Mi., 07.03.2018

Landesregierung beschließt Gesetzentwurf – Gymnasien können wählen So kehrt NRW zum G9 zurück

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer.

Von Bernd Bexte

Düsseldorf (WB). Alle öffentlichen Gymnasien in NRW kehren zum Schuljahr 2019/2020 zu G9 zurück. Dennoch gibt es eine Wahlmöglichkeit. Das hat die Landesregierung beschlossen. Jetzt fehlt nur noch die Zustimmung des Landtages. Die gilt als sicher.

Das Landeskabinett hat gestern den lange erwarteten Gesetzentwurf von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zur Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium beschlossen. Die Umstellung betrifft zunächst die zum Startzeitpunkt in den Klassen 5 und 6 unterrichteten Schülerinnen und Schüler. Mit der zweiten Fremdsprache soll erst wieder in Klasse 7 (jetzt 6) begonnen werden.

Gesetzentwurf sorge für Klarheit

»Es war mir ein großes Anliegen, diese so grundlegende Reform schnell auf den Weg zu bringen. So kann noch vor der Sommerpause ein Schlussstrich unter die jahrelange, oft emotionale Debatte gezogen werden«, sagte Gebauer. Der vorgelegte Gesetzentwurf sorge nun für Klarheit. Außerdem bietet er den Gymnasien zusammen mit Eltern und Schülern vor Ort umfassende Wahlmöglichkeiten.

Denn trotz der »Leitentscheidung« zur generellen Rückkehr zu G9 werde kein Gymnasium gezwungen, gegen den Willen vor Ort zu G9 zurückzukehren. Laut Gesetzentwurf kann die Schulkonferenz einmalig von der Option Gebrauch machen, mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit den Verbleib beim »Turbo-Abitur« zu beschließen. Der Schulträger werde dies »in aller Regel« umsetzen und der Schulaufsicht (Bezirksregierung) anzeigen. »Die Landesregierung hält mit diesem Gesetz Wort«, verspricht Gebauer.

Umwandlung bei Bedarf möglich

Sollte der Bedarf es erfordern, können Schulträger aber auch nach dem Schuljahr 2019/2020 G8-Gymnasien errichten oder G9-Gymnasien in G8-Gymnasien umwandeln – und umgekehrt. Alle organisatorischen Entscheidungen bedürften der Anhörung der Schule. »Die letzte Entscheidung liegt jedoch beim Schulträger.« Wie alle schulorganisatorischen Entscheidungen bedarf sie aber der Genehmigung durch die Schulaufsicht. Freien Schulträgern steht es laut Gesetzentwurf frei zu entscheiden, ob ihre Schule beim »Turbo-Abitur« bleibt oder zu G9 zurückkehrt.

Der finanzielle Ausgleich für die »wesentlichen Belastungen«, die sich für die Kommunen als Schulträger durch das neue Gesetz ergeben, werde in einem begleitenden »Belastungsausgleichsgesetz« geregelt. Hierzu würden derzeit die Kosten gutachterlich ermittelt. Von 500 Millionen bis zu einer Milliarde Euro ist die Rede.

Schäfer: »Einheitliche Rückkehr zu G9 wäre die bessere Lösung gewesen«

Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, ist von Gebauers Plänen nicht begeistert: Eine einheitliche Rückkehr zu G9 »wäre die bessere Lösung gewesen«. So sieht es auch die SPD-Opposition. »Die Schulkonferenzen entscheiden im Herbst. Viele Eltern wissen jetzt bei der Anmeldung noch nicht, ob sich das Gymnasium für G9 entscheiden wird«, kritisiert Jochen Ott, schulpolitischer Sprecher der SPD. Die Lehrergewerkschaft VBE begrüßt die Abschaffung des »Turbo-Abiturs«. »Leider fehlt die letzte Konsequenz.« Durch die Wahlentscheidung werde in einigen Fällen die Durchlässigkeit beim Schulwechsel erschwert, meint Landesvorsitzender Stefan Behlau.

Das »Turbo-Abitur« war in NRW zum Schuljahr 2005/06 von der damaligen schwarz-gelben Landesregierung eingeführt worden. Für G8 hatten sich damals aber alle Landtagsparteien ausgesprochen. In NRW gibt es 625 Gymnasien, davon 511 in öffentlicher Trägerschaft mit 433.022 Schülern. Hinzu kommen 114 in freier Trägerschaft mit 86.776 Schülern.

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