Do., 02.11.2017

Sayfullo S. übte für Anschlag Mutmaßlichem Attentäter von New York droht die Todesstrafe

Ein von der Gefängnisbehörde zur Verfügung gestelltes Bild zeigt den mutmaßlichen Fahrer des Pick-Up-Trucks.

Ein von der Gefängnisbehörde zur Verfügung gestelltes Bild zeigt den mutmaßlichen Fahrer des Pick-Up-Trucks. Foto: -

Von dpa

Kaum 24 Stunden nach der Attacke von New York ziehen die US-Behörden die Schlinge zu. Sayfullo S. könnte bei einer Verurteilung die Todesstrafe drohen. Dies fordert etwa US-Präsident Trump und weicht von der Idee ab, den Verdächtigen nach Guantánamo zu schicken.

New York (dpa) - Der mutmaßliche Attentäter von New York ist nach einem Strafantrag wegen Unterstützung einer Terrororganisation erstmals vor Gericht erschienen. Sayfullo S. werden Unterstützung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) sowie tödliche Gewalt und Zerstörung mit einem Fahrzeug vorgeworfen.

Das sagte Staatsanwalt Joon Kim. Im Fall einer Verurteilung kann dem 29-Jährigen die Todesstrafe oder lebenslange Haft drohen, sagte Kim. Die Todesstrafe forderte US-Präsident Donald Trump in einem Tweet in der Nacht zum Donnerstag.

Der wegen Verletzungen im Krankenhaus behandelte S. erschien im Rollstuhl in Hand- und Fußschellen vor einer Richterin, wie US-Medien berichteten. Bei der zehnminütigen Anhörung habe er über einen Dolmetscher auf Russisch einige Fragen beantwortet, berichtete die «New York Post».

S. habe gestanden, die Attacke mit acht Toten und elf Verletzten seit zwei Monaten geplant zu haben, sagte Kim. Gut eine Woche vor der tödlichen Fahrt vom Dienstag, bei der er Fahrradfahrer und Fußgänger auf einem Radweg im Süden Manhattans mit einem Kleinlaster rammte und überfuhr, habe er auch geübt .

«Er hat gestanden, dass er am 22. Oktober einen Truck mietete, um die Kurven zu üben, die er an der Attacke an Halloween nehmen würde», sagte Kim. Gerichtsunterlagen zufolge wählte S. Halloween, weil er an diesem Tag auf volle Straßen hoffte, und war anschließend auch stolz auf seine Attacke.

S. habe auch zugegeben, dass er sich von IS-Videos zu dem Anschlag habe inspirieren lassen, sagte Kim. In einer Tüte am Tatort hätten Ermittler Handys entdeckt, auf denen Tausende Fotos im Zusammenhang mit dem IS gespeichert waren. Zudem fanden Ermittler darauf rund 90 Videos, die IS-Kämpfer zeigen, wie sie Gefangene mit Panzern überfahren , sie köpfen und ihnen ins Gesicht schießen. Am Tatort seien auch auf Arabisch verfasste Notizen gefunden worden, die an den IS erinnerten. Gerichtsdokumenten zufolge habe S. sogar gebeten, in seinem Zimmer im Krankenhaus eine IS-Flagge aufzuhängen.

Laut Kim ist trotz des Strafantrags möglich, dass S. als «feindlicher Kämpfer» (enemy combatant) eingestuft wird. Damit könnte er von der US-Regierung als Kriegsgefangener festgehalten und vor ein Militärtribunal wie das auf Guantánamo in Kuba gestellt werden. Für diese Einstufung hatten sich etwa die Senatoren Lindsey Graham und John McCain stark gemacht. Die Entscheidung darüber liege «deutlich oberhalb meiner Gehaltsstufe» und müsse von anderen getroffen werden, sagte Kim.

Trump hatte erwogen, S. nach Guantánamo schicken zu lassen, wich am Donnerstag aber von dieser Idee ab . «Statistisch würde dieser Prozess viel länger brauchen als durch das Bundessystem», twitterte Trump. Laut «New York Times» ist noch nie jemand nach Guantánamo geschickt worden, der auf US-amerikanischem Boden festgenommen wurde. Mit Blick auf die Strafe für S. schrieb Trump: «Er hat acht Menschen getötet und 12 schwer verletzt. ER SOLLTE DIE TODESSTRAFE BEKOMMEN!»

Bei dem Attentat waren am Dienstag acht Menschen ums Leben gekommen und elf weitere verletzt worden. Vize-Polizeichef John Miller hatte gesagt, offenbar habe S. «Anleitungen des IS fast auf den Punkt genau befolgt». Trump hatte den IS bereits für die Tat verantwortlich gemacht und verschärfte Sicherheitsüberprüfungen angeordnet. S. stammt aus Usbekistan und lebt seit 2010 legal und mit Arbeitsgenehmigung in den Vereinigten Staaten.

New Yorks FBI-Direktor Bill Sweeney sagte, die Ermittlungen seien mit dem Strafantrag noch nicht am Ende. «Wir werden nicht aufhören, ehe jeder Hinweis abgedeckt ist.» Das FBI suchte am Mittwoch außerdem nach einem ebenfalls aus Usbekistan stammenden 33-Jährigen, der möglicherweise Hinweise zu dem Angriff hat.

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