Fr., 22.06.2018

Kriminologisches Forschungsinstitut untersucht Daten aus sieben NRW-Städten - mit Download Video-Überwachung schreckt nicht ab

In sieben nordrhein-westfälischen Städten, wie hier in Duisburg, überwacht die Polizei Straßen mit Kameras.

In sieben nordrhein-westfälischen Städten, wie hier in Duisburg, überwacht die Polizei Straßen mit Kameras. Foto: dpa

Von Christian Althoff

Düsseldorf (WB). Beugen Videokameras im öffentlichen Raum der Kriminalität vor? Das NRW-Innenministerium hat die Kameraüberwachung in sieben Städten vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) untersuchen lassen.

KFN

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Die mehr als 100 Seiten starke Studie kommt zu dem Ergebnis: Die Kameras wirken kaum oder gar nicht, in Dortmund nahm die Straßenkriminalität im videoüberwachten Bereich sogar zu.

»Die Videobeobachtung hat nur in einer Stadt zu einer nennenswerten Reduktion des Kriminalitätsaufkommens beigetragen. Der beobachtete Effekt fiel darüber hinaus sehr schwach aus. In zwei weiteren Städten ergaben sich allenfalls Tendenzen in diese Richtung, und in einer Stadt zeigte sich sogar ein Effekt in die gegenteilige Richtung«, lautet das Fazit der Untersuchung wörtlich.

Polizeiliche Videobeobachtung von Straßen und Plätzen gibt es in Düsseldorf (zehn Kameras), Mönchengladbach (7), Aachen (7), Essen (16), Dortmund (14), Duisburg (19) und Köln (25).

Uneinheitliches Bild

Die Forscher ermittelten, wie sich in diesen Städten Sexualtaten, Raubüberfälle, Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Drogendelikte und Diebstähle entwickelt haben – im videoüberwachten Bereich und im übrigen Stadtgebiet. Dabei ergab sich ein uneinheitliches Bild: Während in Aachen die Kriminalität im Videobereich um neun Prozent abnahm, sank sie im übrigen Stadtgebiet sogar um 13 Prozent.

In Dortmund nahm sie im Videobereich um vier Prozent ab, im nichtüberwachten Bereich um elf Prozent. In den anderen fünf Städten wurden gegenteilige Effekte festgestellt, der prägnanteste in Duisburg: Dort nahmen die Straftaten im Videobereich um 42 Prozent ab, im übrigen Stadtgebiet aber nur um sieben Prozent.

Mit Vorsicht zu genießen

Professor Dr. Thomas Bliesener, Direktor des KFN: »Sieht man sich nur die Prozentzahlen an, könnte man vermuten, in der Mehrzahl der Städte gebe es einen positiven Effekt.« Etliche dieser Prozentzahlen seien aber mit Vorsicht zu betrachten, weil die zugrundeliegenden Fallzahlen sehr gering seien. Deshalb habe man ein weiteres statistisches Verfahren (Odds ratio) angewandt. »Dabei kam her­aus, dass die Videoüberwachung nur in Duisburg zu einer nennenswerten Abnahme der Kriminalität beigetragen hat.« Der Effekt sei aber sehr schwach gewesen.

Mit seinem Forschungsergebnis steht das KFN nicht alleine da. »Würdigt man die bisherige Forschung zusammenfassend, lässt sich feststellen, dass die Videobeobachtung nicht uneingeschränkt bejaht werden kann«, heißt es in der Studie. Am ehesten könnten Diebstähle verhindert werden, weil sie in der Regel vom Täter geplant würden. Gewaltdelikte geschähen aber oft im Affekt, da machten die Täter keine Risiko-Nutzen-Abwägung.

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