So., 22.10.2017

Center-Manager Michael Latz über Bau, Erwartungen und Pläne für das neue Einkaufszentrum »Loom« in Bielefeld Latz: »Genau das Richtige für das dynamische Bielefeld«

In nur knapp zwei Jahren Bauzeit ist aus dem Modell für das neue Loom Wirklichkeit geworden. Auch der Kostenrahmen wurde eingehalten. Insgesamt 110 Shops finden hier ihr Zuhause.

In nur knapp zwei Jahren Bauzeit ist aus dem Modell für das neue Loom Wirklichkeit geworden. Auch der Kostenrahmen wurde eingehalten. Insgesamt 110 Shops finden hier ihr Zuhause. Foto: Oliver Schwabe

Bielefeld(WB). 20 Jahre hat die ECE, Marktführer im Management großer Einkaufszentren, nach einem Standort in Bielefeld gesucht. Nun kann das Loom am 26. Oktober an Stelle der 1977 eröffneten »City-Passage« an den Start gehen. Über das 135 Millionen Euro teure Objekt mitten in der Innenstadt sprach Bernhard Hertlein mit Center-Manager Michael Latz.

Man könnte meinen, alle Wege führen nach Bielefeld. Aber für die ECE war er nicht gerade der kürzeste. Wie zufrieden sind Sie, dass das Loom jetzt am 26. Oktober öffnen wird?

Michael Latz: Sehr zufrieden und sehr stolz. Die ECE ist europäische Marktführerin im Bereich des Shopping Center Managements. Wir waren schon vor 20 Jahren an einem Standort auch in Bielefeld interessiert. Wir mussten aber bis 2011 warten. Dann erst hat sich uns durch den Kauf der »City Passage« die Möglichkeit zur Realisierung eröffnet. Diese überdachte Einkaufspassage, den Bielefeldern bestens vertraut, war in die Jahre gekommen, bot damit eine große Chance. Das Loom ist zeitgemäß, modern – genau das Richtige für eine dynamische Stadt wie Bielefeld.

Wie verlief die Bauzeit?

Latz: Sie begann mit dem Abriss der City-Passage im November 2015. Bis zu 700 Bauarbeiter waren bis zur Eröffnung gleichzeitig im Einsatz. Dadurch sind wir bei der 135 Millionen Euro teuren Investition voll und ganz im zweijährigen Zeit- und übrigens auch in unserem Kostenplan geblieben. Das ist ja heute in Deutschland nicht mehr selbstverständlich – schon gar nicht bei einem so hochkomplexen Bauvorhaben wie dem Loom. Schließlich befindet sich unser Shopping Center mitten in der Innenstadt, umgeben von Wohnnachbarn, Geschäften und Büros, mit der Zimmerstraße als Nadelöhr für die Zufahrt und Logistik. Das zu organisieren war eine logistische Meisterleistung. Ich bin denen, die die Nachteile durch den Bau in Kauf genommen haben, sehr dankbar. Und ich hoffe, dass unsere Nachbarn nun auch davon profitieren, dass der Standort durch das Loom deutlich aufgewertet wird.

Ist es Politik der ECE, neue Einkaufszentren möglichst nicht auf der grünen Wiese, sondern in Innenstadtlagen zu bauen?

Latz: Ja. Wir betrachten es als unsere Aufgabe, die City und den stationären Handel attraktiv zu halten. Dazu gehört ein einladendes Einkaufsumfeld in der Innenstadt.

City-Lagen brauchen eine gute Anbindung an den ÖPNV und möglichst viel Parkraum. Wie ist die Situation in Bielefeld?

Latz: Phantastisch. Die Bahnhofstraße in Bielefeld gehört nach jüngsten Erhebungen bei Städten unter 500.000 Einwohnern zu den meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. Trotz der Einschränkungen durch den Neubau ist die Frequenz 2017 sogar gestiegen. Das Loom selbst befindet sich an einer Stelle, die den Kunden als Einkaufsstätte durch City-Passage und früher Horten bestens vertraut ist. Der Hauptbahnhof ist sehr nah. Das Gleiche gilt für den Jahnplatz, den Hauptumschlagplatz für den öffentlichen Personennahverkehr der Stadt.

 

Mit dem Start des Loom eröffnen wir zudem das wohl modernste Parkhaus Ostwestfalens. Nicht nur die spindelförmige Ein- und Ausfahrt, auch die einzelnen Parkplätze wurden verbreitert. Standartbreite ist 2,50 Meter, bei den Frauen-, Familien- und Behinderten-Parkplätzen noch größer. Wer möchte, kann sich für das System »Easy-to-Park« registrieren. Eine Technologie, die auf den Einsatz von FID-Chips zurückgreift. Dann erkennt die Schranke das ankommende Fahrzeug und öffnet sich selbstständig. Das funktioniert auch bei der Ausfahrt. Die Gebühr wird automatisch vom Konto abgebucht. Wie in den Flughafen-Parkhäusern werden den Ankommenden außerdem die freien Parkplätze über ein dynamisches Parkleitsystem angezeigt. Das Park-Findungssystem, »Car-Finder« verhindert, dass man nach dem Einkauf sein Auto suchen muss. Einfach einen Barcode scannen, und das Handy zeigt einem den schnellsten Weg von der Kasse zum Fahrzeug.

»An Spitzentagen erwarten wir 40.000 bis 50.000 Besucher«

Wie viele Kunden bzw. Besucher erwarten Sie?

Latz: Was den Eröffnungstag betrifft, trauen wir uns keine Prognose zu. Danach gehen wir von durchschnittlich täglich 25.000 Besuchern aus. An Spitzentagen, wie Adventssamstagen, wird die Zahl bestimmt auf 40.000 bis 50.000 steigen.

In welchem Umkreis sprechen Sie Verbraucher an?

Latz: Wir gehen davon aus, dass Kunden schon mal einen Anfahrweg von 45 Minuten auf sich nehmen, um modische Kleidung oder andere hochwertige Waren zu kaufen. In dem Raum, der im Norden bis Melle und Süden bis Paderborn, im Westen bis Versmold und im Osten mindestens bis Detmold reicht, kalkulieren wir mit 1,46 Millionen möglichen Kunden in unserem Einzugsgebiet.

Zur Person

Michael Latz ist 26 Jahre jung. Geboren in Bad Münstereifel studierte er Handelsmanagement an einer privaten Hochschule in Brühl bei Köln und an der California State University in San Bernardino in Kalifornien. Seit Oktober 2011 arbeitet Latz für die ECE. Dort hat er schon zwei Shopping-Center gemanaget: das Milaneo in Stuttgart und die Stadt-Galerie in Plauen. Centereröffnungs-Erfahrung sammelte er bereits bei Neueröffnungen von ECE-Centern in Kaiserslautern, Frankfurt, Ludwigsburg und im italienischen Verona sowie dem polnischen Bydgosczc. Seit November 2016 ist er Center Manager in Bielefeld. Inzwischen hat er auch eine Wohnung in der Stadt am Teutoburger Wald. Privat spielte Latz schon als Fußball-Torwart für den Bonner SC.

Ankermieter ist Primark. Das Modeunternehmen ist bekannt als Billiganbieter und wird deshalb auch kritisiert. Doch bei der jungen Kundschaft ist Primark beliebt. Zweitgrößter Anbieter ist Toys R Us. Heißt das, dass Sie vor allem junge Kunden ins Loom ziehen wollen?

Latz: Natürlich freuen wir uns über junge Kunden. Aber die 110 Geschäfte, die man im Loom besuchen kann, bieten für alle Altersstufen etwas. Wir haben im Vorfeld analysiert, welche Angebote in der Bielefelder Altstadt und in der Bahnhofstraße schon vorhanden sind. Das wollten wir nicht kopieren, sondern etwas Zusätzliches bieten. Und Primark ist ein zusätzliches Angebot und das bestehende Angebote ergänzen. Die es mögen, sind in der Vergangenheit zum Shoppen sogar nach Dortmund und Hannover gefahren.

Was die Mode betrifft, so spricht das Loom etwa mit Sinn-Leffers, Pull & Bear, mit »The Store« und den Marken Camp David und Socxx, G-Star, MAC, mit Adidas Original und Intersport-Vosswinkel auch eine ganz andere Kundschaft an als Primark. Hinzu kommt der Schuhpark. Mit dem großen Mieter Rewe tun wir auch etwas für die Nahversorgung mit Lebensmitteln und mit Rossmann für den Drogeriekunden. Toys R Us haben Sie erwähnt. Die Buchhandlung Thalia kehrt mit einer Filiale in die Neustadt zurück. Auch hochwertige Kosmetika wird es reichlich geben.

Aber was ist mit den Shops der früheren City-Passage?

Latz: Auch da kehren einige zurück – neben Deichmann etwa Bijou Brigitte und Nordsee, aber auch die Metzgerei Damisch, Juwelier Dural, Bäckerei Rolf, Lee & Lee, Alte Schule, Socks for you, Leos Jeans, Haarshop 21, CL Nails sowie die Konzert- und Theaterkasse Konticket. Diese Mieter der ersten Stunde sind das sogenannte Salz in der Suppe.

Wie kam es zu dem Namen Loom?

Latz: Wir haben uns mit der Geschichte der Stadt beschäftigt, deren Symbolfigur der Leineweber ist. Die Textilindustrie hatte maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Dort, wo jetzt das Loom eröffnet, wurden um 1860 Adler-Nähmaschinen produziert. Diese Tradition sollte sich auch im Namen wieder finden. Bekanntlich heißt Loom Webstuhl. Zudem gab es eine Befragung in der Stadt zu diesem Namen. Er wurde quasi von Bielefelderinnen und Bielefeldern mit bestimmt.

»Es ist eines unserer modernsten Shoppingcenter und wird Vorbild sein«

Welchen Rang belegt Bielefeld bei den ECE-Centern?

Latz: Einen sehr hohen – nicht nur, weil es unser jüngstes Kind ist und die einzige Neueröffnung in 2017 in Deutschland. Es ist auch eines unserer modernsten Shoppingcenter und wird Vorbild für die sein, die demnächst folgen.

Und gemessen an der Größe?

Latz: Da belegt Bielefeld einen Mittelplatz unter den 199 Shopping-Centern. Insgesamt gibt es in Deutschland 455 solcher Einkaufszentren mit mindestens 10.000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Viele Neubauten wird es in den nächsten Jahren nicht mehr geben. Wohl aber sind vorhandene,in die Jahre gekommen und renovierungsbedürftig. Vielen kann hier Bielefeld als Vorbild dienen.

Die nächst gelegenen ECE-Center sind »Werrepark« in Bad Oeynhausen und »Stadt Galerie« in Hameln. Welche Art von Zusammenarbeit ist geplant?

Latz: Keine. Alle ECE-Center agieren autark. Es gibt aber einen Centergutschein der ECE, der in allen Shopping-Centern der Region gekauft und eingelöst werden kann.

Welchen Stellenwert geben Sie dem gastronomischen Angebot im Loom?

Latz: Einen überdurchschnittlich hohen. Im Internet kann man einkaufen, aber man kann dort nicht essen. Fürs Shopping investieren Kunden heute einen großen Teil ihrer Freizeit. Sie lassen sich von Familienangehörigen und Freunden begleiten. Da gehört es dazu, dass man zwischendurch eine Kaffeepause einlegt oder lecker essen geht.

Im Mittelpunkt steht der »Food Court« mit 340 Sitzplätzen. Die Kunden haben hier schon die Wahl zwischen neun Anbietern – von Kentucky Fried Chicken über einen Pommes Store bis zum türkischen Gustosa und dem indischen Chutney. Hinzu kommen vier Restaurants. Das Marché Mövenpick kehrt mit dem Loom nach Bielefeld zurück. Hinzu kommen Nordsee, ZenZen und die Pizzeria Piccola. Sie sind auch außerhalb der Öffnungszeiten von außen zugänglich.

Wie sehr wird sich das Loom in die Bielefelder Kaufmannschaft einbringen? Oder setzen Sie vor allem auf eigene Aktionen?

Latz: Wir sind bereits Mitglied in den Werbegemeinschaften Bahnhofstraße in der City und werden uns dort nicht nur finanziell, sondern auch mit unserem Know-how und Netzwerk einbringen. Dass uns das ernst ist, sehen Sie daran, dass ich als Vertreter des Loom sogar in den Vorstand der Werbegemeinschaft gewählt wurde. Auch zu »Bielefeld Marketing« unterhalten wir bereits enge Beziehungen. Wir haben beim »Campus Festival« und beim »Run & Roll-Day« mitgemacht. Wir planen natürlich auch eigene Aktionen in unserem Haus, die nicht nur den Erlebniswert des Shopping-Centers, sondern auch der anderem Händler in der Innenstadt erhöhen werden.

»Wir können die Sorgen der Menschen nachvollziehen«

Als Nachbar von Sinn Leffers bekommen Sie mit, dass einige Meter Bauzaun und ein gefällter Baum in Bielefeld plötzlich ein großes Thema werden können…

Latz: Wir können die Sorgen der Menschen nachvollziehen. Jede Baumaßnahme, natürlich auch der Bau des Loom, erfordern von denen, die angrenzen, viel Toleranz. Den erhoffen wir auch für das Gebäude, in dem sich bis vor kurzem Sinn Leffers eingemietet hatte. Nach dem Umbau wird es in einem ganz anderen Licht erstrahlen und seinerseits die Bahnhofstraße noch weiter aufwerten.

Sinn Leffers zieht nun für eine Übergangszeit auch ins Loom. Haben Sie für die Zeit danach schon einen Nachmieter?

Latz: Wir freuen uns über diesen Mieter, der zusammen 1000 Quadratmeter auf zwei unterschiedlichen Flächen belegt. Wer diese Flächen nach dem Umbau beanspruchen wird, steht noch nicht fest. Aber an Interessenten wird es keinen Mangel geben.

Wie viele Arbeitsplätze wird das Loom insgesamt in Bielefeld schaffen?

Latz: Etwa 750. Hinzu kommt unsere Funktion als Auftraggeber für die heimische Wirtschaft. Um das Loom attraktiv zu halten, werden wir jährlich 2,5 Millionen Euro in Marketing, Instandhaltung und Umbauten investieren.

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