So., 29.01.2017

Sorge um Freihandel: Mestemacher erwartet nur noch ein leichtes Plus Trump und andere Probleme

Die Gesellschafter eines erfolgreichen Gütersloher Familienunternehmens: Ulrike und Albert Detmers (rechts) sowie Alberts Bruder Fritz und Helma Detmers.

Die Gesellschafter eines erfolgreichen Gütersloher Familienunternehmens: Ulrike und Albert Detmers (rechts) sowie Alberts Bruder Fritz und Helma Detmers. Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Gütersloh (WB). Vermutlich liegt es an der deutschen Minderheit, dass Mestemachers Brotprodukte auch in den USA gefragt sind. Immerhin drei Millionen Euro setzt das Gütersloher Unternehmen dort um. »Noch«, betonte der geschäftsführende Gesellschafter Albert Detmers am Freitag.

Die neue Wirtschaftspolitik un­ter US-Präsident Donald Trump kommt jetzt auch im ostwestfälischen Mittelstand an. »Unser Pumpernickel ist in den Vereinigten Staaten schon mit 2,98 Dollar je 500-Gramm-Packung kein Billigprodukt«, erklärt Detmers. Werde jetzt noch ein Strafzoll aufgeschlagen, »sind wir dort wohl nicht mehr wettbewerbsfähig.«

Für Mestemacher ist der US-Markt wichtig, steht aber nicht an erster Stelle. »Doch was ist, wenn Abschottung Schule macht?«, fragt Detmers. Immerhin liegt die Exportquote des Unternehmens bei 24 Prozent.

Mestemacher stellt sich auf schwierigere Zeiten ein und plant für 2017 nur noch einen Zuwachs von 0,6 Prozent – etwa auf Höhe der zu erwartenden Preissteigerung. In den vergangenen fünf Jahren konnte das Unternehmen jeweils zwischen 3,3 und 8,4 Prozent zulegen.

Billigbrötchen bremsen Optimismus

Trumps Politik und die Veränderungen im Weltmarkt sind nur ein Argument für den gebremsten Optimismus. Der Vormarsch der Backfabriken, die längst nicht nur Billigbrötchen anbieten, beunruhigt nicht nur das Bäckerhandwerk. Hinzu kommt Druck durch das Internet.

Bei einem Expertengespräch mit Vertretern aus Handel und Wissenschaft stellte die Sprecherin von Mestemacher, Prof. Ulrike Detmers , fest, dass 28 Prozent der Deutschen im vergangenen Jahr mindestens ein Mal Lebensmittel online eingekauft hätten. Zwar sei der Anteil am gesamten Umsatz des Handels mit 0,8 Prozent noch klein. Doch zeigten Länder wie Großbritannien (Anteil: 4,4 Prozent) und USA (3.0), dass er rasch steigen könne.

Roggen ist Hauptrohstoff

Trotz dieser Probleme, zu denen nach Angaben des Mitgesellschafters Fritz Detmers eine schrumpfende Anbaufläche für Roggen hinzukommt, konnte Mestemacher 2016 einen um 3,3 Prozent höheren Rekordumsatz erzielen. Roggen ist mit 80 Prozent Hauptrohstoff. Um die Qualität und auch Versorgung zu sichern, bauen die Gütersloher am Standort Aerzen eine eigene Mühle.

Ulrike Detmers verwies aber auf den Gesundheitstrend, der Mestemacher in die Hände spiele. Und Albert Detmers sagte, dass man natürlich hoffe, auch 2017 mehr zulegen zu können als 0,6 Prozent.

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