Di., 06.02.2018

»Schiller« entführen das Bielefelder Publikum in digitale Klangwelten »Schiller«-Konzert ist Wellness für die Ohren

Christopher von Deylen macht elektronischen Pop von zeitloser Schönheit.

Christopher von Deylen macht elektronischen Pop von zeitloser Schönheit.

Von Thomas Albertsen

Bielefeld (WB). Kammermusik in der Oetkerhalle mal anders: Statt Streichern und Klavier sind Synthesizer und elektronisches Schlagzeug eine spannende Alternative. Das nicht ganz ausverkaufte »Schiller«-Konzert weckte Sehnsucht nach mehr Genüssen dieser Art.

Wellness für die Ohren war angesagt, als Christopher von Dey­len , Martin Roberts und Cliff Hewitt mit opulenten Pads, massenkompatibel eingesetzten Sequencern und einem prägnanten, aber stets unaufdringlichen Rhythmus zauberhafte Melodien aus digitalen Klangwelten zauberten. »Schiller« steht für Genuss, aber die Musik hebt sich wohltuend vom banalen Einerlei des esoterischen Wohlfühlgedudels ab.

»Schiller« der Mozart des 21. Jahrhunderts

Wobei »Schiller« auch aufs Einlullen durch minimalistisch-endlose Wiederholungen und monotone Beats verzichtet. Wo Klaus Schulze sich als Wagner der Elek­tronischen Musik gab und »Tangerine Dream« in die Fußstapfen Beethovens traten, ist »Schiller« der Mozart des 21. Jahrhunderts: gefällig, aber voller Finesse.

Christopher von Deylen hat ein feines Gespür für Stimmungen, die er vortrefflich in Töne zu kleiden versteht. Seine Elektronik ist fern des Experimentellen aus den 70er Jahren. »Schiller« igelten sich nie im Elfenbeinturm der Kunst ein, sondern fühlten sich dem Mainstream verbunden, ohne belanglos zu werden. Balladen wie »Ruhe« und »Das Glockenspiel« sind keinesfalls Meditationsmusik, sondern Popsongs von zeitloser Schönheit, die gute Laune verbreiten. Die »Klangwelten«-Konzerte sind so entspannend, weil die Musik nicht für den Dancefloor komponiert wurde, sondern zusammen mit Licht- und Filmprojektion ein ästhetisches Gesamtkunstwerk ergibt.

Komponierte Einlassmusik

Das Bielefelder Konzert begann wie alle Live-Auftritte von »Schiller« mit einer eigens für den Anlass komponierten Einlassmusik, die das Publikum vortrefflich einstimmte. Sphärische Ambientklänge waberten durch die Halle, eine Kickdrum mit reichlich Hall ließ die Zeit stillstehen und öffnete den Raum für dichte Klanggewebe, die den Weg direkt ins Konzert hinein bereiteten. Es passt zu »Schiller«, dass die Bandmitglieder nur selten im Rampenlicht stehen, sondern meistens im Dunkel agieren und optisch hinter die Untermalung durch Farbspiele zurücktreten.

Das Erlebnis wurde durch den 3-D-Klang perfektioniert, der das Publikum in den Mittelpunkt des Klangraums stellte. Ein solches Konzerterlebnis ist anders als bei Frontalbeschallung ein Eintauchen in magische Welten, die den Zuhörer sanft umhüllen und schweben lassen.

Elektronische Musik fristet ein Nischendasein und spricht ein eng begrenztes Publikum an. Christopher von Deylen zeigt, wie es auch anders geht. 2019 sind »Schiller« erneut in Bielefeld zu Gast. Dann allerdings in Bandbesetzung mit Gesang – und der Gelegenheit zu tanzen.

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Super Performance

Noch besser ist "Schiller" bei seinen großen Auftritten mit Sängerinnen und Sängern, teilweise mit zwei Schlagzeugern. Dann wird seine musikalische und künstlerische Schaffenskraft nochmals getoppt.

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