Di., 07.11.2017

Der Name des Espelkamper Unternehmens taucht in den »Paradise Papers« auf Gauselmanns Online-Casinos: »Nichts illegal«

Die lachende Sonne ist Teil des Logos der Gauselmann-Gruppe.

Die lachende Sonne ist Teil des Logos der Gauselmann-Gruppe. Foto: Oliver Schwabe

Von Christian Althoff

Espelkamp (WB). In den Unterlagen der Anwaltskanzlei Appleby, die Journalisten zugespielt wurden und nun als »Paradise Papers« bezeichnet werden, taucht der Name Gauselmann auf. Welche Rolle spielt das Espelkamper Unternehmen? Und wo steht Deutschland beim Online-Glücksspiel

Die Anwaltskanzlei Appleby

Appleby ist eine internationale Anwaltskanzlei, deren Ursprung auf Bermuda liegt. Die Kanzlei mit ihren nach eigenen Angaben 470 Mitarbeitern berät Unternehmen und Investoren auch in glücksspielrechtlichen Fragen und unterhält Büros in Steuerparadiesen – laut eigener Internetseite unter anderem auf den Kaimaninseln, auf Guernsey, der Isle of Man in der irischen See, auf Jersey und Mauritius. Die »Paradise Papers« geben nun Auskunft über ungezählte Transaktionen, bei denen Appleby half.

Es begann mit einem Verbot

2008 trat in Deutschland ein vorläufiger Staatsvertrag zwischen allen Bundesländern zum Glücksspiel in Kraft. Online-Casinos wurden in der Bundesrepublik verboten, auch Lotto über das Internet war nicht mehr erlaubt. Bis dahin betrieben die staatliche Spielbanken Wiesbaden und Hamburg auch Online-Casinos, die von der 1998 gegründeten deutschen Edict Egaming GmbH entwickelt und betreut wurden.

»Online-Casinos waren für uns etwas Neues, und wir wussten, dass sie international nicht aufzuhalten sein würden«, sagt Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister. Man habe die Edict Egaming GmbH 2008 übernommen, um sich das Know how für diesen Markt zu sichern. Gauselmann gründete die Edict Egaming Isle of Man und bekam 2011 mit Hilfe der Kanzlei Appleby auf der Insel eine Online-Glücksspiellizenz. »Damit können wir dort legal Online-Glücksspiele entwickeln und an Anbieter verkaufen, die in ihren Ländern Glücksspiellizenzen besitzen.«

Firma Bruncaster als Treuhänder

Die Journalisten, denen Appleby-Papiere zugespielt wurden, berichten nun, Gauselmann habe die Edict Egaming Isle of Man 2013 an eine Firma namens Bruncaster Limited verkauft, die als Scheineigentümer etlicher Briefkastenfirmen aufgefallen sei. Bruncaster halte die Anteile als Treuhänder für Gauselmann. Damit habe Gauselmann seine Firma auf der Insel nur scheinbar verkauft und besitze sie über den Treuhänder weiter.

»Das stimmt«, sagt Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister. »Wir wollten nicht überall mit dem Namen Gauselmann agieren, damit die Konkurrenz nicht erfährt, was wir vorhaben.« Steuerliche Gründe habe es nicht gegeben. Die Konstruktion mit dem Treuhänder sei sowohl der britischen Glückspielaufsicht bekannt als auch den deutschen Finanzbehörden, sagt der Firmensprecher. »Da war nichts illegal.«

Welche Gründe gibt es für die Namensverschleierung?

Ob Gauselmanns Begründung, man habe Nebelkerzen für die Konkurrenz werfen wollen, zutrifft, oder es einen andere Grund für die Namensverschleierung gibt – das lässt sich von außen kaum beurteilen. Die Edict Egaming GmbH unternimmt jedenfalls auf ihrer Internetseite nichts, um ihre Verbindung zu Gauselmann zu verheimlichen. Dort ist die Historie der GmbH von 1998 bis 2017 aufgelistet, und die GmbH wird dort als seit 2008 zu Gauselmann gehörend dargestellt.

System wird umgangen

Das Espelkamper Unternehmen vertreibt von der Insel aus nicht nur die Software für Online-Casinos und Lizenzen für Spiele, das Unternehmen betreibt auch selbst Internet-Casinos, wo es erlaubt ist – bisher in Italien, Spanien, England, Dänemark und Schleswig-Holstein. Das nördlichste Bundesland hatte zwischen 2012 und 2013 als einziges Bundesland Lizenzen für Online-Casinos erteilt. Spielen dürfen nur Menschen, die mindestens 18 Jahre alt sind und ihren ersten Wohnsitz in Schleswig-Holstein haben. Das soll dadurch sichergestellt werden, dass Spieler sich online registrieren und dabei zum Beispiel ein Foto ihres Personalausweises hochladen.

Die »Paradise Papers« in Zahlen. Foto: dpa

Das System wird allerdings umgangen, was ausgerechnet die Glücksspielbranche selbst öffentlich gemacht hat – durch eine Klage. Ein Spieleanbieter aus dem Ausland, der in Schleswig-Holstein Online-Glücksspiele anbietet, wollte nämlich keine Steuern auf die Einnahmen zahlen, die er von Spielern aus anderen Bundesländern bekommt. Er klagte vor dem Finanzgericht Schleswig-Holstein und verlor (Az.: 5 V 242/14).

Verbot von Online-Lizenzen »weltfremd«

Gauselmann-Sprecher Mario Hoffmeister hält das Verbot von Online-Lizenzen in den übrigen 15 Bundesländern für weltfremd: »Von Deutschland aus kann man auf weltweit tausende Online-Casinos zugreifen – ob sie sich an Regeln halten oder nicht.« Er halte es für sinnvoll, Online-Casinos in Deutschland zuzulassen und streng zu reglementieren. »In Schleswig-Holstein gibt es zum Beispiel keinen legalen Online-Spieler, der nicht namentlich bekannt ist. Sein Spielverhalten wird online überwacht, und bei Auffälligkeiten bekommt der Spieler Hinweise per E-Mail.«

Illegales Angebot?

Möglicherweise verdient Gauselmann aber auch daran, dass ausländische Anbieter Online-Glücksspiele, für die sie eine Lizenz aus dem Hause Gauselmann benötigen, in Deutschland anbieten. Das Unternehmen Top Gaming Limited etwa, das seinen Sitz auf der Isle of Man hat, stellt auf seiner deutschsprachigen Internetseite »stake7.com« etliche Merkur-Glücksspiele von Gauselmann zur Verfügung.

Dort heißt es: »Millionenfach in den bekannten Merkur-Spielotheken getestet, sind alle stake7 Merkur Casino-Spiele ›Made in Germany‹. Ob klassische Online-Casino-Games oder die beliebten Casino-Spiele Black Jack, Roulette und Baccarat. Mit stake7 genießt Du jedes Spiel kostenlos und ohne Anmeldung!« Mit Nutzung der Online-Spiele sichern die Spieler laut Nutzungsbedingungen zu, dass sie nicht in Deutschland wohnen.

Gauselmann-Sprecher Hoffmeister sagte, man habe mit Top Gaming Europe Limited »nichts zu tun«. Und: »Wir werden die Inhaber unserer Lizenzen noch mal darauf hinweisen, Online-Spiele nur dort anzubieten, wo eine staatliche Konzession vorliegt.«

Online-Glücksspiele: Gefahr durch Suchtpotential

Ilona Füchtenschnieder, Vorsitzende des Vereins »Fachverband Glücksspielsucht« in Bielefeld, sagt, Online-Glücksspiele hätten das größte Suchtpotential: »Sie können Tag und Nacht zu Hause spielen – ohne jede Sozialkontrolle.« Manche Spieler bekämen sogar über Finanzdienstleister Kredit. »Wir haben einen Studenten beraten, der nur 300 Euro besaß, aber 8000 Euro verspielt hat.«

 

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