Di., 14.11.2017

Software-Firmen stehen auf der Agritechnica im Mittelpunkt Des Bauern Daten sind begehrt

Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer von 365 Farmnet, ­präsentiert in Hannover erstmals die neue Active-Datenbox

Maximilian von Löbbecke, Geschäftsführer von 365 Farmnet, ­präsentiert in Hannover erstmals die neue Active-Datenbox Foto: Oliver Schwabe

Von Bernhard Hertlein

Hannover (WB). »Was ist das denn?« Die erstaunte Frage von Besuchern der Halle 15 auf der Agritechnica in Hannover hat ihren Grund. Denn vor dem Stand von 365 Farmnet steht keine der auf Hochglanz polierten supermodernen Landmaschinen. Stattdessen lockt ein Schlüter-Schlepper auf den Stand, der seit gut 30 Jahren und noch immer seinen Dienst bei einem Bauern leistet.

»Unser Ziel ist es, Landwirten die Teilnahme am digitalen Fortschritt zu ermöglichen, ohne dass sie dafür den kompletten Maschinenpark ersetzen müssen«, sagte Maximilian von Löbbecke (47), Geschäftsführer von 365 Farmnet, am Montag zum Start der internationalen Agrarfachmesse.

365 Farmnet stellt die kleine »365 Active«-Box vor

Dafür stellt die in Gütersloh gegründete und seit 2015 in Berlin ansässige Software-Schmiede in Hannover die kleine »365 Active«-Box vor, die auf jeden Traktor und andere Maschinen aufgepflanzt werden kann. Damit können zumindest Daten über den Transport von Gülle oder die bei einer Biogasanlage abgelieferte Menge von Mais oder einem anderen Energielieferanten automatisch erfasst werden. Mit einem Preis von wenig über 100 Euro zielt die Box auf einen großen Absatz. Löbbecke geht davon aus, schon im ersten Jahr 2500 bis 3000 davon absetzen zu können. Derzeit verbringe der Bauer noch zu viel Zeit damit, Daten zu erfassen und in den PC einzugeben.

Datenerfassung und -management als große Themen

Datenerfassung und -management sind die großen Themen auf der Agritechnica. Daten sind notwendig für die betriebliche Dokumentation einschließlich der Abrechnungen von Lohnunternehmen. Weiter ermöglichen sie Einsparungen bei Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln. Und sie erleichtern dem Landwirt unternehmerische Entscheidungen. Nicht zuletzt richten andere Zweige der Wirtschaft vom Nahrungsmittelproduzenten bis zum Versicherer ein interessiertes ­Auge auf die vom Landwirt erhobenen Daten. Sie wollen von den Informationen etwa über Qualität und Menge der bevorstehenden Ernte profitieren. Hier bietet sich die Osnabrücker DKE Data mit der Plattform Agrirouter als »Datenspediteur« an. Gemeinsam entwickelt mit SAP wird sie in Hannover vorgestellt. DKE hat zehn Partner, darunter Krone und Amazone, 365 Farmnet außer Claas noch 35 weitere, darunter Agravis und ebenfalls Amazone.

Köckerling, Verler Hersteller von Maschinen für die Ausbringung von Saatgut und zur Bodenbearbeitung, kooperiert mit dem österreichischen Softwarehaus Geo­prospectors. Deren Bodenscanner gibt den Sämaschinen und Grubbern von Köckerling vor, wo sie tiefer ins Erdreich eindringen und wo sie mehr an der Oberfläche bleiben sollen. Das ist nach Angaben von Marketingleiter Stefan Kröger nicht nur wichtig, um Saatgut und Düngemittel richtig zu dosieren. Auch Archäologen schätzten den Service. In Sachsen schütze er noch nicht geborgene antike Fundstücke. In Mecklenburg blieben die Grubber an Stellen, wo Findlinge im Erdreich ­stecken, an der Oberfläche.

2018 startet Köckerling Produktion in Delbrück

Anfang 2018 schlägt das Familienunternehmen ein neues Kapitel in der Firmengeschichte auf. Dann startet Köckerling die Produktion in Lippling, einem Stadtteil von Delbrück. 100 der 220 Beschäftigten werden dort arbeiten. In Verl bleibt die Schweißerei. Mit Interesse verfolgt auch Köckerling die Debatte um Glyphosat. Sollte der Einsatz des Unkrautver­nichtungsmittels eingeschränkt werden, könnten Hersteller von Maschinen zur mechanischen Unkrautvernichtung wie Köckerling profitieren.

Claas präsentiert BMW X3

Was bei Farmnet der alte Traktor, ist bei Claas das neue Modell des BMW X3 . Die Bayern nutzen als Erste das neue Telematic-Angebot aus Harsewinkel. Wie berichtet, zeigt es auf dem Navi des Autofahrers an, ob er sich etwa einem Mähdrescher nähert. Claas will mit möglichst vielen Automarken kooperieren. Zudem werden Gespräche mit anderen Landmaschinen-Herstellern geführt, damit die Daten herstellerunabhängig erhoben und genutzt werden können, wie Pressesprecher Wolfram Eberhardt gestern sagte. Basis für den Mähdrescher-Warnanzeiger sind Ortungsdaten, die ohnehin erhoben werden.

Dass Autokonzerne und ihre Zulieferer heute ein Auge auf die Landmaschinenbranche haben, zeigt sich ebenso am Messestand von ZF. Der Konzern, der unter anderem in Stemwede im Kreis Minden-Lübbecke produziert, präsentiert ein ähnliches Produkt wie die 365 Farmnet-Box. ZF Openmatics arbeitet mit Tags. Die batteriegetriebenen Sensoren sind auf einer Fläche aufgebracht, die nicht größer ist als eine Visitenkarte.

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