Mi., 23.08.2017

Kulturgut Politik erkennt Innovationskraft der Games-Branche

Noch bis zum Samstag wird es in Köln auf der Gamescom wieder wie gewohnt bunt und schrill zugehen.

Noch bis zum Samstag wird es in Köln auf der Gamescom wieder wie gewohnt bunt und schrill zugehen. Foto: Oliver Berg

Von dpa

Die Games-Branche gilt längst auch als technologischer Innovations-Treiber mit Einfluss in viele andere Lebens- und Arbeitsbereiche. Doch so mancher Hype wie etwa der um Virtual Reality erfährt auf der Gamescom in Köln schon wieder eine kleine Abkühlung.

Köln (dpa) - Die Politik entdeckt das Spielen. Noch nie in der Geschichte der Gamescom hat es auf der Messe für Computer- und Video-Spiele so viel Polit-Prominenz gegeben. Dutzende Bundestagsabgeordnete und Politiker aus den Ländern haben ihren Besuch mitten im Wahlkampf angekündigt.

Der Branchenverband BIU ist über die Resonanz hoch erfreut. Er kämpft seit Jahren für die Anerkennung digitaler Spiele als Kulturgut und setzt sich für bessere Förderungsmodelle für Entwickler in Deutschland ein.

Schließlich profitieren viele andere Branchen von technologischen Innovationen, die ihren Ursprung in der Entwicklung neuer Spiele-Erfahrung genommen haben. Anwendungen wie Virtual Reality sind inzwischen auch im Maschinenbau, der Architektur oder im Einzelhandel im Einsatz. Und Pädagogen entdecken den spielerischen Zugang zu Lerninhalten mit den heutigen Möglichkeiten neu. Nicht zuletzt sind Games über das Smartphone im Alltag der Menschen angekommen. Rund die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ab 14 Jahren spielt bereits - häufiger oder zumindest gelegentlich, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des BIU.

«Ich kann nur begrüßen, wenn in der Politik ein Bewusstseinswandel stattfindet», sagt Uwe Bassendowski, Deutschland-Chef von Sony Computer Entertainment. Vor allem Spiele auf dem Smartphone und sogenannte Casual-Games, die man zwischendurch spielen kann, hätten in den letzten Jahren viele Berührungsängste abgebaut. Mit der neuen Spielereihe «Playlink» versucht der Playstation 4-Hersteller aktuell, Games für komplett neue Schichten in der Bevölkerung attraktiv zu machen. Man hab «großes Know-how in Sachen Gesellschaftsspiele», sagt Bassendowski.

Neun Millionen Playstation 4 stehen laut Bassendowski in Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Haushalten. Mit über 60 Millionen verkauften Geräten weltweit ist Sony mit Abstand Marktführer. Rivale Microsoft setzt unterdessen auf neue Hardware und sein aktuelles Betriebssystem Windows 10. Zur Gamescom hat der Konzern erstmals sein neues, besonders leistungsfähiges Konsolenmodell Xbox One X nach Deutschland gebracht, es soll am 7. November in den Handel kommen. Und mit einer neuen Folge des Klassikers «Age of Empires» etwa will das Unternehmen Windows 10 am PC als dezidierte Spieleplattform küren.

Virtual Reality hatte bei ihrem Rundgang auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begeistert. Vielfach wird darauf verwiesen, dass die Games-Branche die Entwicklung maßgeblich vorangebracht habe. Doch zu den Highlights gehört das Thema auf der diesjährigen Gamescom nicht unbedingt. Man habe VR das letzte Jahr sehr groß gemacht, heute sehe man, dass es so groß gar nicht sei, sagt Bassendowski.

Sony gehört mit seiner Playstation VR zu den Pionieren der Technik. Für entsprechende Spiele, die die Nutzer in virtuelle Welten entführen, seien auch andere Spielkonzepte erforderlich, sagt Bassendowski. «Man kann sich ein VR-Headset nicht drei Stunden aufsetzen.» Spiele in 20 bis 30 Minuten Länge seien dafür eher sinnvoller. Es gebe zwar schon rund hundert Spieletitel auf dem Markt, doch nun müssten weitere Inhalte folgen. Microsoft arbeitet derweil zusammen mit vier Hardware-Herstellern ebenfalls an Headsets, die allerdings die reale Umgebung nicht vollständig ausblenden sollen. Voraussichtlich werden die ersten Modelle zum Weihnachtsgeschäft verfügbar sein.

Halbwegs leistungsfähige VR-Systeme haben aber noch immer einen großen Haken für die Nutzer: Sie hängen über Kabel am Rechner oder der Konsole und schränken so die Bewegungsfreiheit des Spielers erheblich ein. Dieses Problem will jedoch das junge Unternehmen TPCast aus China gelöst haben.

Auf der Gamescom zeigt TPCast mit Hilfe eines proprietären Routers, eines Senders und Empfängers sowie einer Batterie, die man sich als Gürtel umbindet, dass es bei der HTC Vive auch ohne Kabel geht. Im Rahmen des Entwicklerprojekts Vive X des taiwanesischen Herstellers hatte das Unternehmen, das traditionell Router für TV-Geräte produziert, seine Lösung vorgestellt. Bereits Anfang September soll sie nun auch in Deutschland vorbestellt werden können. Einen Preis nannte TPCast allerdings noch nicht.

Noch bis zum Samstag wird es in Köln auf der Gamescom wieder wie gewohnt bunt und schrill zugehen. Alle großen Publisher haben ihre neusten Top-Titel im Gepäck, die zum Teil erstmals in Deutschland angespielt werden können. Für echte Gamer also kein Grund, sich von stundenlangem Schlangestehen abschrecken zu lassen.

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