Mi., 23.09.2015

Paritätischer Wohlfahrtsverband: Frauen und Kinder betroffen Vergewaltigungen im Flüchtlingsheim?

Flüchtlinge gehen in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen in die Zimmer ihrer vorübergehenden Bleibe. Aktuell leben hier 5000 Flüchtlinge.

Flüchtlinge gehen in der Hessischen Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge (HEAE) in Gießen in die Zimmer ihrer vorübergehenden Bleibe. Aktuell leben hier 5000 Flüchtlinge.

Von Christian Althoff

Gießen (WB). In der Hessischen Erstaufnahme-Einrichtung (HEAE) Gießen, einem der größten Flüchtlingslager Deutschlands, sollen etliche Frauen sowie Kinder von Asylbewerbern vergewaltigt worden sein.

Das behaupten der Paritätische Wohlfahrtsverband, Pro Familia, der Landesfrauenrat und die Landesarbeitsgemeinschaft Hessischer Frauenbüros in einem Brief an die Fraktionen im hessischen Landtag.

Etwa 5000 Flüchtlinge leben in der HEAE. Die Schreiber des Briefs kritisieren »nicht geschlechtergetrennte sanitäre Einrichtungen und nicht abschließbare Räume«. Das spiele jenen Männern in die Hände, die Frauen ohnehin nur eine untergeordnete Rolle zubilligten.

Im Brief heißt es wörtlich:

»Die Folge sind zahlreiche Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe.«
»Es muss deutlich gesagt werden, dass es sich hierbei nicht um Einzelfälle handelt.«
»Frauen berichten, dass sie, aber auch Kinder, vergewaltigt wurden oder sexuellen Übergriffen ausgesetzt sind.«
»Viele Frauen schlafen in Straßenkleidung und gehen nachts nicht zur Toilette, weil es auf den Wegen dorthin zu Überfällen und Vergewaltigungen gekommen ist.«

Auch von Zwangsprostitution wird berichtet. Barbara Helfrich, Sprecherin des paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hessen: »Wir stützen uns auf die Schilderungen von Opfern gegenüber Betreuungsorganisationen.« Kaum eine Frau habe Anzeige erstattet. »Viele haben in ihrer Heimat schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht und befürchten negative Auswirkungen auf ihr Asylverfahren, wenn sie zur Polizei gehen«, sagt Barbara Helfrich.

Reaktion ist knapp

Die Reaktion des Regierungspräsidiums Gießen, das die Unterkunft betreibt, auf die in dem Brandbrief angeprangerten Taten ist knapp. »Die Polizei hat uns nichts berichtet«, erklärte eine Sprecherin.

Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen, sagte, man habe seit Januar lediglich von etwa zehn Fällen erfahren, in denen es um Vergewaltigung, sexuellen Missbrauch und sexuelle Nötigung gehe. »Aber natürlich kann es eine Dunkelziffer geben«, sagte Reinemer. In einem Fall von sexueller Nötigung sei ein Kind betroffen.

Schilderungen kommen nicht unerwartet

Für Johannes-Wilhelm Rörig, den Unabhängigen Beauftragten der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, kommen die Schilderungen aus Hessen nicht unerwartet. Er sagte dem WESTFALEN-BLATT: »Ich bin in allerhöchster Sorge, dass Kinder und Jugendliche in Flüchtlingsunterkünften nicht ausreichend geschützt werden.«

Gemeinschaftsunterkünfte seien kein geeigneter Lebensraum für Kinder. »Da geht es oft ungeordnet und dynamisch zu. Das Durcheinander macht es Tätern einfach, die Nähe von Kindern zu suchen.« Gefahr drohe nicht nur von Mitbewohnern.

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