Mo., 19.06.2017

Der Europaparlamentarier Elmar Brok würdigt Helmut Kohl Ein Rückblick in Dankbarkeit

Helmut Kohl, Elmar Brok (links) und der damalige EU-Ratspräsident Herman van Rompuy mit der Urkunde des Friedensnobelpreises, der 2012 der EU verliehen wurde.

Helmut Kohl, Elmar Brok (links) und der damalige EU-Ratspräsident Herman van Rompuy mit der Urkunde des Friedensnobelpreises, der 2012 der EU verliehen wurde.

Ein Gastbeitrag von Elmar Brok *

Die Großen der Welt verneigen sich in diesen Tagen vor Helmut Kohl, dem Ehrenbürger Europas und dem Vollender der Einheit Deutschlands, die er mit traumwandlerischer Sicherheit und wegen seiner internationalen Glaubwürdigkeit erreichte.

Dieses geeinte Deutschland sah er als Teil Europas, wie es das Grundgesetz sah. Seit den beiden Weltkriegen wusste er, dass Bismarck recht hatte, dass Deutschland zu klein für die Vorherrschaft und zu groß für die Balance sei. In Gesprächen betonte er das immer wieder.

Deshalb war er auch aus internationalem Interesse frei von allem nationalen Hochmut. Frankreich war der Anker, der Partner. Deshalb würde er jetzt mit aller Kraft Präsident Macron unterstützen, um Frankreich wieder zu einem starken Partner zu machen.

Und oft hat er mir gesagt, dass »meine Bundesregierung immer auf Seiten der kleinen Länder steht«. Das machte seine Glaubwürdigkeit aus, war die Basis seines Einflusses.

Er stammte wie die Gründerväter Adenauer, de Gasperi, Schumann aus einer Grenzregion und war wie sie gläubiger Katholik. Daraus speiste sich sein »Nie wieder Krieg, nie wieder Diktatur«.

Aus der katholischen Soziallehre ergab sich auch seine Überzeugung, dass Soziale Marktwirtschaft gleichermaßen Wettbewerbsfähigkeit und soziale Balance bedeutet. Das war und ist Kern der Stärke der Volkspartei CDU, die für ihn weitaus mehr war als ein Instrument.

US-Präsident Bush hat mir oft gesagt, dass seine entscheidende Unterstützung für die deutsche Einheit auf seine Freundschaft mit Kohl und sein Vertrauen in ihn beruhte und Kohl das gerechtfertigt habe.

Helmut Kohl kannte jeden Trick in der Politik, aber seine großen Ziele der deutschen und europäischen Einigung und der Partnerschaft mit den USA hat er niemals der Augenblicksstimmung untergeordnet.

»Man schadet seinem Land, wenn man seine Außen- und Europa-Politik von Wahlkampfüberlegungen abhängig macht«, mahnte er. Er war ein Staatsmann.

Für mich war es ein sehr emotionaler Augenblick, dass ich EU-Ratspräsident Herman van Rompuy begleiten durfte, als er Helmut Kohl in dessen Oggersheimer Wohnung eine offizielle Kopie der EU verliehenen Friedensnobelpreisurkunde übergab.

Kohl liebte Ostwestfalen-Lippe, seine Menschen und auch das Bier und die Küche. Seine Bodenständigkeit, seinen manchmal deftigen Humor, seine Belesenheit bereiteten viel Vergnügen bei vielen Treffen, bei denen meine Frau einige Male Gastgeberin war.

Als ich mit Kollegen im Bundestagsrestaurant ca. 1988 Kohl-Witze erzählend in fröhlicher Runde beisammen saß, stand er plötzlich hinter uns. Wir wurden still und bleich. Er aber lachte und sagte: »Kennt Ihr den Unterschied zwischen Honecker und mir? Er sammelt die Leute, die die Witze erzählen, ich sammele die Witze.«

Ja, das ist der Unterschied zwischen Freiheit und Unfreiheit. Und Kohl verhalf den Deutschen und Europäern im Osten entscheidend zur Freiheit.

* Elmar Brok (71) ist CDU-Politiker aus Bielefeld und seit 1980 Mitglied des Europäischen Parlaments. Bis Januar dieses Jahres war Brok Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses.

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