Mi., 23.09.2015

Beauftragter der Bundesregierung will besseren Schutz in Flüchtlingsheimen Standards gegen Kindesmissbrauch

Flüchtlingskinder würden in Deutschland nicht ausreichend geschützt, meint der Beauftragte der Bundesregierung.

Flüchtlingskinder würden in Deutschland nicht ausreichend geschützt, meint der Beauftragte der Bundesregierung. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Berlin (WB). Johannes-Wilhelm Rörig, der Unabhängige Beauftragte der Bundesregierung für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, fürchtet um die Sicherheit von Kindern in Asylbewerberunterkünften – und fordert ein Polizeiliches Führungszeugnis für Helfer, die mit Kindern arbeiten.

Bis zum Jahresende würden mehr als 250?000 geflüchtete Kinder in Deutschland erwartet, sagte Rörig. Zelte, Turnhallen und ehemalige Kasernen seien kein geeigneter Lebensraum für sie. Rörig sagte dem WESTFALEN-BLATT, Gefahr drohe Kindern nicht nur von Mitflüchtlingen, sondern auch von außen. »Auch angebliche Helfer können Täter sein.«

Er wisse von Fällen, in denen sich Besucher unter Angaben falscher Personalien als Kinderbetreuer in Unterkünften angemeldet hätten und ohne Kontrollen hineingelassen worden seien.

In Herford war vor 20 Jahren der Fall eines pensionierten Lehrers bekanntgeworden, der Hausaufgabenbetreuung übernommen und Flüchtlingskinder missbraucht hatte.

Johannes-Wilhelm Rörig.

Rörig sagte, er habe die Regierungschefs der Bundesländer gebeten, sich auf ihrem Flüchtlingsgipfel morgen für den Schutz von Kindern starkzumachen und die Einführung von Mindeststandards in Unterkünften zu unterstützen.

Diese Mindeststandards gegen sexuelle Gewalt müssten jetzt bundesweit Schritt für Schritt eingeführt werden. »Dazu gehören vor allem abschließbare Toiletten, geschlechtergetrennte Duschen, betreute Kinderspielbereiche und eine separate Unterbringung alleinstehender Mütter mit ihren Kindern.«

Führungszeugnis vorlegen

Außerdem müssten Helfer für sexuelle Gewalt sensibilisiert werden. Helfer, denen Flüchtlingskinder anvertraut würden, sollten ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen. Außerdem sollten Flüchtlinge wissen, an wen sie sich bei einem Missbrauchsverdacht wenden können, sagte Rörig. Wünschenswert sei es außerdem, wenn es auch unter den Helfern gleichermaßen Männer und Frauen gebe.

In nordrhein-westfälischen U­n- terkünften sind einige Forderungen des unabhängigen Beauftragten bereits umgesetzt. So werden hier Flüchtlinge bereits konsequenter nach ihrem Geschlecht getrennt als in anderen Bundesländern.

In Nordrhein-Westfalen wurde der Öffentlichkeit bisher nur die Vergewaltigung eines Flüchtlingskindes bekannt, und zwar die eines 13-Jährigen Mädchens durch einen anderen Flüchtling in Detmold. Der Mann, es soll sich um einen Afghanen handeln, sitzt in Untersuchungshaft, die Staatsanwaltschaft Detmold bereitet eine Anklage vor.

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