Mi., 25.01.2017

Dehoga: Trotz höherer Umsätze kämpfen gerade Traditionsgaststätten um ihre Existenz Wirte in OWL schlagen Alarm

Eine von vielen Traditionsgaststätten, die 2016 in Ostwestfalen aufgegeben haben, ist das Restaurant Gröppel in Bielefeld. Trotz mehr Gästen und höherer Umsätze könnten viele Gastronomen die Kosten nicht mehr erwirtschaften, klagt die Dehoga.

Eine von vielen Traditionsgaststätten, die 2016 in Ostwestfalen aufgegeben haben, ist das Restaurant Gröppel in Bielefeld. Trotz mehr Gästen und höherer Umsätze könnten viele Gastronomen die Kosten nicht mehr erwirtschaften, klagt die Dehoga. Foto: Thomas F. Starke

Von Bernhard Hertlein

Minden (WB). Eigentlich könnten die 4550 gastronomischen Betriebe in Ostwestfalen zufrieden sein. Die Umsätze waren im vergangenen Jahr trotz leichten Rückgangs weiterhin auf sehr hohem Niveau. Dennoch gingen die durchschnittlichen Gewinne zurück – auf ein Niveau das »nicht mehr zukunftsfähig ist«.

Das sagt Thomas Keitel , Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga im Bezirk Ostwestfalen . Schon 2015, ein Umsatz-Rekordjahr, blieben die Erträge nur stabil. Leidtragende sind nach Aussage von Dehoga-Präsident Andreas Büscher (Hotel-Restaurant Büscher, Bielefeld) jetzt insbesondere immer mehr alteingesessene Restaurants.

Nach den vielen Bierkneipen, die durch das vor zehn Jahren in NRW eingeführte Rauchverbot in Existenznot gebracht worden seien, stünde jetzt manche Traditionsgaststätte vor dem Aus. Aufgrund gestiegener Kosten müssten sie an sich die Preise erhöhen.

Das sei aber angesichts des Kostenbewusstseins der Kunden im Blick auf die konkurrierende Systemgastronomie kaum möglich. Die Kettenbetriebe hätten ihre Kosten viel besser im Griff als manch gastronomischer Einzelkämpfer, der statt mit spitzem Bleistift vor allem mit dem Herzen bei seinem Geschäft sei.

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»Wer Service bietet und dafür Mitarbeiter beschäftigt, wird in diesem Land bestraft.«

Dehoga-Präsident Andreas Büscher

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Zu möglichen strukturellen Problemen kommt nach Ansicht von Dehoga-Vizepräsident Dr. Joachim Avenarius (Waldcafé Jäger, Bad Driburg) eine eklatante Benachteiligung der stationären Gastronomie bei der Mehrwertsteuer.

Während der Lebensmittelhandel für Speisen nur den ermäßigten Satz von sieben Prozent abführen müsse und selbst Tiernahrung nur in dieser Höhe besteuert werde, müssten Gastronomen bei ihren Rechnungen 19 Prozent aufschlagen.

»Wer Service bietet und dafür Mitarbeiter beschäftigt, wird in diesem Land bestraft«, kritisierte Büscher. Als die Umsatzsteuer in der Hotellerie 2010 auf sieben Prozent reduziert wurde, habe dies einen Investitionsschub ausgelöst. Der Aufwind halte bis heute an: Während der Umsatz in der Gastronomie in Ostwestfalen 2016 um 3,5 Prozent gestiegen sei, hätten die regionalen Hotels fast fünf Prozent zulegen können, sagte Keitel.

Jetzt wolle die Branche das Thema »gleiche Mehrwertsteuer für alle Speisen« in die Wahlkämpfe tragen. Unterstützt werden die Ostwestfalen in der Region von dem selbstständigen Bezirksverband Dehoga Lippe.

An der Pressekonferenz im Hotel »Viktoria« in Minden nahmen mit Präsident Alfred Lohoff (Brauereigaststätte Strate, Detmold) und Hauptgeschäftsführer Kai Buhrke erstmals auch Vertreter aus Lippe teil. Beide Seiten betonten aber, keine Fusionsverhandlungen zu führen.

4550 Betriebe in OWL

Die 4550 Gastronomiebetriebe in Ostwestfalen – vor acht Jahren waren es noch knapp 5000 – beschäftigen Keitel zufolge 15.000 Mitarbeiter. Darunter sei ein großer Anteil Migranten.

Er könnte größer sein, wenn das Arbeitsrecht flexibilisiert werde, erklärte Avenarius. Es sei im gemeinsamen Interesse der Eigentümer, Belegschaft und der Kunden, dass das Personal in unerwarteten Spitzenzeiten auch mal länger bleiben könne, sofern dafür ein zeitlicher Ausgleich geschaffen werde. Büscher beklagte zudem große bürokratische Hürden bei der Einstellung von Flüchtlingen.

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