Fr., 22.09.2017

ZDF-«Politbarometer» Großer Vorsprung für die Union - aber weit von 2013 entfernt

Foto: Sven Hoppe

Von dpa

Unmittelbar vor der Bundestagswahl scheint die Siegerin bereits festzustehen. Trotz absehbarer Verluste für die Union ist mit einer weiteren Amtszeit von Kanzlerin Merkel fest zu rechnen. Mit Spannung wird das Ergebnis der AfD erwartet.

Berlin (dpa) - Mit großem Vorsprung in den Umfragen gehen Angela Merkel und die Union in die Bundestagswahl am Sonntag. Allerdings müssen CDU und CSU mit deutlichen Verlusten gegenüber dem Ergebnis von 2013 rechnen.

Letzte Umfragen sehen die Union zwischen 34 und 36 Prozent. Angesichts des dennoch sicher erscheinenden Wahlsiegs der Kanzlerin wird vor allem das Abschneiden der AfD mit Spannung erwartet. Die Partei könnte ein zweistelliges Ergebnis erzielen und als drittstärkste Kraft in das Parlament einziehen.

Völlig offen ist, mit welcher Koalition Merkel eine vierte Amtszeit als Kanzlerin antreten könnte. Neben einer Fortsetzung der großen Koalition mit der SPD könnte auch ein Jamaika-Bündnis aus Union, FDP und Grünen rechnerisch möglich sein. Ob es für eine Koalition nur aus CDU/CSU und FDP reicht, bleibt bis zuletzt ungewiss. Am Freitag boten die Parteien noch einmal ihr komplettes Spitzenpersonal zum Endspurt des Wahlkampfs auf.

Nach aktuellen, am Freitag veröffentlichten Umfragen steht die SPD mit ihrem Kanzlerkandidaten Martin Schulz bei 21 bis 22 Prozent. Die AfD käme auf 11 bis 13 Prozent, die Linke auf 9,5 bis 11, die FDP auf 9 bis 9,5 und die Grünen auf 7 bis 8 Prozent. Die Demoskopen betonen, die Zahlen gäben lediglich ein Stimmungsbild wieder und stellten keine Prognose für den Wahlausgang dar.

Bei der Bundestagswahl 2013 hatte die Union 41,5 Prozent bekommen, die SPD 25,7 Prozent, die Linke kam auf 8,6, die Grünen erreichten 8,4 Prozent. FDP (4,8) und AfD (4,7) scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde. Der großen Koalition von Union und SPD könnten damit Verluste von rund 10 Prozent gegenüber 2013 drohen.

Rund 61,5 Millionen Deutsche sind am Sonntag zur Wahl aufgerufen. Fast ein Drittel wollte Umfragen zufolge per Briefwahl abstimmen, so viele Wähler wie nie zuvor. 42 Parteien beteiligen sich an der Wahl. Die Wahllokale haben von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr geöffnet. Unmittelbar nach Schließung werden ARD und ZDF erste Prognosen zum Ergebnis veröffentlichen. Hochrechnungen folgen kurz darauf.

Bei einem Auftritt Merkels im hessischen Heppenheim versuchten knapp 100 Störer, die Kanzlerin am Reden zu hindern. Sie hielten auch Plakate der AfD hoch und riefen «Hau ab» und «Lüge, Lüge». Merkel ließ sich von ihnen nicht irritieren. An der Kundgebung nahmen laut Polizei insgesamt rund 3000 Menschen teil.

Bei einem seiner letzten Wahlkampf-Auftritte wies Schulz den Vorwurf Merkels zurück, es sei kein Geld für Wahlversprechen der Sozialdemokraten da. In der Sendung «Kanzlercheck» der ARD-Jugendradios sagte er: «Frau Merkel hat unrecht.» Sie kenne offensichtlich die Zahlen ihres Finanzministers Wolfgang Schäuble (CDU) nicht. In Nürnberg attackierte Schulz die AfD. «Diese Organisation der Hetzer ist doch keine Alternative für Deutschland, sie ist eine Schande für die Bundesrepublik», betonte er.

Die Grünen-Spitzenkandidaten Cem Özdemir und Katrin Göring-Eckardt begannen einen «Wahl-Marathon», der sie innerhalb von 42 Stunden noch einmal in alle 16 Bundesländer führen sollte. Bei einer Kundgebung in Berlin bekräftigte die Linke ihre Absicht, drittstärkste Partei zu werden. Es sei eine «üble Legende», dass es keine Wechselstimmung in Deutschland gebe, sagte Spitzenkandidatin Sahra Wagenknecht.

Kommentare

SPD sackt weiter ab

Vor allen Dingen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten haben offensichtlich keine Probleme damit, Sätze von besorgten Bürgern oder Vertretern unbeliebt gemachter Parteien aus dem Zusammenhang zu reissen und zu verdrehen. Dafür gibt es genügend Beispiele, die dem Fernsehrat ohne nennenswerten Erfolg auf Richtigstellung vorgelegt wurden. Was soll damit erreicht werden? Sollte die Furcht und Besorgnis von einem derartigen Rechsdruck tatsächlich so gross sein? Es ist doch vollkommen irrelevant, dass das Volk "braun" wird und sich nach einem neuen Führer sehnt! Es ist die Vereinheitlichung der Sendeformate und Inhalte, die mir mehr gegen den Strich gehen als die Frage, ob nun die AfD drittstärkste Kraft wird. Fakt ist, dass die AfD keine Beteiligung in einer Regierung erhalten wird, was sie im übrigen auch nicht will. Hier geht es um die Pfründe aus der"politischen Arbeit", die nun offensichtlich den anderen "Splitterparteien" verloren gehen könnten. Ich halte es für unerträglich, wenn Studienabrecher oder die ihr Lebtag beruflich, geschweige denn menschlich etwas für sich und die Gesellschaft erbracht haben, hier andere, meist Akademiker beleidigen wollen. Die Politsendungen haben einen bestimmten Plan, vor allen Dingen, wie mit Gästen umgegangen wird. Achten sie einmal auf die Moderatoren mit ihren speziellen rhetorischen Schulungen, wie sie mit Gästen umgehen, die eine systemkritische Haltung vertreten. Möglichst viele Unterbrechungen bis zu emotionalen Ausrastern, um dann den Gast als nicht kritikfähig hinzustellen. Egal welche Beweise der Talkgast liefert, er muss denunziert werden. Und wenn er/sie aus dem Internet zitiert, dann müssen die Quellen als unseriös bezeichnet werden. Notfalls wird er als Verschwörer hingestellt. Wer weniger fernsieht, blickt besser durch. Aus diesem Grunde ziehe ich eine seriöse Tageszeitung mit Kommentarfunktion und die sozialen Medien vor.

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