Do., 08.03.2018

Erzieherinnen vermissen Wertschätzung seitens der Politik Studie: mehr arme Kinder in Kitas

Viele Erzieherinnen fühlen sich abgewertet.

Viele Erzieherinnen fühlen sich abgewertet. Foto: dpa

Hövelhof/Düsseldorf (dpa/WB). In den Kindertagesstätten steigt laut einer repräsentativen Kitaleiter-Befragung der Anteil der Kinder aus armen Familien. In einer Studie für den Verband Bildung und Erziehung (VBE) bejahte dies mehr als die Hälfte der fast 2400 befragten Kita-Leiter aus ganz Deutschland. Allerdings könne nur die Hälfte der Einrichtungen den Anforderungen dieser Zielgruppe gerecht werden, sagte der Sozialwissenschaftler Prof. Ralf Haderlein gestern bei der Vorstellung der Studie in Düsseldorf.

»Die Kinderarmut nimmt zu«, sagt die 55-jährige Kita-Leiterin Barbara Nolte aus Hövelhof (Kreis Paderborn). Die ehrenamtliche VBE-Referatsleiterin für den Bereich Erzieher hört auch von vielen Kollegen: »Immer mehr Kitas sorgen für Frühstück, weil viele Kinder nie Frühstück mit haben oder etwas, das niemand essen möchte.« Außerdem veranstalteten immer mehr Kitas Flohmärkte, wo Familien gut und günstig Kleidung kaufen können. Auch »Mitnahmeschränke« etwa für aussortierte Bücher würden zusätzlich organisiert.

»Die Politik lässt ihren Versprechungen keine Taten folgen«

Bemerkenswert sei, dass trotz aller Politiker-Bekenntnisse nur vier Prozent der Kita-Leiter den Eindruck äußerten, ihre Arbeit erfahre seitens der Politik tatsächlich starke Wertschätzung, sagte Bildungsforscher Haderlein. Mehr als 80 Prozent beklagten ausdrücklich mangelnde Wertschätzung. »Das müsste Politikern die Schamesröte ins Gesicht treiben«, unterstrich der VBE-Bundesvorsitzende Udo Beckmann aus Paderborn. »Die Politik lässt ihren Versprechungen keine Taten folgen.« Er forderte mehr Unterstützung für »die Herkulesaufgabe frühkindliche Bildung«.

Die Erzieher – zu 95 Prozent Frauen – litten auch unter dem hartnäckigen Vorurteil, sie seien noch »die Spiel- und Bastel­tanten«, wie Haderlein berichtete. »Dass Bildung ein Mittelpunkt in jeder Kita geworden ist, spiegelt sich in der Gesellschaft nicht wider.« Vor allem unter den unter 30-jährigen Kita-Leiterinnen ist der Frust darüber groß: 84 Prozent von ihnen fühlen sich als schlichte Betreuerinnen abgewertet. Auch fehlendes Personal ist ein großes Problem. Bis 2025 drohe bundesweit eine Fachkräfte­lücke von 300.000 Beschäftigten – allein ein Viertel davon in NRW. Derzeit arbeiten laut Haderlein 700.000 Angestellte in bundesweit etwa 40.000 Kitas.

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