Do., 16.07.2015

Sicherheitsmängel häufen sich – schon fast eine Million Rückrufe im ersten Halbjahr Plötzlich geht der Airbag auf

Keine rühmenswerte Rangliste: Besonders bei dem Münchner Autobauer BMW gab es viele Rückrufe.

Keine rühmenswerte Rangliste: Besonders bei dem Münchner Autobauer BMW gab es viele Rückrufe. Foto: dpa

Von Hagen Strauß

Berlin (WB). Airbags, die sich plötzlich öffnen. Benzin, das in den Motorraum läuft oder Dachfenster, die auf den Fahrer fallen – die Mängelliste des Bundesverkehrsministeriums ist lang.

Nach Angaben des Ressorts von Minister Alexander Dobrindt (CSU) mussten in Deutschland in den ersten sechs Monaten des Jahres schon fast eine Million Fahrzeuge wegen erheblicher Sicherheitsmängel in die Werkstätten gerufen werden. Das ist rekordverdächtig.
Allein BMW beorderte im ersten Halbjahr 2015 wegen »Fehler im Gasgenerator des Beifahrerairbags« 395.654 Fahrzeuge außerplanmäßig zurück, wie aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht.

Der Hersteller Chevrolet zog 85.463 Mal die Notbremse wegen undichter Bremsschläuche, selbsttätigem Motorstart oder Motorhauben, die sich nicht richtig verriegeln ließen. Opel ließ 77.884 Autos überprüfen – Gründe waren Fehlfunktionen der Gurtstraffer, defekte Gasdruckfedern oder Risse in den Alufelgen. Mehr als 22.000 Autos von Mercedes Benz wiesen ebenfalls Mängel auf, von VW laut Liste allerdings nur 138 Fahrzeuge.

Insgesamt listet das Ressort an die 55 betroffene Auto- und zum Teil auch einige Motorradmarken auf. Die Zahl der zurückgerufenen Wagen addiert sich auf 938.477 im ersten Halbjahr, also fast eine Million. Im gesamten Jahr 2014 haben die Hersteller laut einer Studie etwa 1,9 Millionen Autos in die Werkstätten beordern müssen.

Unklar ist, inwieweit die Mängel womöglich auch zu Unfällen geführt haben. Die Grünen sind allerdings besorgt: »Die Zahl der Rückrufe ist in den letzten Jahren immens gestiegen«, sagt der Verbraucherexperte der Fraktion, Markus Tressel. Hersteller würden beim Verkaufspreis bereits 300 bis 500 Euro pro Auto an Rückrufkosten einkalkulieren, weiß der Grüne. »Das spricht leider nicht für das Vertrauen in die eigenen Produkte.« Außerdem würden neue Modelle »immer schneller und kostengünstiger auf den Markt kommen«.

Gestern wurde zudem bekannt, dass Toyota in Deutschland mehr als 19 000 Fahrzeuge der Modelle Prius+ und Auris Hybrid in die Werkstätten zurückruft. Ein Software-Fehler könne zur Überlastung der Hybridregelelektronik führen, teilte das Unternehmen mit. Beim Werkstattaufenthalt werde eine verbesserte Software aufgespielt.

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