Mo., 18.09.2017

Neuer Coach für Wolfsburg Keine Geduld mehr mit Jonker: Schmidt übernimmt beim VfL

Amtsantritt: Martin Schmidt bei seinem ersten Training als Trainer beim VfL Wolfsburg.

Amtsantritt: Martin Schmidt bei seinem ersten Training als Trainer beim VfL Wolfsburg. Foto: Hermann Hay

Von dpa

Trainer haben es beim VfL Wolfsburg weiter schwer. In Martin Schmidt verpflichtete der VW-Club am Montag den vierten Trainer binnen zwölf Monaten. Andries Jonker muss nach nur vier Spieltagen in der neuen Saison gehen. Der Druck steigt nun auch für Sportchef Olaf Rebbe.

Wolfsburg (dpa) - Der Nächste bitte. Das Kommen und Gehen der Trainer beim VfL Wolfsburg geht munter weiter.

Vor dem Krisenduell am Dienstag gegen Werder Bremen (20.30 Uhr) ersetzt der Volkswagen-Club Andries Jonker durch Martin Schmidt und sorgt damit nach nur vier Spieltagen für den ersten Trainerwechsel der Saison in der Fußball-Bundesliga. Der 50 Jahre alte Schweizer, der am Montagabend erstmals das Training in Wolfsburg leitete, ist damit der vierte Chefcoach des VfL binnen eines Jahres.

Angst, dass auch er scheitern könnte, hat Schmidt aber nicht. «Hier gibt es eine unglaubliche Grundlage, um als Trainer zu arbeiten. Das ist für mich ein nächster Schritt, in dem ich mich beweisen darf und will», sagte der frühere Mainzer Trainer nach seinem ersten Training am Montagabend. Viel Zeit hat Schmidt nicht: Nach dem Spiel gegen den Vorletzten Werder geht es bereits am Freitag zu Bayern München.

«Ausschlaggebend für uns, diesen Schritt zum jetzigen Zeitpunkt zu vollziehen, waren nicht allein die jüngsten Eindrücke des Stuttgart-Spiels, sondern auch die in den zurückliegenden Wochen wahrnehmbare Stagnation in der Entwicklung unserer erst im Sommer in weiten Teilen neu formierten Mannschaft», sagte Clubchef Wolfgang Hotze nach dem Fehlstart des Tabellen-14., der am Samstag 0:1 bei Aufsteiger Stuttgart verloren hatte.

Schon da hatte Sportchef Olaf Rebbe Jonker keine Rückendeckung mehr geben wollen. «Der Druck ist bei uns immer groß. Wir glauben an die Mannschaft, aber diese Niederlage erhöht den Druck auf den gesamten VfL», hatte Rebbe gesagt und am Sonntagabend einen TV-Auftritt wegen einer ersten Krisensitzung der Geschäftsführung abgesagt. Im Eiltempo vollzog der 39-Jährige dann mitten in der Englischen Woche den Wechsel. Schmidt erhält einen Vertrag bis 2019, nachdem er zuvor seinen noch bis 2018 gültigen Kontrakt in Mainz aufgelöst hatte.

«Er ist der richtige Mann für die Aufgaben, die jetzt vor uns liegen. Wir sind davon überzeugt, dass er mit seiner Erfahrung und seinen Stärken sehr gut zum VfL passt», sagte Rebbe, der nun auch immer mehr in den Fokus rückt. Die Erfolgsbilanz des einstigen Assistenten des früheren Sportchefs Klaus Allofs ist überschaubar. Kurz nach Rebbes Beförderung Ende 2016 zum Allofs-Nachfolger war der damalige Chefcoach Valérien Ismaël bei VW in Ungnade gefallen. Rebbe hielt an Ismaël fest, korrigierte die Entscheidung aber schon im Februar mit dessen Beurlaubung wieder.

Rebbe verpflichtete den als Chefcoach unerfahrenen Jonker, der den VfL aber auch nicht aus der Abstiegszone befreien konnte. Erst in der Relegation gelang gegen den Nachbarn Braunschweig die Rettung. Anders als der FSV Mainz, der sich trotz des Klassenverbleibs vom neuen VfL-Coach Schmidt trennte, hielt Wolfsburg an Jonker fest. Auch dies korrigierte Rebbe nun: Keine sieben Monate nach dessen Verpflichtung und nach nur 19 Pflichtspielen unter dem Niederländer.

Dabei sollte in dieser Saison - mal wieder - alles anders, besser und vor allem ruhiger werden beim VW-Club. Gut 50 Millionen Euro investierte Rebbe im Sommer in zehn neue Spieler. Als Saisonziel benannten die VW-Bosse einen einstelligen Tabellenplatz. Eine Entwicklung oder gar Verbesserung ist in der freilich noch jungen Saison indes nicht zu sehen. Geduld hatte der Club aber wie in der jüngeren Vergangenheit auch nicht. Schmidt ist nach der Trennung von Dieter Hecking im Oktober 2016 nun bereits der vierte Coach binnen einen Jahres, der sich beim VfL versuchen darf.

Eine kleine Spitze konnte sich Sportchef Frank Baumann von Wolfsburgs Gegner Werder Bremen daher nicht verkneifen. «Wir haben die Ruhe und das hat uns auch immer ausgezeichnet. Wir sind davon überzeugt, dass wir mit unserem Weg, den wir hier gehen, erfolgreich seien werden», sagte Baumann uns wollte von einem Trainerwechsel bei Werder, das nur einen Punkte aus vier Spielen holte, nichts wissen.

Hecking, der den VfL 2015 vor allem auch dank der individuellen Klasse von Kevin De Bruyne zum Pokalsieg geführt hatte, war der einzige Trainer seit Wolfgang Wolf (1998 bis 2003), der länger als zwei volle Spielzeiten in Wolfsburg arbeiten durfte oder wollte. Felix Magath hatte seine erste VfL-Amtszeit nach der Meisterschaft 2009 freiwillig nach zwei Jahren beendet und war zum FC Schalke 04 gewechselt. Wirklich erfolgreich war der ehrgeizige VW-Club unter den nachfolgenden neun Trainern nur kurzzeitig unter Hecking.

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