Mo., 16.04.2018

Sänger kritisiert Echo-Verleihung Peter Maffay: »Mangel an Sensibilität unerträglich«

Peter Maffay

Peter Maffay Foto: Friso Gentsch/dpa

Berlin (dpa). Auch Tage nach der umstrittenen Echo-Verleihung an Kollegah und Farid Bang hält der Ärger in der Musikbranche an. Die beiden Rapper hatten mit Zeilen wie »Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen« für Entsetzen gesorgt und dennoch den Preis für das beste Rap-Album erhalten. Rockmusiker Peter Maffay (68) findet dafür deutliche Worte. Im Interview mit Thomas Bremser fordert er strukturelle und personelle Konsequenzen.

Die Kritik an den Rappern gab es schon vor der Verleihung. Warum sind Sie zum Echo gegangen?

Peter Maffay: Ich wollte sehen, wie die Reaktionen darauf sind, wie der Abend verläuft, und mir ein authentisches Bild davon machen. Nach der Eskalation auf der Bühne, als sich beide Künstler zu den Anmerkungen von Campino geäußert haben, sind wir aufgestanden und gegangen.

Zur Person

Peter Maffay wurde am 30. August 1949 als Peter Alexander Maffay im rumänischen Brasov (Kronstadt) geboren. 1963 zog er mit seinen Eltern in das bayerische Mühldorf am Inn. Seit Jahrzehnten feiert er große Erfolge mit seiner Musik. In den 80er Jahren entwickelte Maffay das Rockmärchen »Tabaluga«.

 

Sie sagen, Sie wollten sich selbst ein Urteil bilden. Wie sieht das aus?

Maffay: Ich stelle fest, dass zum Glück viel Bewegung in diesen Prozess gekommen ist. Der Geschäftsführer des Bundesverbandes der Musikindustrie hat eilig erklärt, die Statuten ändern zu wollen. Das war meiner Ansicht nach viel zu spät und ist damit nicht wirklich glaubwürdig.

 

Was muss sich denn jetzt Ihrer Meinung nach ändern?

Maffay: Die Diskussion darf nicht stoppen, es muss Konsequenzen geben. Die Künstler werden durch den Musikverband repräsentiert. Die Intransparenz muss aufgehoben werden, wenn man den Echo in Zukunft noch ernstnehmen will. Es muss da wieder eine Glaubwürdigkeit rein, die inzwischen völlig abhanden gekommen ist.

 

Sie fordern auch personelle Konsequenzen.

Maffay: Natürlich. Man hätte sich bewusst sein müssen, dass es zu einer solchen Eskalation kommen würde. Es ist ein Mangel an Sensibilität auszumachen, der nicht erträglich ist. Deswegen gehören in diese verantwortlichen Positionen Leute, die sich dieser Verantwortung bewusst sind und sie nicht an einen sogenannten Ethikrat weiterdelegieren, der auf Tauchstation geht.

 

Es gab am Echo-Abend mehrere Künstler, die das Wort auf der Bühne hätten ergreifen können. Hätten Sie sich mehr Gegenwind gewünscht für Kollegah und Farid Bang?

Maffay: Natürlich hätte eine ähnliche Aktion wie die von Campino geholfen, einen noch deutlicheren Akzent zu setzen. Ich bin aber sicher, dass viele von den Vorkommnissen überrollt wurden. Ich will der Mehrheit nicht unterstellen, dass sie unsensibel ist. Ein deutliches Zeichen wäre sicher gewesen, wenn mehr Leute aufgestanden und gegangen wären. Aber im Netz haben sich später viele eindeutig artikuliert.

 

Die Platten der beiden Rapper sind unglaublich erfolgreich.

Maffay: Ich glaube, darin ist ein grundsätzliches Problem zu erkennen, nämlich eine Veränderung in unserer Gesellschaft. Uns ist der Konsens zu gewissen Grundwerten abhanden gekommen. Dies führt zu fatalen Interpretationen. Wörter wie »künstlerische Freiheit« werden missbraucht, um inakzeptable Inhalte zu legitimieren. Es zeigt, dass sich unsere Gesellschaft mehr und mehr spaltet.

 

Was muss passieren, damit Sie im nächsten Jahr mit Freude zum Echo gehen?

Maffay: Es muss ein ethisches Grundverständnis her, das bindend für alle ist. Wer sich nicht daran hält, kann nicht erwarten, beim Echo berücksichtigt zu werden. Außerdem muss die Transparenz, die völlig abhanden gekommen ist, wieder her. Also ein anderes Regelwerk. Wenn das nicht geschieht, dann hat der Echo keine Daseinsberechtigung mehr.

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