Show im deutschen Fernsehen.« Für die schwächere Quote machte Richter einen »allgemeinen Reichweitenverlust« sowie die »Performance« der Camper verantwortlich. »Insgesamt hätten wir es uns dynamischer gewünscht.« Der Ruf nach bekannteren Stars sei aber nicht die Lösung.

 

Streiten, das kann der Ansgar. Wie viele Trainer hatte er doch gleich in seiner Profilaufbahn? Etwa 39? Sagenhaft! Und die Dschungel-Regie war der 40. Irgendwann holt sich die Straße den Fußball zurück - oder der RTL sich die Quote.

Wie wär’s mit Mario Basler?

Mehr Gage, mehr Prominenz, mehr Quote? Man weiß nicht, ob die Entscheidung in Gütersloh oder Köln fällt, wie es mit »Ich bin kein Star – Ich ess’ das auf!« weiter geht. So jedenfalls nicht.

Der Rahmen passt immer noch – und trägt weitere Staffeln. Alles andere hängt von den handelnden Personen ab.

Hier einige Vorschläge, die sich am gängigen Besetzungsschema orientieren. In der Kategorie Ex-Fußballprofi Mario Basler, als Ü70-Mann der Schauspieler Burkhard Driest (der mit Romy Schneider eine kurze Affäre gehabt haben will), als Ü70-Frau Ingrid Steeger (»Klimbim«), als Ü50-Blondine Claudia Effenberg (Spielerfrau) und als junge Beigabe die zickigsten Mädels aus »Der Bachelor« und die dümmsten Typen aus »Die Bachelorette«.

So könnte es gehen, wenn 2019 wieder mehr Leute einschalten sollen.

Zum Nachlesen: Alle Folgen zum »Dschungelcamp 2018: Ich bin ein Star – Holt mich hier raus«:

Tag 1: Brinkmann: »Es wird knallen im Dschungel«

Tag 2: Matthias macht das schon!

Tag 3: Der kleine Tarzan

Tag 4: Brinkmann nur auf der Ersatzbank

Tag 5: Ansgar Brinkmann: »Das ist Körperverletzung«

Tag 6: »Aufgeben ist wie sterben«

Tag 7: »Der Ton macht die Musik«

Tag 8: Kick it like Brinkmann

Tag 9: Ansgar Brinkmann: »Der Fußball hat sich in meine Seele eingebrannt«

Tag 10: Ansgar Brinkmann taucht ab

Tag 11: »Wie geht’s dir, du alter Rebell?«

Tag 12: Natascha Ochsenknecht fliegt raus und Tina York ist immer noch da

Tag 13: Kein Erbarmen

Tag 14: Selten wirklich so gelacht

Tag 15: Finalistin wider Willen

Tag 16: Hier hätte eine Ansgar-Brinkmann-Überschrift stehen können

 

 

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