Di., 02.05.2017

Wegen stockendem Netzausbau Stromnetz braucht viel mehr Reserven gegen Winter-Blackout

Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg: Deutschlands Stromnetz braucht zur Absicherung gegen Blackouts im nächsten Winter deutlich mehr Reservekraftwerke.

Kohlekraftwerk Moorburg in Hamburg: Deutschlands Stromnetz braucht zur Absicherung gegen Blackouts im nächsten Winter deutlich mehr Reservekraftwerke. Foto: Daniel Reinhardt

Von dpa

Im windreichen Winter kommen die Stromnetze unter Druck: Sie müssen von den Windparks im Norden massenhaft Strom nach Süden schaffen. Wenn das System hakt, springen Reservekraftwerke an. Der Bedarf schießt nach oben.

Bonn (dpa) - Deutschlands Stromnetz braucht zur Absicherung gegen Blackouts im nächsten Winter deutlich mehr Reservekraftwerke als im vergangenen. Der voraussichtliche Reservebedarf steige von den bereits eingeplanten und gesicherten knapp 9000 Megawatt auf 10400 Megawatt, sagte die Bundesnetzagentur.

Das entspricht mehr als einem Achtel des bundesweiten Spitzenverbrauchs. Im gerade zu Ende gegangenen Winter hatten die Netzbetreiber rund 5400 Megawatt Kraftwerksreserve bereitgestellt.

«Es wird nach wie vor Netzreserve benötigt, um das deutsche Stromnetz in kritischen Situationen stabil zu halten - vorübergehend auch in nennenswertem Umfang. Dies verdeutlicht einmal mehr die Bedeutung eines zügigen Netzausbaus», sagte Jochen Homann, Präsident der Bundesnetzagentur.

Im übernächsten Winter (2018/2019) werde der Reservebedarf voraussichtlich aber deutlich auf 3700 Megawatt sinken, betonte Homann. Außerdem sei das Hochschnellen des Bedarfs auch durch eine Änderung beim Berechnungsverfahren mit einem erhöhten Sicherheitsstandard zu erklären.

Im windreichen Winter ist der Druck auf die Stromnetze enorm: Dann erzeugen die Windparks im Norden überdurchschnittlich viel Strom, während die Photovoltaikanlagen im Süden an manchen Tagen kaum noch liefern - der Transportbedarf von Nord nach Süd wächst, und die Leitungen kommen oft nicht mit. Dann werden häufig Reservekraftwerke im Inland und in Österreich, der Schweiz und Italien eingesetzt. Die Kosten dafür - nach vorläufigen Zahlen 170 Millionen Euro im Jahr 2015 - trägt der Stromkunde.

Abhilfe schafft nach Überzeugung der Bundesnetzagentur nur ein deutlicher Ausbau der Stromnetze: «Eine echte Trendwende ist jedoch erst zu erwarten, wenn nach Abschaltung der letzten Kernkraftwerke der erforderliche Netzausbau realisiert worden ist», sagte Homann. Diese Abschaltung ist bis 2022 geplant.

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