Do., 08.03.2018

»Katastrophales Signal für die Begabtenförderung« Kritik am Fahrplan zur G9-Rückkehr

Symbolbild.

Symbolbild. Foto: dpa

Vlotho (WB/bex).  Der Fahrplan von NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zur Rückkehr zu G9 ab dem Schuljahr 2019/2020 stößt auf Kritik – auch aus den eigenen Reihen. So bezeichnet Ingrid Pieper-von Heiden, bis 2012 bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion, die generelle Rückkehr zu G9 an den Gymnasien als ein »katastrophales Signal für die Begabtenförderung«.

Ingrid Pieper-von-Heiden. Foto: Pierel

Das Abitur nach neun Jahren werde in NRW an Gesamtschulen und Berufskollegs angeboten. »Bei verstärkter Nachfrage nach G9 durch die Eltern hätte dieses doppelte Schulangebot entsprechend ausgeweitet werden sollen, anstatt den Gymnasien erneut eine Umstrukturierung aufzustülpen«, sagt die Vorsitzende der in Vlotho beheimateten Stiftung Bildung zur Förderung Hochbegabter. Die künftigen G9-Gymnasien müssten befürchten, »dass sie irgendwann in Zukunft durch Schulträger zu Gesamtschulen umgewidmet werden«. Die wenigen Gymnasien, die bei G 8 blieben, hätten im Bedarfsfall künftig mit dem Veto des Schulträgers zu rechnen, so dass ebenfalls eine Umwidmung möglich werde.

Besonders Begabte bleiben auf der Strecke

Und: »Die schulische Förderung besonders begabter Schülerinnen und Schüler bleibt mit der Rückkehr zu G9 leider weiter auf der Strecke«, urteilt Pieper-von Heiden. Die Kosten für die Rückkehr zu G9 in Höhe von wohl 500 Millionen Euro könnten »eine hervorragende Ausstattung für individuelle Förderung besonderer Talente sein«. Der bislang nur auf dem Papier verbriefte Anspruch darauf könne mit diesem Geld umgesetzt werden: mehr Lehrer, kleinere Klassen, höherer Bildungsanspruch und qualifizierte Lehrerfortbildungen.

Die Landeselternschaft der Gymnasien NRW kritisiert die Wahlfreiheit der Schulen bei der Rückkehr zu G9 als überflüssig. »Jede Schule, die jetzt darüber diskutieren muss, und unter Umständen in Auseinandersetzungen gerät, ist eine Schule zu viel«, sagt Dieter Cohnen vom Vorstand der Landeselternschaft. Er teilt die Sorge Pieper-von Heidens: Dem Gesetzentwurf zufolge könne es bald dazu kommen, dass sich die Schulkonferenz für G8 entscheide und der Schulträger die Entscheidung wieder aufheben könne. Cohnen fordert Nachbesserungen am Gesetzesentwurf.

Der Landtag soll den am Dienstag vorgestellten Entwurf noch vor der Sommerpause verabschieden. Schulministerin Gebauer rechnet damit, dass sich etwa 90 Prozent der Gymnasien für eine Rückkehr zu G9 entscheiden.

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