Sa., 23.12.2017

Ausstellungen in der Universität und im Kunstverein: Reinhart Koselleck und das Bild Bildliche Dimension der Geschichte

Reinhart Koselleck: Inschrift an einem Haus in der Via Del Progresso, 23. Juni 1977.

Reinhart Koselleck: Inschrift an einem Haus in der Via Del Progresso, 23. Juni 1977. Foto: Reinhart Koselleck

Bielefeld (WB). Reinhart Koselleck, der von 1973 bis 1988 an der Universität Bielefeld lehrte, zählt zu den wichtigsten deutschen Historikern des 20. Jahrhunderts. Bekannt geworden ist er vor allem für seine Begriffsgeschichte und Beiträge zu einer Theorie historischer Zeiten.

Kaum bekannt dagegen ist die Bedeutung der Bilder und Bildlichkeit in Kosellecks Nachdenken über die Geschichte – lange bevor in den Geistes- und Kulturwissenschaften von einem »iconic turn« – der ikonischen Wende – gesprochen wurde. Die Universität Bielefeld, das Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF) und der Bielefelder Kunstverein zeigen von April bis Juli 2018 Kosellecks theoretische wie praktische Auseinandersetzung mit dem Bild.

Ausstellung zur bildlichen Dimension der Geschichte und ihrer Erforschung

Die gemeinsame Ausstellung schöpft aus einem immensen Bilderfundus, der aus der langjährigen Fotografie- und Sammlungstätigkeit Kosellecks entstanden ist. Heute ist er

Reinhart Koselleck (links) und Hans-Ulrich Wehler bei der Gründungsfeier der Fakultät für Geschichtswissenschaft und Philosophie im Mai 1980. Foto: Universität Bielefeld

im Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg aufbewahrt. Die Ausstellung präsentiert eine Vielzahl an Objektgattungen wie eigene Fotografien, Karikaturen und Zeichnungen, die im Dialog mit Kosellecks historischer Forschung und Theoriearbeit standen. Ebenso werden »Fremdmaterialien« aus dem Archiv, wie Briefe und Manuskripte, Bücher aus seiner Bibliothek oder Sammlungen von Pferde- und Denkmalfiguren zu sehen sein. So macht die Ausstellung visuell erfahrbar, was Reinhart Koselleck über viele Jahrzehnte hinweg beschäftigte: die bildliche Dimension der Geschichte und ihrer Erforschung.

Die einzelnen Exponate werden entlang von drei prägenden Leitgedanken in Kosellecks Forschung – »Zeitschichten« »Politische Sinnlichkeit« und »Erinnerungsschleusen« – in drei »Erfahrungsräumen« vorgestellt: in der Abteilung Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld, dem Ort der Lehre und Forschung Kosellecks, am Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), dessen Direktorium Koselleck von 1974 bis 1979 angehörte, sowie im Bielefelder Kunstverein, den Koselleck als langjähriges Mitglied häufig besuchte.

Studierende der Fachhochschule Bielefeld an Ausstellung beteiligt

Die Ausstellung ist eine Kooperation der Abteilung Geschichtswissenschaft der Universität Bielefeld mit dem Deutschen Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg, dem Bielefelder Kunstverein, dem Zentrum für interdisziplinäre Forschung (ZiF), der Bielefeld Graduate School in History and Sociology (BGHS) und dem Fachbereich Gestaltung der Fachhochschule Bielefeld.

Studierende der Fachhochschule Bielefeld sind an der Erarbeitung der Ausstellungsgestaltung und mit künstlerisch-fotografischen Reflexionen der Sammlung Koselleck beteiligt.

Die Ausstellung »Reinhart Koselleck und das Bild« korrespondiert nicht zuletzt mit aktuellen Anlässen, die die geisteswissenschaftlichen Traditionen Bielefelds aufgreifen und in neue Richtungen führen: mit dem an der Universität Bielefeld neu eingerichteten Bachelor-Studiengang »Bild- und Kunstgeschichte« ab dem Wintersemester 2017/18, mit der Gründung eines Zentrums für Theorien in der historischen Forschung sowie der Einrichtung einer zweimonatigen, geschichtstheoretisch ausgerichteten Koselleck-Gastprofessur, die erstmals im Sommer 2018 besetzt wird.

Die Ausstellungen werden eröffnet am Mittwoch, 18. April, in der Universität, Gebäude X, 18 Uhr, und am Freitag, 20. April, 19 Uhr im Kunstverein.

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