Mo., 25.12.2017

Paderborner Wissenschaftler schätzt »Künstliche Intelligenz« ein »KI« wird Teil unseres Alltags

Symbolbild.

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Paderborn (WB). Künstliche Intelligenz (KI), lernende Maschinen: Die nächste Phase der Informationstechnischen Revolution ist dabei, unseren Alltag umzukrempeln. Ist die KI Fluch oder Segen? Oder noch Science Fiction? Das WESTFALEN-BLATT nähert sich dem Phänomen in einer Artikelserie. Den Anfang macht ein Gespräch mit einem Forscher der Universität Paderborn. Die Fragen an Prof. Dr. Reinhold Häb-Umbach stellte Thomas Lunk.

Wie nähern Sie sich in Ihrem Fachgebiet dem Thema »Künstliche Intelligenz« (KI)?

Häb-Umbach: Unser Forschungsschwerpunkt ist die Sprachverarbeitung. Siri, Cortana und Co. verwenden automatische Spracherkennung, um die gesprochenen Eingaben der Nutzer zu verstehen. Wir arbeiten an einer möglichst robusten Erkennung, damit die Eingabe auch verstanden wird, wenn es in der Umgebung laut ist oder der Sprecher weit von dem Gerät entfernt ist. Wir arbeiten in diesem Thema mit einigen großen Firmen zusammen: wir haben einen »Google Faculty Research Award« erhalten, und Mitarbeiter von mir haben im Sommer bei Google, Microsoft und NTT (einem japanischen Telefonkonzern) gearbeitet. Auch ich war einige Wochen bei Microsoft Research.

 

Nur sechs Prozent der Deutschen gaben bei einer Befragung der Unternehmensberatung PcW an, mit dem Begriff KI nichts anfangen zu können. Aber wissen sie auch, was sich hinter diesem Begriff verbirgt? Wie definieren sie KI und grenzen sie von anderen Computerprogrammen ab?

Häb-Umbach: Ich verstehe darunter Systeme, die aus großen Datenmengen lernen. z.B. lernen solche Systeme aus Bildern von Katzen, eine solche in einem neuen, bisher unbekannten Bild zu erkennen, ohne dass eine Mensch explizit dem Programm beibringen muss, woran man eine Katze erkennt.

 

Neuronale Netzwerke, selbstlernende Programme… Wie funktioniert KI? Wie bringen Sie Computern »das Denken« bei?

Häb-Umbach: Denken ist ein viel zu hoch gestochener Begriff. Die Systeme lernen aus sogenannte annotierten Trainingsdaten. Um beim obigen Beispiel zu bleiben: Die Software wird mit mit Bildern gefüttert, von denen ein Mensch gesagt hat, dass sie entweder eine Katze darstellen oder eben nicht. Anhand dieser Beispiele lernt das Programm dann, neue Bilder korrekt zu klassifizieren

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Braucht es dafür spezielle Hardware oder neue Programmiersprache? Spielen Prolog und Lisp noch eine Rolle, oder welche Sprache sprechen KI-Forscher?

Häb-Umbach: Prolog und Lisp spielen überhaupt keine Rolle mehr. Die bei weiterm beliebteste Sprache in diesem Bereich ist Python. Spezielle Hardware ist notwendig, wenn die Programme schnell laufen sollen. Es werden sog. »graphical processing units (GPUs)« eingesetzt, wie sie auch für performante Videospiele benötigt werden.

 

Ist der Einsatz von KI nur ein weiterer Schritt in der Weiterentwicklung der elektronischen Datenverarbeitung (EDV), oder doch eher in einer Reihe mit der Industrialisierung und der IT-Revolution zu sehen?

Häb-Umbach: Ich denke schon, dass es eine signifikante Weiterentwicklung der Automatisierung ist und der Computer nun Aufgaben übernehmen kann, wo er bisher dem Menschen weit unterlegen war. Beispiel: die Auswertung von Patientendaten, zum Beispiel Röntgenbildern, für Diagnosezwecke.

 

Wird KI Teil unseres Alltags? Werden digitale Assistenten bald intelligent sein?

Häb-Umbach: Ja, KI wird Teil unseres Alltags werden, bzw. ist es schon. Denken Sie nur an den Erfolg von Amazon Echo. Als intelligent würde ich sie immer noch nicht beschreiben.

 

Fast neun von zehn Deutschen glauben, dass KI uns helfen könnte, anstehende Herausforderungen zu meistern. Kann uns KI helfen, den Klimawandel zu stoppen, Krebs zu heilen und den Hunger auf der Welt zu beenden?

Häb-Umbach: Ja und nein. Hier fehlen meiner Meinung nach die politischen Anreize. Die großen Firmen machen das, womit man am meisten Geld verdienen kann. Wenn der Ausstoß von CO2 stärker mit Kosten verbunden wäre, würde man viel mehr an Energieeffizienz forschen. KI kann sicherlich hierzu einen großen positiven Beitrag leisten.

 

​In den Spielfilmen der Terminator-Reihe hat Skynet, eine KI, nur Minuten nach dem Einschalten versucht, die Menschheit auszulöschen. Sehen Sie die Gefahr, dass KIs uns über den Kopf wachsen, außer Kontrolle geraten?

Häb-Umbach: Nein. Ich sehe eher die Gefahr, dass Geräte sich für intelligent ausgeben und dabei eher strohdumm sind und die Erwartungen nicht erfüllen.

 

Wie steht es um Kreativität? Werden KIs eines Tages Kunst und Kultur, Architektur und Musik aufmischen?

Häb-Umbach: Das tun sie ja zum Teil jetzt schon. Allerdings kann KI bisher immer nur Bekanntes variieren. Radikal neues und Kreatives ist dem Menschen vorbehalten

Werden wir uns eines Tages mit der Frage beschäftigen müssen, ob eine Künstliche Intelligenz eine eigene Person mit allen Rechten und Pflichten ist?

Häb-Umbach: In gewisser Weise müssen wir uns jetzt schon damit beschäftigen: Wer ist beispielsweise Schuld, wenn ein autonomes Fahrzeug einen Unfall baut?

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